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Industrieller Fischfang bedroht Wale

Gero Rueter16. September 2014

Trotz Fangverbot sterben jährlich hunderttausende Kleinwale und Delphine durch die Fischereiindustrie. Die internationale Walfangkommission muss "schneller reagieren" fordert Artenschutzexperte Volker Homes vom WWF.

Färöer Inseln - Walfang
Bild: Imago

Deutsche Welle: Herr Homes, seit 1986 ist der kommerzielle Walfang verboten. Derzeit (vom 15.9. – 18.9.) tagt die Internationale Walfangkommission in Slowenien. Wo liegen die Probleme?

Die Fischereiflotten sind überall und haben sehr große Netze. Bis zu 300.000 Kleinwale wie Delfine und Tümmler und junge Großwale werden so pro Jahr durch diesen sogenannten Beifang getötet. Das ist derzeit das Hauptproblem. Außerdem gibt es Probleme durch Kollisionen mit Schiffen, die immer schneller werden, mehr Lärm in den Meeren, die Förderung von Bodenschätzen wie Öl und Gas oder auch durch den Klimawandel.

Was muss passieren?

Die internationale Walfangkommission (IWC) wird in diesen Tagen viel über den Walfang reden. Im März hatte der internationale Gerichtshof in Den Haag entschieden, dass Japan mit seiner umstrittenen Waljagd in den Schutzgebieten der Antarktis gegen das internationale Walfangverbot verstoßen hat. Japan fing die Wale unter dem vorgeschobenen Stichwort der Wissenschaft. Es ist aber kein wissenschaftlicher Walfang, sondern ein Schlupfloch, und das muss jetzt geschlossen werden.

Und was passiert, um die anderen Probleme in den Griff zu bekommen?

Die Konvention gegen den Walfang wurde 1946 ins Leben gerufen. Die Themen Umwelt und der Schutz von Walen sind heute ganz andere als vor fast 70 Jahren. Es sind viele Gefahren dazugekommen. Eigentlich wäre die internationale Walfangkommission das ideale Gremium, um sich auch um diese anderen Bedrohungen in den Weltmeeren zu kümmern. Aber da gibt es eine Pattsituation zwischen dem kleinen Klub Wal fangender Länder und vielen anderen Staaten, die mehr Walschutz wollen. Deswegen kommt die Walfangkommission bei diesen Themen nicht wirklich voran.

Volker Homes ist Artenschutzexperte beim WWFBild: imago/Lars Reimann

Welche Erwartungen haben Sie an die internationale Tagung?

Man kann erwarten, dass der Walfang in Japan und auch in Island verurteilt wird. Ansonsten wird es kleine Schritte in Richtung verbessertem Walschutz geben. Allerdings müsste es schneller vorangehen. Es gibt viele Walarten mit nur noch wenigen Dutzend beziehungsweise wenigen hundert Tieren. Sie werden durch Fischernetze, Öl- und Gasförderung bedroht. Da müsste die IWC schneller reagieren und mehr Mittel zur Verfügung stellen.

Welche Maßnahmen könnten das sein?

Die internationale Walfangkommission müsste mehr Vorstöße wagen und Fischereiabkommen erwirken, damit der Beifang reduziert wird. Es gibt beispielsweise große Schleppnetze, die Klappen haben, durch die sowohl Meeresschildkröten als auch Wale entkommen können. Teilweise setzt man auch akustische Signale ein, um unter Wasser Wale zuverscheuchen. Oder man setzt sich für die Reduzierung der Schiffsgeschwindigkeit in bestimmten Meeresregionen ein, in denen Wale kalben.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

Das Verbot des kommerziellen Walfangs hat ohne Zweifel etwas bewirkt. Bestimmte Buckelwalbestände haben beispielsweise einen deutlichen Zuwachs, auch die Blauwale. Diesen Weg sollten wir konsequent weitergehen, damit sich noch weitere Walbestände vom Fang erholen.

Was können wir Konsumenten tun?

Es gibt Gütesiegel für nachhaltig gefangenen Fisch wie das MSC-Gütesiegel oder das Siegel für Delfin-frei gefangenen Fisch. Darauf sollte der Verbraucher achten.

Das Interview führte Gero Rueter

Volker Homes ist Artenschutzexperte vom World Wide Fund For Nature (WWF).

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