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Politik

Intifada: 30 Jahre Aufstand gegen Israel

Darko Janjevic phi
8. Dezember 2017

Vor exakt 30 Jahren begann der erste Volksaufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung. Die Entscheidung Donald Trumps, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, könnte eine dritte Intifada einleiten.

Intifada 1990
Bild: picture-alliance/AFP/P. Baz

Als Intifada bezeichnen die Palästinenser den Aufstand gegen die israelische Besatzung in den Palästinensergebieten, also in Gaza, im Westjordanland und Ost-Jerusalem. Das arabische Wort bedeutet eigentlich "etwas abschütteln". Im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt ist damit sowohl das lokale Aufbegehren einzelner Gruppen als auch die politisch organisierte Rebellion von Palästinensern gegen das israelische Militär gemeint. Die erste Intifada dauerte von 1987 bis 1993, die zweite, weitaus blutigere Intifada, von 2000 bis 2004.

Die radikal-islamische Hamas hat die Palästinenser dazu aufgerufen, am 8. Dezember 2017, exakt 30 Jahre nach Beginn der ersten Intifada, eine dritte Intifada zu starten. Sie reagiert damit auf die Entscheidung von US-Präsident Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. In Jerusalem, der Westbank und im Gazastreifen kam es nach den Freitagsgebeten bereits zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee. Noch sind die Auseinandersetzungen aber nicht vergleichbar mit denen der ersten beiden Intifadas.

Die erste Intifada

20 Jahre nach der Besetzung von Westjordanland und Gazastreifen war der Unmut der Palästinenser über den Siedlungsbau, wirtschaftliche Ungleichheit und Schikanen durch das israelische Militär so groß geworden, dass zu einem Aufstand nur ein Zündfunke fehlte.

Könnte von heute sein, ist aber von 1988: Ein Bild aus Nablus im WestjordanlandBild: Getty Images/AFP/E. Baitel

Der Auslöser

Dieser flammte am 8. Dezember 1987 auf: Ein israelischer Militärlaster stieß im Norden des Gazastreifens mit zwei palästinensischen Taxis zusammen. Vier Palästinenser, die auf dem Weg von der Arbeit zurück nach Gaza waren, wurden getötet. Die israelische Seite betonte, der Fahrer habe die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Viele arabische Beobachter gingen jedoch davon aus, dass er mit Absicht gehandelt habe und damit den Tod eines Israelis bei einem Messerangriff einige Tage zuvor rächen wollte.

Die Eskalation

Daraufhin brachen im Flüchtlingslager Jabalia in Nordgaza Unruhen aus. Diese weiteten sich schnell auf ganz Gaza und das Westjordanland aus, zum Teil angestachelt durch die harte Reaktion des israelischen Militärs, das scharfe Munition einsetzte.

Zunächst waren die Proteste und vereinzelten Gewaltakte der Palästinenser spontan, nach und nach nahm der Aufstand jedoch auch organisierte Formen an. So wurden Abgaben und Steuern nicht mehr entrichtet, es kam immer wieder zu Generalstreiks, israelische Produkte wurden boykottiert. Israel reagierte mit Ausgangssperren und einem massiven Militäreinsatz in den besetzten Gebieten. Auch Folter und Massenverhaftungen heizten den Konflikt weiter an.

Die Zeit der Intifada hat sich ins kollektive Gedächtnis von Israelis und Palästinensern gebranntBild: picture-alliance / dpa

Das Ende

Nach Jahren der Gewalt endete die erste Intifada mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Oslo zwischen der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO und Israel im Jahr 1993. Die Palästinensische Autonomiebehörde wurde geschaffen. Sie sollte den Palästinensern in den besetzten Gebieten ein gewisses Maß an Verwaltungshoheit geben.

Die erste Intifada wird auch als Geburtsstunde des Hamas angesehen, die Scheich Ahmad Yasin mit Hilfe der Muslimbrüderschaft und religiöser Mitglieder der PLO gegründet hatte. Die Hamas lehnte den Friedensvertrag von 1993 ab.

Die zweite Intifada

Der Oslo-Friedensprozess war Ende der 1990er Jahre immer mehr ins Stocken geraten. Mit den ergebnislosen Verhandlungen zwischen Ehud Barak und Yassir Arafat in Camp David im Sommer 2000 galt er als gescheitert, eine Lösung des Nahostkonflikts war wieder in weite Ferne gerückt.

Der Auslöser

Am 28. September 2000 besuchte der damalige Oppositionspolitiker Ariel Scharon im Wahlkampf unter massivem Polizeischutz den Tempelberg im arabischen Ostteil Jerusalems. Dort befindet sich die Al-Aqsa-Moschee, die drittwichtigste Moschee des Islam. Aus Sicht der palästinensischen Führung wollte Scharon damit den Anspruch Israels auf die besetzten Gebiete, insbesondere auf ganz Jerusalem einschließlich der heiligen Stätten dort, deutlich machen.

Besuch mit Folgen: Ariel Scharon auf dem Tempelberg im September 2000Bild: APImages

Die Eskalation

In Folge des Besuchs kam es zu gewalttätigen Demonstrationen, die von der israelischen Polizei mit Waffengewalt aufgelöst wurden. Als Reaktion auf den Tod von vier Demonstranten weiteten sich die Proteste schnell von Jerusalem ins Westjordanland und nach Gaza aus. Manche Beobachter sind der Auffassung, die palästinensische Führung habe den Aufstand geplant und organisiert.

Im Gazastreifen wird zwei Tage später der zwölfjährige Mohammed al-Durra bei einem Feuergefecht zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern erschossen. Das israelische Militär übernimmt dafür zunächst die Verantwortung, zieht dies aber später zurück. Der Tod des Jungen, von einem Filmteam festgehalten, wird zum Symbol der zweiten Intifada. Die Hamas erklärt den 6. Oktober zum "Tag des Zorns" und ruft die Palästinenser dazu auf, israelische Armeeposten anzugreifen.

Während die erste Intifada eher als Volksaufstand angesehen wird, spielten in der zweiten Intifada radikale Einzelgruppen wie die Hamas eine größere Rolle. Neben Steinen und Brandsätzen setzen die Palästinenser jetzt vermehrt Feuerwaffen und Raketen ein. Es kommt zu einer neuen Serie von Selbstmordanschlägen auf Israelis, insbesondere in Restaurants, Café und in Bussen. Israel setzt sein Militär gegen Bewaffnete und Zivilisten ein, fliegt Luftangriffe und tötet gezielt einzelne Anführer des Aufstands.

Das Ende

Mehr als 1000 Israelis und mehr als 3000 Palästinenser verlieren durch die Gewalt ihr Leben. Das exakte Ende des Aufstands ist umstritten. Einige Beobachter nennen den Tod von Palästinenserführer Arafat im November 2004 als entscheidenden Moment. Im März 2005 beginnt Israel, besetzte palästinensische Städte zu räumen. Doch auch seit dem Ende der zweiten Intifada ebbt die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern nie ganz ab.

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