Iran-Krieg: Irak findet Ausweichroute für den Öl-Export
18. März 2026
Die Regierung im Irak und die Führung der halbautonomen Kurdenregion im Norden des Landes haben sich darauf verständigt, Öl-Exporte über eine Pipeline wieder aufzunehmen, die über die Türkei zum Mittelmeer führt. Es herrschten "außergewöhnliche Umstände", erklärte der kurdische Ministerpräsident Masrur Barsani. "Wir alle teilen die Verantwortung dafür, dieses schwierige Kapitel zu überstehen."
Zugleich gingen Verhandlungen weiter, um ein Embargo gegen kurdische Ölhändler aufzuheben. Die irakische Regierung und die Kurden streiten seit Jahren darüber, wie die Umsätze aus Öl-Exporten verteilt werden sollen. Die Rohrleitung verläuft durch das irakische Kurdengebiet, und die Gespräche mit der Autonomiebehörde gestalteten sich zuletzt zäh.
Exporte brechen ein
Geplant ist nun, 250.000 bis 300.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag über die Pipeline zum türkischen Hafen Ceyhan in der Provinz Adana zu transportieren, wo das Öl verschifft wird, wie die staatliche irakische Ölgesellschaft North Oil mitteilte. Normalerweise exportiert der Irak rund 3,5 Millionen Barrel pro Tag, also mehr als die zehnfache Menge.
Wegen der faktischen Blockade der Straße von Hormus hat der Irak seine Ölproduktion bereits stark gedrosselt. Laut Ölminister Hajan Abdel Ghani fördert das Land aktuell nur noch 1,3 Millionen Barrel Rohöl. Zugleich ist der Irak dringend auf den Öl-Export angewiesen, der etwa 90 Prozent des staatlichen Haushalts finanziert.
Bitte um Sondererlaubnis
Ghani erklärte, man stehe auch mit dem Iran in Kontakt, um für einige Tanker eine Erlaubnis für die Passage durch die Straße von Hormus zu erhalten. Vor dem Iran-Krieg wurde rund ein Fünftel der weltweiten Öl-Exporte durch diese Meerenge transportiert, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet.
Nach Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran hatte die Islamische Republik mehrfach Schiffe in der Straße von Hormus attackiert, um Druck auf die Weltwirtschaft auszuüben. In der Folge stieg der Ölpreis stark an. Derzeit können nur vereinzelt Tanker das 50 Kilometer breite Nadelöhr passieren. Auch für die Mitglieder des Golf-Kooperationsrats, die ebenfalls beträchtliche Teile ihres Staatshaushalts über Ölverkäufe finanzieren, bedeutet dies empfindliche Verluste.
Neue Routen - neue Gefahren
Einzelne Länder verfügen ihrerseits über Ausweichrouten, um die Straße von Hormus zu umgehen. So gibt es in Saudi-Arabien eine Ost-West-Pipeline, die die Ölfelder im Osten des Landes mit dem Hafen Janbu am Roten Meer verbindet. Die Vereinigten Arabischen Emirate können eine 400 Kilometer lange Pipeline nutzen, um Rohöl vom Binnenland in Abu Dhabi zum Hafen Fudschaira am Golf von Oman zu leiten, der südlich der Straße von Hormus liegt, also näher am Zugang zum Indischen Ozean.
Allerdings sind die Kapazitäten dieser Rohrleitungen begrenzt, sodass die Ausfälle verringert, aber keineswegs vollständig kompensiert werden können. Hinzu kommt, dass auch am Roten Meer Gefahren lauern - etwa durch Beschuss vonseiten der Huthi-Rebellen im Jemen, die mit dem Iran verbündet sind und die schon früher dort Schiffe attackiert haben.
jj/se (dpa, afp)
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