IRA stimmt Entwaffnung zu
25. Oktober 2001
Durch den Beginn ihrer Entwaffnung hat die IRA am Dienstag einen Durchbruch im nordirischen Friedensprozess erzielt. Der zurückgetretene Erste Minister der nordirischen Regionalregierung, Unionistenführer David Trimble, kündigte am Abend seine Rückkehr in die Regierung an. Er werde seiner Partei, den protestantischen Ulster-Unionisten (UUP), empfehlen, erneut zusammen mit der IRA-nahen Partei Sinn Fein in Belfast zu regieren, sagte der Friedensnobelpreisträger nach einem Gespräch mit der internationalen Entwaffnungskommission.
Ein historisches Ereignis
Der Vorsitzende dieses Ausschusses, der kanadische General John de Chastelain, habe ihm versichert, dass die IRA eine beachtliche Anzahl von Waffen abgegeben habe. Damit sei der von den Protestanten geforderte Beginn der IRA-Entwaffnung vollzogen. Er sei "absolut überzeugt, dass das (Waffen-)Material nie mehr benutzt werden wird", sagte Trimble. "Dies ist der Tag, von dem man uns gesagt hat, dass er niemals kommen würde."
De Chastelain bestätigte: "Wir sind Zeugen eines Ereignisses gewesen, das wir als bedeutsam betrachten und bei dem die IRA eine Anzahl von Waffen vollständig ausgemustert hat. Das betreffende Material umfasst Waffen, Munition und Sprengstoff."
Reaktionen aus London und Dublin
Der britische Premierminister Tony Blair bezeichnete die IRA-Initiative als "bedeutenden Meilenstein" für den Friedensprozess. Ein "echter Prozess der Normalisierung" sei nun möglich. "Dies ist ein Friedensprozess, der trotz allem funktioniert", sagte Blair. In Dublin sagte der irische Ministerpräsident Bertie Ahern: "In den vergangenen Jahren hat es mehrere Gelegenheiten gegeben, bei denen das Wort 'historisch' angemessen war, und die Erklärung (der IRA) bezeichnet ganz klar eine weitere beispiellose Entwicklung."
Der stellvertretende Sinn-Fein-Präsident Martin McGuinness sagte: "Es ist wahrlich historisch und kann ein Wendepunkt in der blutigen Geschichte Nordirlands sein." Der Sinn-Fein-Vorsitzende Gerry Adams sprach von einem "bahnbrechenden, beispiellosen Prozess", den die IRA in Gang gesetzt habe.
Gründe für den Sinneswandel
Die Irisch-Republikanische Armee (IRA), die katholische Untergrundorganisation, die für die Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland kämpft, hatte am Dienstagabend mitgeteilt, sie habe mit ihrer Entwaffnung begonnen. Sie tue dies, "um den Friedensprozess zu retten und andere von unseren ehrlichen Absichten zu überzeugen." Die Erklärung kam 24 Stunden, nachdem die IRA von Gerry Adams zu einer "bahnbrechenden Bewegung" aufgerufen worden war.
Die Tatsache, dass die IRA gerade jetzt einlenkt, wird vor allem auf starken Druck aus den USA zurückgeführt: Nach den Terroranschlägen vom 11. September sollen viele Geldgeber von Sinn Fein in den USA ihre weitere Unterstützung von einer schnellen Entwaffnung abhängig gemacht haben. Außerdem nahmen viele amerikanische IRA-Sympathisanten der Untergrundorganisation übel, dass sie Beziehungen zu den kolumbianischen FARC-Rebellen unterhielt, die große Mengen Drogen in die USA schmuggeln. Drei IRA-Mitglieder waren im Sommer nach einem Training für die marxistischen Rebellen in Kolumbien festgenommen worden.