Karlspreis für Mario Draghi: "Den Euro gerettet"
17. Januar 2026
Für historische Verdienste um die europäische Einigung wird Mario Draghi, der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (2011 bis 2019), mit dem Internationalen Karlspreis 2026 ausgezeichnet. Mit Draghi, der von 2021 bis 2022 auch Regierungschef Italiens war, ehre man eine Persönlichkeit, "die zielgerichtet und mit unerschütterlicher Entschlossenheit Großes für Europa geleistet hat", begründete das Karlspreis-Direktorium seine Entscheidung.
Der Name des Preisträgers wurde an diesem Samstag in Aachen von Armin Laschet verkündet. Er ist der Vorsitzende des Direktoriums und war einst Ministerpräsident des westdeutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Laschet würdigte Draghi als einen "Wissenschaftler und Manager", der "Europäische Visionen" entwickelt habe.
"Den Euro gerettet"
Der Preisträger habe "in einer dramatischen Situation den Euro gerettet", erklärte Laschet weiter. Draghi habe zudem "Italien in einer Krisensituation stabilisiert und reformiert".
Laschet ging in seiner Rede vor allem auf Draghis bekannte Worte "Whatever it takes" während der Schulden- und Eurokrise 2012 ein. Mit seiner Aussage "Die Europäische Zentralbank wird alles tun, was nötig ist, um den Euro zu schützen", hatte der damalige EZB-Präsident die Finanzmärkte beruhigt. "Sein Wort 'Whatever it takes' gilt heute mehr denn je", sagte der CDU-Politiker.
Das Direktorium hob auch den 2024 von Draghi veröffentlichten und nach ihm benannten Report zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit hervor. Er war im Auftrag der EU-Kommission entstanden.
Darin mahnt der Wirtschaftswissenschaftler, die Europäische Union müsse dringend innovativer werden, wenn sie nicht den Anschluss an konkurrierende Wirtschaftsmächte wie die USA und China verlieren wolle.
Direktorium: Die Lage ist dramatisch
Das Karlspreis-Direktorium schließt sich dieser Einschätzung an: "Die Lage ist dramatisch", schreibt es in seiner Begründung zur Preisverleihung. "Europa droht zum Spielball anderer Mächte zu werden." Seine Handlungsfähigkeit könne Europa nur sichern, wenn es wettbewerbsfähiger werde. Wirtschaftliche Stärke sei die Basis für alles andere.
Vor diesem Hintergrund bezeichnete das Direktorium die Zuerkennung des Karlspreises an den Italiener zum jetzigen Zeitpunkt als "ein bewusst gesetztes" Signal an die Entscheidungsträger in Brüssel. "Wir fordern die Europäische Kommission und europäischen Staats- und Regierungschefs auf, jetzt den Draghi-Report umzusetzen", so das Karlspreis-Direktorium.
"Europa hat mehr Feinde denn je"
In einer eingespielten Videobotschaft während der Preisverkündung dankte Draghi für die Zuerkennung und wies darauf hin: "Diese Entscheidung kommt zu einer Zeit, zu der Europa viele Feinde hat - vielleicht mehr Feinde denn je, sowohl innere als auch äußere Feinde."
Um die Europäische Union zu bewahren, müssten die Europäer enger denn je zusammenstehen, mahnte der 78-Jährige. "Wir müssen unsere selbst verschuldeten Schwächen überwinden. Und wir müssen stärker werden: militärisch, wirtschaftlich und politisch."
Bedeutendste Auszeichnung in Europa
Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als älteste und wichtigste Auszeichnung für Verdienste um Völkerverständigung und Zusammenarbeit in Europa. Benannt wurde er nach Kaiser Karl dem Großen - einem der wichtigsten Herrscher des Mittelalters, der oft als "Vater Europas" bezeichnet wird.
Der Preis war von Aachener Bürgern gestiftet worden und wird seit 1950 traditionell am Feiertag Christi Himmelfahrt verliehen, in diesem Jahr am 14. Mai.
Seit vergangenem Jahr ist die Auszeichnung mit einem Preisgeld von einer Million Euro verbunden. Das Geld soll pro-europäischen Projekten zugutekommen.
se/AR (dpa, kna, afp, epd)