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IOC lehnt Sonderbehandlung von US-Skeleton-Pilotin ab

Jonathan Crane
27. Januar 2026

Die zweimalige Skeleton-Weltmeisterin Katie Uhlaender wurde Opfer einer mutmaßlichen Wettbewerbsmanipulation, was ihre Olympia-Teilnahme verhindert. Doch auch IOC-Präsidentin Kirsty Coventry will ihr nicht helfen.

Olympische Winterspiele Peking 2022 | US-Skeleton-Pilotin Katie Uhlaender im Frauenwettbewerb
Skeletonfahrerin Katie Uhlaender möchte zum sechsten Mal zu den Olympischen Spielen - die IOC-Präsidentin soll helfenBild: Mark Schiefelbein/AP Photo/picture alliance

Das Internationale Olympische Komitee (IOC)  lehnt es ab, Skeleton-Pilotin Katie Uhlaender aus den USA bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina einen zusätzlichen Startplatz zu gewähren. Die Bitte des Olympischen und Paralympischen Komitees der USA (USOPC) läuft damit ins Leere.

Weil das USOPC Uhlaender  in der Olympia-Qualifikation klar benachteiligt sah, hatte es für seine Athletin einen Sonderstartplatz gefordert und dazu per Brief auch   IOC-Präsidentin Kirsty Coventry adressiert.

Das Komitee erklärte, dass ein "zusätzlicher Startplatz" für die 41-Jährige bei den Winterspielen "den Wert des Fairplay sowie das Hauptziel des Qualifikationssystems, nämlich die Teilnahme der besten Athleten zu ermöglichen, wahren würde".

Absichtliche Abmeldung von Athletinnen

Uhlaender beschuldigt den kanadischen Skeleton-Trainer Joe Cecchini, kurz vor dem entscheidenden Qualifikationswettbewerb in Lake Placid vier seiner Athletinnen absichtlich erst kurz vor dem Start aus dem Rennen zurückgezogen zu haben. So waren weniger Pilotinnen am Start, und es gab daher auch weniger Qualifikationspunkte.

Die kanadische Skeleton-Pilotin Jane Channell profitierte von der Aktion ihres TrainersBild: Michael Memmler/Eibner-Pressefoto/picture alliance

Cecchini wollte verhindern, dass seine Pilotin Jane Channell in der Qualifikationsrangliste noch überholt wird und Olympia verpasst. Er habe das in einem Telefonat mit ihr zugegeben, berichtete Uhlaender der DW.

Uhlaender gewann zwar in Lake Placid, erhielt für ihren Sieg aber nur 90 statt der vollen 120 Punkte, die ihr zugestanden hätten, wenn 21 oder mehr Athletinnen teilgenommen hätten. 

Da die Länder auf eine maximale Anzahl von Athletinnen und Athleten pro olympischer Disziplin beschränkt sind, bedeutete dies, dass sie ihre nächste Konkurrentin im US-Skeleton-Team, Mystique Ro, nicht mehr einholen konnte. Letztendlich verpasste Uhlaender die Qualifikation für Mailand-Cortina um nur 18 Punkte.

Brief an Coventry: "Außergewöhnliche Umstände"

In seinem Brief an Coventry schrieb das USOPC, Cecchinis Handlungen hätten "die olympischen Qualifikationsgrundsätze umgangen" und "den fairen Wettbewerb untergraben".

Kirsty Coventry, ehemalige Schwimmerin aus Zimbabwe, ist seit Juni 2025 Präsidentin des IOCBild: Philimon Bulawayo/REUTERS

Eine Änderung des Qualifikationssystems sei "angesichts der außergewöhnlichen Umstände [...], die zu einem erheblichen Reputationsschaden für den Sport weltweit geführt haben", gerechtfertigt, so das USOPC in dem Schreiben, das der DW vorliegt.

Keine Untersuchung durch Weltverband 

Der kanadische Skeleton-Verband Bobsleigh Canada Skeleton (BCS) hatte Cecchinis Vorgehen als "angemessen, transparent und im Einklang mit dem Wohlergehen der Athleten und der Integrität des Sports" verteidigt. Und auch der Internationale Bob- und Skeletonverband (IBSF) sprach das kanadische Team am 15. Januar von jeglichem Fehlverhalten frei und erklärte, dass keine Regeln verletzt worden seien.

Die IBSF erinnerte die Athleten und Trainer jedoch an die Grundsätze des "Fairplay und ethischen Verhaltens" - laut einer Quelle eine "leichte Zurechtweisung" - und kündigte an, ihre Regeln für zukünftige Veranstaltungen anzupassen.

Uhlaender kritisierte die IBSF dafür, dass sie keine "ordnungsgemäße" Untersuchung durchgeführt habe. Sie sagte, dass sie nicht aufgefordert worden sei, Beweise vorzulegen, darunter die Aufzeichnung des Telefongesprächs mit Cecchini, in dem er ihr zufolge sein Vorhaben zugegeben habe.

Katie Uhlaender will möglicherweise bis vor den CAS ziehen, um ihr Startrecht bei Olympia zu erhaltenBild: Seth Wenig/AP Photo/picture alliance

Die Ad-Hoc-Abteilung des  Internationalen Sportgerichtshofs (CAS)für Mailand und Cortina erklärte sich in einer Anhörung des Falls für nicht zuständig, da nur Vorfälle verhandelt würden, die sich maximal zehn Tage vor Beginn der Winterspiele ereignet hätten. Der von Uhlaender angezeigte Vorgang habe sich jedoch bereits vor dieser Frist abgespielt. 

"Ich bin sehr enttäuscht, dass wieder einmal nichts getan werden kann", sagte Uhlaender der DW. "Es ist frustrierend, dass wir fünf Stunden lang über den Fall diskutiert haben und sie letztendlich sagten, wir könnten nicht angehört werden, obwohl wir es doch wurden."

Keine Unterstützung durch das IOC

Trotz großer Hoffnungen auf das IOC und seine Präsidentin fiel auch die Reaktion des olympischen Dachverbands für Uhlaender enttäuschend aus.

"Wir haben heute Morgen eine Antwort erhalten, das sie [das IOC, Anm.d.Red.] die Entscheidung des internationalen Verbands in dieser Angelegenheit unterstützen", wird Rocky Harris, Leiter der Abteilung für Sport und Athletenservices des USOPC in einer Meldung der Agentur AP vom 27. Januar zitiert.

Auch zuvor war es selten vorgekommen, dass das IOC in das Qualifikationssystem der Sportverbände eingriff. Im Jahr 2023 erhielt die ukrainische Fechterin Olga Kharlan vom damaligen IOC-Präsidenten Thomas Bach eine Teilnahme-Garantie an den Olympischen Spielen 2024 in Paris, obwohl sie sich letztendlich aus eigener Kraft qualifiziert hatte.

Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "IOC rejects extra Winter Games spot for skeleton's Uhlaender" adaptiert und nach der Entscheidung des CAS am 3. Februar aktualisiert.

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