Indiens Neutralität im Iran-Krieg auf Probe gestellt
10. März 2026
In den frühen Morgenstunden des 4. März versenkte ein U-Boot der US-Marine eine iranische Fregatte, die IRIS Dena, in internationalen Gewässern, etwa 37 Kilometer vor der Südküste Sri Lankas. 87 Seeleute starben. Das iranische Kriegsschiff war auf dem Rückweg von einer multinationalen Marineübung. Das Manöver unter dem Codenamen "MILAN 2026" hatte unter dem Kommando des indischen Militärs gestanden.
Der US-Angriff sei offenbar geplant gewesen, sagt der indische Ex-Außenminister Kanwal Sibal im DW-Interview. "Das iranische Schiff war im Wesentlichen wehrlos, da das Protokoll für solche Übungen in der Regel vorschreibt, dass die teilnehmenden Schiffe keine Munition mitführen dürfen."
"Es ist ironisch, dass die Marineübung den Namen 'MILAN' trägt, was (in Hindi) im Wesentlichen 'Zusammenkommen' bedeutet", sagt Sibal weiter. "Es ist ironisch, dass die USA die Vereinbarungen mit Indien ignoriert haben, da sich das Schiff aufgrund unserer Einladung in diesen Gewässern befand."
Indiens Führungsrolle im Indischen Ozean
Der Zwischenfall war eine weitere Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran auch außerhalb des Persischen Golfs und löste in Indien heftige Reaktionen aus. Kritiker sagen, das iranische Schiff sei zuvor in Indien zu Gast gewesen. Außerdem habe die Versenkung zwar in internationalen Gewässern des Indischen Ozeans stattgefunden, aber in einem Gebiet, in dem Indien seine maritime Führungsrolle geltend machen wolle.
Indiens Premierminister Narendra Modi und das Außenministerium hüllten sich zunächst in völliges Schweigen zu dem Angriff. Schließlich erklärte Außenminister Subrahmanyam Jaishankar: "Als die iranischen Seeleute aufbrachen und nach Indien kamen, war die Situation eine ganz andere gewesen. Sie kamen zu einer Flottenübung. Und dann gerieten sie gewissermaßen auf die falsche Seite bei den jüngsten Ereignissen."
Indien vermeidet Kritik an Verbündeten
Die zurückhaltende öffentliche Reaktion spiegelt ein bekanntes Muster der indischen Außenpolitik wider: Indien vermeidet gerne direkte Kritik an seinen strategischen Partnern, selbst wenn es zu unangenehmen Zwischenfällen kommt. Dies entspricht auch Indiens Kurs im laufenden Iran-Krieg. Neu-Delhi ergreift keine Partei und ruft stattdessen zu Zurückhaltung, Deeskalation und einer Rückkehr zum Dialog auf.
Viele Menschen in Indien haben Modis Schweigen jedoch als Schwäche angesehen. Oppositionsparteien sagen, die Regierung sei anfällig für regionale Krisen, und fordern eine Verurteilung der Aktion der USA. "Der Konflikt hat unseren Hinterhof erreicht, nachdem ein iranisches Kriegsschiff im Indischen Ozean versenkt worden war", sagt der politische Konkurrent von Modi, Rahul Gandhi, Ex-Vorsitzender der oppositionellen Kongresspartei. "Dennoch hat sich der Premierminister dazu nicht geäußert. In einer Zeit wie dieser brauchen wir eine ruhige Hand am Ruder. Stattdessen hat Indien einen kompromittierten Premierminister, der unsere strategische Autonomie aufgegeben hat."
Neben dem Pazifik steht auch der Indische Ozean im Spannungsfeld geopolitischer Interessen. Schon seit Langem sind Großmächte in dem Weltmeer zwischen Afrika und Indonesien präsent. Die USA betreiben einen Militärstützpunkt auf der winzigen Insel Diego Garcia mitten im Indischen Ozean, die zum britischen Territorium gehört. Washington hat sie bis 2036 von London gepachtet. Chinesische Schiffe machen am Hafen im sri-lankischen Hambantota oder im pakistanischen Gwadar Zwischenstopps. Und beide Mächte haben im ostafrikanischen Dschibuti Basen, die nur einige Kilometer voneinander entfernt liegen.
Wer kontrolliert den Indischen Ozean?
Obwohl Indien weder rechtlich noch operativ befugt ist, die internationalen Gewässer vor der Südküste Sri Lankas zu überwachen, wirft dieser Vorfall laut Experten unbequeme Fragen hinsichtlich Indiens Fähigkeit auf, die Sicherheit in seiner unmittelbaren Einflusssphäre zu gewährleisten.
"Unabhängig davon, wie peinlich dies für Indien diplomatisch sein mag, verdeutlicht dieser Vorfall letztlich die Kapazität und die Reichweite der amerikanischen Unterwasserkriegsführung", sagt der Experte für Sicherheits- und Strategiefragen, Commodore Uday Bhaskar, gegenüber der DW. Seiner Ansicht nach unterstreicht die Versenkung der iranischen Fregatte eine grundlegende Realität auf den offenen Meeren. "Die Kontrolle über die Ozeane liegt bei denen, die über die fortschrittlichsten Überwachungs- und Unterwasserwaffensysteme verfügen."
Bhaskar warnte, dass die USA unter Präsident Donald Trump diese Fähigkeiten weiterhin "einseitig" einsetzen würden, auch im Indischen Ozean. Der indische Verteidigungsstratege Brigadier S. K. Chatterji erklärt daraufhin, Indien habe als Seemacht im Falle einer groß angelegten Krise die Möglichkeit zu einigen Schachzügen. Es könnte zum Beispiel den Verkehr in Richtung Osten zur Straße von Malakka stören, einer wichtigen Handelsroute zwischen Malaysia und Indonesien.
"Wir sind eine bedeutende Kraft im Indischen Ozean", sagt er, "aber mit unseren derzeitigen Ressourcen können wir ihn nicht dominieren. Unsere Vorteile sind geografischer Natur. Indien ragt wie ein schwimmendes Deck in den Indischen Ozean hinein."
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan