IOC lehnt Sonderbehandlung von US-Skeleton-Pilotin ab
27. Januar 2026
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) lehnt es ab, Skeleton-Pilotin Katie Uhlaender aus den USA bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina einen zusätzlichen Startplatz zu gewähren. Die Bitte des Olympischen und Paralympischen Komitees der USA (USOPC) läuft damit ins Leere.
Weil das USOPC Uhlaender in der Olympia-Qualifikation klar benachteiligt sah, hatte es für seine Athletin einen Sonderstartplatz gefordert und dazu per Brief auch IOC-Präsidentin Kirsty Coventry adressiert.
Das Komitee erklärte, dass ein "zusätzlicher Startplatz" für die 41-Jährige bei den Winterspielen "den Wert des Fairplay sowie das Hauptziel des Qualifikationssystems, nämlich die Teilnahme der besten Athleten zu ermöglichen, wahren würde".
Absichtliche Abmeldung von Athletinnen
Uhlaender beschuldigt den kanadischen Skeleton-Trainer Joe Cecchini, kurz vor dem entscheidenden Qualifikationswettbewerb in Lake Placid vier seiner Athletinnen absichtlich erst kurz vor dem Start aus dem Rennen zurückgezogen zu haben. So waren weniger Pilotinnen am Start, und es gab daher auch weniger Qualifikationspunkte.
Cecchini wollte verhindern, dass seine Pilotin Jane Channell in der Qualifikationsrangliste noch überholt wird und Olympia verpasst. Er habe das in einem Telefonat mit ihr zugegeben, berichtete Uhlaender der DW.
Uhlaender gewann zwar in Lake Placid, erhielt für ihren Sieg aber nur 90 statt der vollen 120 Punkte, die ihr zugestanden hätten, wenn 21 oder mehr Athletinnen teilgenommen hätten.
Da die Länder auf eine maximale Anzahl von Athletinnen und Athleten pro olympischer Disziplin beschränkt sind, bedeutete dies, dass sie ihre nächste Konkurrentin im US-Skeleton-Team, Mystique Ro, nicht mehr einholen konnte. Letztendlich verpasste Uhlaender die Qualifikation für Mailand-Cortina um nur 18 Punkte.
Brief an Coventry: "Außergewöhnliche Umstände"
In seinem Brief an Coventry schrieb das USOPC, Cecchinis Handlungen hätten "die olympischen Qualifikationsgrundsätze umgangen" und "den fairen Wettbewerb untergraben".
Eine Änderung des Qualifikationssystems sei "angesichts der außergewöhnlichen Umstände [...], die zu einem erheblichen Reputationsschaden für den Sport weltweit geführt haben", gerechtfertigt, so das USOPC in dem Schreiben, das der DW vorliegt.
Keine Untersuchung durch Weltverband
Der kanadische Skeleton-Verband Bobsleigh Canada Skeleton (BCS) hatte Cecchinis Vorgehen als "angemessen, transparent und im Einklang mit dem Wohlergehen der Athleten und der Integrität des Sports" verteidigt. Und auch der Internationale Bob- und Skeletonverband (IBSF) sprach das kanadische Team am 15. Januar von jeglichem Fehlverhalten frei und erklärte, dass keine Regeln verletzt worden seien.
Die IBSF erinnerte die Athleten und Trainer jedoch an die Grundsätze des "Fairplay und ethischen Verhaltens" - laut einer Quelle eine "leichte Zurechtweisung" - und kündigte an, ihre Regeln für zukünftige Veranstaltungen anzupassen.
Uhlaender kritisierte die IBSF dafür, dass sie keine "ordnungsgemäße" Untersuchung durchgeführt habe. Sie sagte, dass sie nicht aufgefordert worden sei, Beweise vorzulegen, darunter die Aufzeichnung des Telefongesprächs mit Cecchini, in dem er ihr zufolge sein Vorhaben zugegeben habe.
Die Ad-Hoc-Abteilung des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS)für Mailand und Cortina erklärte sich in einer Anhörung des Falls für nicht zuständig, da nur Vorfälle verhandelt würden, die sich maximal zehn Tage vor Beginn der Winterspiele ereignet hätten. Der von Uhlaender angezeigte Vorgang habe sich jedoch bereits vor dieser Frist abgespielt.
"Ich bin sehr enttäuscht, dass wieder einmal nichts getan werden kann", sagte Uhlaender der DW. "Es ist frustrierend, dass wir fünf Stunden lang über den Fall diskutiert haben und sie letztendlich sagten, wir könnten nicht angehört werden, obwohl wir es doch wurden."
Keine Unterstützung durch das IOC
Trotz großer Hoffnungen auf das IOC und seine Präsidentin fiel auch die Reaktion des olympischen Dachverbands für Uhlaender enttäuschend aus.
"Wir haben heute Morgen eine Antwort erhalten, das sie [das IOC, Anm.d.Red.] die Entscheidung des internationalen Verbands in dieser Angelegenheit unterstützen", wird Rocky Harris, Leiter der Abteilung für Sport und Athletenservices des USOPC in einer Meldung der Agentur AP vom 27. Januar zitiert.
Auch zuvor war es selten vorgekommen, dass das IOC in das Qualifikationssystem der Sportverbände eingriff. Im Jahr 2023 erhielt die ukrainische Fechterin Olga Kharlan vom damaligen IOC-Präsidenten Thomas Bach eine Teilnahme-Garantie an den Olympischen Spielen 2024 in Paris, obwohl sie sich letztendlich aus eigener Kraft qualifiziert hatte.
Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "IOC rejects extra Winter Games spot for skeleton's Uhlaender" adaptiert und nach der Entscheidung des CAS am 3. Februar aktualisiert.