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Handel

Indien: Schwere Geburt eines Handelsabkommens mit USA

29. Juni 2026

Trotz abgekühlter politischer Beziehungen strebt Indien ein Handelsabkommen mit den USA an. Die Debatte in Amerika über die Rechtmäßigkeit der Strafzölle wirft Schatten auf den Ausgang der Gespräche.

USA Washington D.C. 2025 | Handschlag zwischen Donald Trump und Narendra Modi
US-Präsident Trump traf Indiens Premier Modi (l.) am 13.2.2025 im Weißen HausBild: Kevin Lamarque/REUTERS

"Erhebliche Fortschritte, aber kein Durchbruch." Seit Monaten hieß es so in Washington und Neu-Delhi, wenn Journalisten nach dem Stand der Verhandlungen über ein bilaterales Handelsabkommen fragten. Die Streitpunkte sind wie bei allen anderen Handelsgesprächen weltweit Marktzugang und Zölle. Und keiner will den Eindruck erwecken, als Erster Kompromisse gemacht zu haben.

Der indische Premierminister Narendra Modi und US-Präsident Donald Trump kündigten im Februar 2025 erstmals Verhandlungen über ein bilaterales Handelsabkommen (BTA) an, ein "wegweisendes Abkommen zwischen der größten Volkswirtschaft und dem bevölkerungsreichsten Land mit 1,4 Milliarden Konsumenten".

Doch es geht bergab mit den politischen Beziehungen in der zweiten Amtszeit von Donald Trump. Die USA hatten im August 2025 Strafzölle auf indische Importe verhängt, weil Indien Öl und Gas von Russland kauft. Der Zollzuschlag von 50 Prozent ist einer der höchsten Sätze, den die USA gegen ihre Handelspartner eingeführt haben.

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Im Februar 2026 wurden die Zölle wieder gesenkt, nachdem Indien die Einstellung der russischen Ölimporte angekündigt hatte. Indien will außerdem mehr in den USA investieren. Der Zugang zum heimischen Agrarmarkt wird für US-Produkte erleichtert. Über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg will Indien Produkte "Made in USA" im Wert von bis zu 500 Milliarden US-Dollar kaufen.

Das Handelsabkommen mit den USA sei in greifbarer Nähe, sagt der indische Handelsminister Piyush Goyal. Experten glauben eher, dass das Abkommen wahrscheinlich nicht zustande kommt, solange beide Länder keine entscheidenden Gegenleistungen erhalten.
 

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Fast zeitgleich erklärte der Oberste Gerichtshof der USA die Zölle von US-Präsident Trump für unrechtmäßig. Der republikanische Präsident soll seine Befugnisse überschritten haben. "Die Entscheidung entzog dem System der gegenseitigen Zölle seine Rechtsgrundlage", sagt Ajay Srivastava von der Global Trade Research Initiative.

Die Übergangslösung bei einem Zollsatz von zehn Prozent auf Importe aus allen Ländern läuft allerdings am 24. Juli aus. Die überwiegende Mehrheit der US-Importe soll dann wieder zu den Regelungen vor April 2025 zurückkehren. Ein neues Handelsabkommen wäre für Indien dann sinnlos.

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Dennoch verspricht sich Indiens Handelsminister Goyal Wettbewerbsvorteile mit einem Abkommen. "Wir brauchen natürlich einen Grund, um das Abkommen, auf das wir uns bereits geeinigt haben, in Kraft setzen zu können." Es könne aber erst in Kraft treten, wenn Indien sich einen Wettbewerbsvorteil bei den Zöllen gegenüber seinen Konkurrenten gesichert habe. "An dem Tag, an dem das geschieht, kommt das Abkommen zustande", sagte er auf einem Forum in London.

Indien positioniert sich zunehmend als die Werkbank der Welt, um sich in der globalen Wertschöpfungskette zu etablieren. Mehrere asiatische Volkswirtschaften, wie China, Malaysia und Vietnam, sind nach genau diesem Modell gewachsen. Da Neu-Delhi bestrebt ist, das Land in der Rangliste der größten Volkswirtschaften weiter nach oben zu bringen, wäre ein wettbewerbsfähiger Handelsvorteil gegenüber den USA von entscheidender Bedeutung. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist Indien die fünfgrößte Volkswirtschaft nach den USA, China, Deutschland und Japan.

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Streitpunkt Agrarprodukte

US-Präsident Trump möchte dagegen mehr amerikanische Agrarprodukte nach Indien verkaufen. Der bisher wichtigste Handelspartner China hat die Importe aus den USA deutlich reduziert. Das hat Einfluss auf Zwischenwahlen im November in Bundesstaaten, die landwirtschaftlich geprägt sind und gewöhnlich die Republikanische Partei wählen. Auch nach dem Chinabesuch war es Trump nicht gelungen, mehr Bohnen, Beef und Boeings an China zu verkaufen.

Jetzt sucht Trump neue Märkte für amerikanische Landwirte. So ließ er in die Absichtserklärung zwischen dem Iran und den USA schreiben, eingefrorene iranische Vermögenswerte seien zum Kauf von amerikanischen Waren zu verwenden, darunter Sojabohnen und Mais.

Washington drängt Neu-Delhi auf den Marktzugang für gentechnisch verändertes Getreide, das flächendeckend in den USA angebaut wird. Diese sind in Indien allerdings ein Tabu. Indische Landwirtschaftsverbände warnen außerdem, dass eine mögliche Senkung der tarifären und nichttarifären Handelshemmnisse zu Einkommensverlusten in Milliardenhöhe für die Landwirte führen würde. Bis zu 700 Millionen Menschen in Indien sind direkt oder indirekt im Agrarsektor beschäftigt. Ihre politische Lobbyarbeit hat große Überzeugungskraft. 

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Der Ex-Vizehandelsbeauftragte der USA für Süd- und Zentralasien, Mark Linscott, ist der Ansicht, dass der Zugang zum Agrarmarkt zwar ein Knackpunkt, aber kein Hindernis für das Abkommen sei. "Ich denke, es ist beiden Seiten klar, dass diese sensibelsten Themen nicht auf dem Verhandlungstisch liegen", sagt er gegenüber der DW. "Der Milchsektor ist vom Tisch. Er war nie ein ernst zu nehmender Verhandlungspunkt. Gentechnisch veränderte Pflanzen, zumindest für den menschlichen Verzehr, sind ebenfalls vom Tisch." Washington hofft, genmanipulierte Tierfutter nach Indien exportieren zu dürfen, die auch die EU und China bis zum Ausbruch des Handelskriegs importieren.

Befristete Regelung

Die Einigung der Europäischen Union mit den USA Anfang Juni brachte die Regierung in Neu-Delhi auf die Idee, dass eine Ausstiegsklausel Sinn machen würde. Die sogenannte Sunset Clause-Regelung ermöglicht die Aussetzung eines verbindlichen Abkommens unter ausgehandelten Bedingungen. Das EU-USA-Abkommen läuft am 31. Dezember 2029 aus, wenn die Verlängerung nicht mehr möglich ist.

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Indien würde von einem befristeten Abkommen profitieren, da es sensible Sektoren wie die Landwirtschaft für den US-Markt öffne, sagt Vivek Mishra der indischen Denkfabrik "Observer Research Foundation". "Wir sollten in der Lage sein, zurücktreten und sagen zu dürfen: 'Nun läuft das Abkommen aus. Dieser Sektor wird irgendwann geschlossen, sagen wir mal in zehn oder 15 Jahren'", sagt Mishra im DW-Interview.

301-Untersuchungen

Im Juni kündigte die US-Handelsbehörde USTR Untersuchungen gemäß Section 301 des Handelsgesetzes von 1974 an. Betroffen sind mehr als 60 Länder, unter ihnen auch Indien. Es droht ein Zollzuschlag in Höhe von 12,5 Prozent wegen Importe aus Zwangsarbeit und struktureller Überkapazität.

"Wenn die Höhe der Zölle faktisch vorab festgelegt und dann durch Handelsverhandlungen angepasst wird, stellt sich die Frage, ob es bei den Untersuchungen gemäß Section 301 um unlautere Handelspraktiken geht oder ob sie lediglich ein Instrument sind, um Zugeständnisse zu erzwingen", sagt Ajay Srivastava.

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2017 nutzte USTR während der ersten Trump-Präsidentschaft schon einmal dieselben Untersuchungen, um Druck gegen China auszuüben. "Es begann mit China. Aber dann hatte China die Trümpfe in der Hand", sagt Mishra und verweist dabei auf Pekings Dominanz bei Seltenen Erden, die die USA letztendlich zum Rückzug zwang. "Indien verfügt aber nicht über solche Druckmittel wie China."

"Indien möchte eindeutig Klarheit darüber, wie es in Zukunft mit möglichen weiteren 301-Verfahren oder noch anhängigen Verfahren weitergeht", sagt Linscott. "Sie wollen gewisse Zusicherungen, im Idealfall rechtliche Verpflichtungen, dass es in Zukunft keine Maßnahmen geben wird, die im Widerspruch zu den Bestimmungen dieses Abkommens stehen."

Kommt das Abkommen?

Die meisten Experten glauben, dass sowohl Washington als auch Neu-Delhi ein Handelsabkommen wollen. Und obwohl schwer zu sagen ist, wie lange die Verhandlungen noch andauern werden, ist es unwahrscheinlich, dass sie vollständig scheitern werden.

"Wenn sie etwas jetzt nicht klären können, können sie das Problem aufschieben und in die nächste Verhandlungsphase verschieben", sagt Linscott.

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan

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