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Instrument des Jahres 2026: Akkordeon mit neuem Image

Gaby Reucher
1. Januar 2026

Das Akkordeon wird weltweit beliebter. Deutschland feiert den Allrounder als Instrument des Jahres 2026. Man findet es inzwischen in allen Genres - von Tango bis Heavy Metal.

Ein Akkordeonspieler spielt auf einem Mauervorsprung mit Blick in ein Tal
Matthias Matzke spielt "Symphonic Rock" auf seinem AkkordeonBild: Sonja Hübner

Akkordeonist Matthias Matzke liebt sein Instrument, und ist nicht nur vom Klang begeistert. "Man kann sich so richtig auspowern und hat die direkte Interaktion von Muskelkraft und Klang." Das hat ihm schon als Kind gefallen. Jetzt ist Matzke einer der Botschafter für das Instrument des Jahres 2026. "Das Akkordeon beflügelt unglaublich die Fantasie. Es klingt mal wie ein Orchester mit Bläsern, aber man kann auch wunderbar Popsongs covern", sagt er im Gespräch mit der DW.

Seit 2008 wählen die Musikräte der Bundesländer in Deutschland ein Instrument des Jahres. Instrumente, die im Orchester oder als Soloinstrument ein Nischendasein fristen - wie 2023 die Mandoline oder 2024 die Tuba - sollen besonders hervorgehoben werden. Darüber hinaus stehen Instrumente im Fokus, die Menschen genreübergreifend zusammenbringen. 2025 war es die menschliche Stimme, 2026 nun das Akkordeon, das von Russland bis Lateinamerika und in vielen Ländern Europas seinen festen Platz hat.

Weg vom verstaubten Image

Wie vielfältig das Akkordeon sein kann, beweisen bekannte Interpreten mit teils schwindelerregenden Live-Acts. In den sozialen Medien werden Videoclips vielfach geteilt, in denen Menschen verrückte Sachen machen, während sie Akkordeon spielen. Camilo Rivera aus Chile etwa spielt Akkordeon beim Inlineskaten. Martynas Levickis aus Litauen schwebt in den Wolken und spielt sein Instrument im Heißluftballon. "Irgendwann ging die Verbindung mit dem Publikum über WLAN verloren und das war das Happening: Musik, die im Himmel verschwindet", sagte Levickis der DW. Bei der Akkordeonistin #Balkanandreea gehen derweil auf TikTok die Abrufzahlen durch die Decke, wenn sie für ihre mehr als 500.000 Follower Popsongs mit Balkanrhythmen spielt und auf Techno-Festivals auftritt.

Auch Matthias Matzke rockt mit seiner Band "Vangardion" die Bühnen und zeigt, dass auch in Deutschland mehr möglich ist als volkstümliche Musik. "Das Akkordeon hat in Deutschland oft das Klischee, dass es sehr traditionell gespielt wird und es ist dann für viele überraschend, wenn ich etwas anderes mache". Matzke ist begeistert von digitalen Akkordeons, die auch in der Rockmusik punkten. "Da habe ich zum Beispiel einen E-Piano Sound und kann neue faszinierende Klangwelten gestalten", sagt Matzke.

Das richtige Akkordeon für jedes Genre

Auch der bekannte deutsche Akkordeonhersteller "Hohner" ist bemüht, dem Instrument ein neues Image zu verpassen. Das Unternehmen bedient von Folk bis Heavy Metal sämtliche Genres. Das sieht man den Akkordeons an. Moderne poppige Farben für den Mainstream, exklusive Modelle für die Profis oder spezielle Akkordeons wie das "Corona II Los Tigres" das passgenau für die Hernández-Brüder der mexikanischen Band "Los Tigres del Norte" produziert wurde.

Der Tiger als Symbol auf dem Akkordeon, speziell für de Band Los Tigres del Norte angefertigtBild: Los Tigres

"Unter den Lateinamerikanern ist das Akkordeon Teil des Lebensstils", erläutert Michael Mantay, Marketing Manager der Firma Hohner. "Es gibt große Musiker, die Millionen Aufrufe haben und auf Festivals spielen." Etwa in Kolumbien beim Vallenato-Festival in Valledupa. Der Vallenato ist ein Genre der populären Volksmusik Kolumbiens. "Das ist ein Festival, bei dem 30.000 bis 50.000 Menschen ein kleines Dorf mit 20 Bühnen überrennen. Da ist das Akkordeon sehr präsent auch mit neuen Formen des traditionellen Vallenatos."

Hohner: Akkordeons made in Germany

Hohner ist nach eigenen Angaben Marktführer im Akkordeonbau. Für jeden Markt stellt das Unternehmen spezielle Instrumente her. Die Anfängerinstrumente werden in China gebaut. Im Baden-Württembergischen Trossingen stellt Hohner sein Flaggschiff, die "Gola" her. "Es ist benannt nach einem italienischem Akkordeonbauer. Da werden sogar Goldteile verbaut", verrät Mantay. In seinen Produktionsstätten im italienischen Castelfidardo stellt Hohner Instrumente für den europäischen und amerikanischen Markt her. Castelfidardo ist seit dem 19. Jahrhundert ein Zentrum für den Akkordeonbau und gilt deshalb als "Stadt des Akkordeons".

Bunte Farben geben den Hohner-Akkordeons ein neues ImmageBild: Hohner

Die Firmengeschichte von Hohner geht ins 19. Jahrhundert zurück. 1857 begann der Uhrenbauer Matthias Hohner Mundharmonikas herzustellen. "Seine Söhne gingen dann in verschiedene Kontinente und verbreiteten das Instrument besonders in Amerika, wo es in der Blues-Musik einen großen Markt hatte", sagt Michael Mantay. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts produziert Hohner auch Akkordeons. Seine Blütezeit hatte das Instrument zwischen den 1920er und 1950er Jahren, dann kamen elektrische Gitarren auf den Markt und beherrschten die Rock- und Pop-Musik.

Unterricht für das Instrument des Jahres

Hohner ist aber nicht nur Instrumentenbauer, sondern hat auch das Hohner Konservatoriumin Trossingen gegründet. Nach eigenen Angaben ist es das einzige Berufskolleg für Akkordeonlehrer in Deutschland. Dort hat auch Matthias Matzke einen Teil seiner Ausbildung absolviert. Das Unternehmen beteiligt sich an der Aktion "Instrument des Jahres" und unterstützt Botschafter wie Matthias Matzke.

Matthias Matzke mit seiner Band "Vangardion"Bild: Fabian Kitzke

Die Liebe zum Akkordeon gibt Matthias Matzke schon seit vielen Jahren als Lehrer weiter. "Der eine verbindet Akkordeonmusik mit französischen Straßencafés der andere mitAstor Piazzollas argentinischem Tango", sagt Matzke. Jeden dieser Akkordeonträume möchte er mit seinen Usern im Unterricht verwirklichen. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, hat Matzke die digitale Lernplattform "Accordio" gegründet und Methoden entwickelt, bei denen man sowohl nach Noten als auch nach Gehör lernen kann.

Das entspricht dem Ziel der Veranstalter beim "Instrument des Jahres". In Schulen sowie durch soziale Aktivitäten und Sonderkonzerte soll das Akkordeon einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. "Was unsere Gesellschaft gerade in diesen Zeiten wieder braucht, ist eine Form von Geselligkeit, wo man zusammenkommt und gemeinsam mit Musik kommuniziert", meint Matzke. Mit dem tragbaren Akkordeon sei das möglich. "Handgemachte Musik ist immer noch gefragt, aber es wird zu wenig praktiziert". Durch das Jahr des Akkordeons, so hofft Matzke, könne sich das vielleicht wieder ändern.

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