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PolitikIran

Chamenei: Trump kann Irans Führung nicht stürzen

17. Februar 2026

Der wichtigste Mann der Islamischen Republik droht dem US-Präsidenten und dessen Militär, während in Genf indirekte Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran laufen. Auch die Revolutionsgarden zeigen Muskeln.

Iran Teheran 2025 | Ali Chamenei sitzt neben einer iranischen Flagge, hinter ihm hängt ein Bild von Ajatollah Chomeini
"Noch gefährlicher als Kriegsschiffe": Ajatollah Ali Chamenei droht den USABild: Office of the Supreme Leader of Iran/Handout/Getty Images

Der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hat seine Drohungen gegen die Vereinigten Staaten erneuert. Deren Präsident Donald Trump werde beim Versuch scheitern, die islamische Führung in Teheran zu stürzen. Auch die stärkste Armee der Welt könne so hart geschlagen werden, dass sie sich nicht mehr erhebe, erklärte Chamenei. Gefährlicher als ein Kriegsschiff sei die Waffe, die es vermöge, dieses Schiff auf den Grund des Meeres zu schicken. Der Kleriker spielte damit offenbar auf mehrere Flugzeugträger an, die Trump in die Region entsandt hat.

Propagandabild der iranischen Armee: Militärübung im Jahr 2023 an der Straße von HormusBild: Iranian Army Office/ZUMA/IMAGO

Parallel zu Verhandlungen zwischen beiden Ländern, die unter Vermittlung des Omans in der Schweiz stattfanden, sorgte der Iran seinerseits für eine militärische Drohkulisse. Bei einem Manöver feuerten die Revolutionsgarden Flugkörper auf Ziele in der Straße von Hormus ab. Bei der Militärübung seien auch Schnellboote mit Raketenwerfern im Einsatz, heißt es in einer Mitteilung der Elitestreitmacht.

Drohkulisse für den Ölhandel

Die rund 55 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman gilt als eine der wichtigsten Schiffspassagen für den weltweiten Ölexport. In der Vergangenheit hatte der Iran immer wieder mit einer Blockade der Straße von Hormus gedroht, dies jedoch niemals umgesetzt. Für diesen Dienstag wurde "aus Sicherheitsgründen" eine mehrstündige Sperrung eingeschränkter Gebiete in dem Seegebiet angekündigt.

"Kein Deal mit den Mördern": Demonstration in Genf gegen Verhandlungen mit dem Iran, der die jüngsten Proteste im Land blutig niederschlugBild: Harold Cunningham/AFP

Im schweizerischen Genf setzten die USA und der Iran derweil ihre indirekten Gespräche fort, die sie in der vorvergangenen Woche aufgenommen hatten. Bereits über den Gegenstand der Verhandlungen herrschte allerdings Uneinigkeit. Während Washington darauf drang, auch das iranische Raketenprogramm einzubeziehen, lehnte Teheran dies ab. Die Islamische Republik wollte lediglich über eine Einschränkung ihres Atomprogramms im Gegenzug für eine Lockerung internationaler Sanktionen verhandeln.

Für die Vereinigten Staaten saßen Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner mit omanischen Vermittlern am Tisch. Höchstrangiger Vertreter des Irans war Außenminister Abbas Aragthschi. Ein direktes Treffen von Vertretern der USA und des Irans war nicht angekündigt. 

Der Iran rechnet nach Beendigung der zweiten Verhandlungsrunde mit den USA nicht mit einer raschen Lösung. "Der Weg zu einer Einigung hat begonnen, wir sind bereit", sagte Irans Außenminister Abbas Araghtschi dem iranischen Staatsfernsehen nach dem mehr als dreistündigen Treffen in Genf. "Aber das bedeutet nicht, dass wir eine Einigung erzielt haben." Die Ausarbeitung werde Zeit in Anspruch nehmen. Einen Termin für eine neue Verhandlungsrunde gibt es ihm zufolge noch nicht.

Schauplatz der Pendeldiplomatie: Omans Generalkonsulat im schweizerischen GenfBild: Harold Cunningham/AFP/Getty Images

Rätselraten um die Bombe

Der Westen fürchtet, dass der Iran unter dem Deckmantel einer zivilen Nutzung nach Nuklearwaffen strebt. Die Islamische Republik bestreitet das - obwohl die Menge hoch angereicherten Urans, die internationale Inspekteure im Iran dokumentierten, für nichtmilitärische Zwecke keinen Sinn ergibt.

US-Außenminister Marco Rubio erklärte am Montag bei einem Besuch in Ungarn, eine Einigung sei schwierig, doch die USA seien bereit, sich darum zu bemühen. Der Präsident bevorzuge stets friedliche, ausgehandelte Ergebnisse gegenüber anderen Lösungen, so Rubio. Trump hatte Teheran mehrfach mit einem Militäreinsatz gedroht, sollte es keine Einigung geben.

Fragen zum Atomprogramm: Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Rafael Grossi (links) und Irans Außenminister Abbas Araghtschi in GenfBild: Iranian Foreign Ministry/AP Photo/picture alliance

Der Iran steht auch innenpolitisch unter Druck. Seit Dezember sah sich die Führung in Teheran mit Protesten konfrontiert, die blutig niedergeschlagen wurden. Die in den USA ansässige Gruppe Human Rights Activists News Agency spricht von mindestens 7000 Todesopfern. Die Wirtschaft leidet unter den Sanktionen, die unter anderem die Öleinnahmen des Landes stark beschneiden.

Ausstieg aus dem Wiener Abkommen

Im Jahr 2015 hatte sich der Iran schon einmal zur Beschränkung seines Atomprogramms verpflichtet. Dafür sollten Strafmaßnahmen aufgehoben werden. Trump war das Wiener Atomabkommen, das unter seinem Vorgänger Barack Obama ausgehandelt worden war, seit jeher ein Dorn im Auge. 2018, während Trumps erster Amtszeit, kündigte er die Vereinbarung einseitig auf. Zugleich beschlossen die USA härtere Sanktionen gegen den Iran.

In der Folge hielt sich auch die iranische Führung nicht mehr an die Auflagen des Vertrags. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) beklagte seither wiederholt fehlenden Zugang zu iranischen Reaktoren und Zentrifugen sowie Anzeichen für Versuche, nukleare Aktivitäten zu verschleiern. Im vergangenen Jahr bombardierten Israel und die USA gemeinsam iranische Atomanlagen. Sie begründeten dies mit dem Ziel, Teheran vom Bau einer Atombombe abzuhalten. Der Iran griff daraufhin israelische Städte und Militäreinrichtungen mit Raketen an.

jj/as (dpa, afp, rtr, ap)

Redaktionsschluss 17.45 Uhr (MEZ) - Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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