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KonflikteIran

Protestwelle im Iran: Chamenei nennt Trump "Verbrecher"

17. Januar 2026

Ajatollah Chamenei beschuldigt US‑Präsident Trump, die Proteste im Iran angeheizt zu haben. "Aufrührern" droht er zudem mit "Vernichtung". Immerhin hat das Regime eine weitere Telekommunikationssperre gelockert.

Iran Teheran 2024 | Ajatollah Ali Chamenei hält Rede zur Parlamentswahl
Irans ehemaliger "Revolutionsführer" und geistiges Oberhaupt Ali Chamenei (1939-2026). Das ursprünglich verwendete Foto wurde am 12. März 2026 entfernt, nachdem die Agentur mehrere Bilder wegen ungeklärter Herkunft und möglicher Manipulation zurückgezogen hatte. Bild: Iranian Leader Press Office/Handout/Anadolu/picture alliance

Ayatollah Ali Chamenei ist nicht nur das geistliche Oberhaupt der Islamischen Republik Iran. Der Hardliner hat in allen Staatsangelegenheiten das letzte Wort. Knapp drei Wochen nach Beginn der Proteste im Land hat sich der 86-Jährige in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede nun zu Wort gemeldet.

Chamenei gab US-Präsident Donald Trump die Schuld für "Opfer" bei den Protesten. Der Ayatollah sprach in seiner Rede anlässlich eines religiösen Feiertages an diesem Samstag von "mehrere Tausend" Toten. Es ist die erste Äußerung eines iranischen Führers zum Ausmaß der Opferzahlen der Protestwelle.

Der oberste Führer machte für die Todesfälle die "Aufständischen" verantwortlich. Iranische Aktivisten berichteten hingegen, dass Sicherheitskräfte mit großer Gewalt gegen Demonstrierende vorgegangen und Menschen gezielt mit Kopfschüssen getötet worden seien. Unabhängig überprüfen lassen sich die Aussagen nicht.

Anschuldigungen Richtung USA

"Das war eine amerikanische Verschwörung", behauptete nun der Ayatollah. "In diesem Aufstand hat der US-Präsident persönlich Stellung bezogen, Aufrührer ermutigt und gesagt: 'Wir unterstützen euch, wir unterstützen euch militärisch'", sagte er in seiner Ansprache. "Amerikas Ziel ist es, den Iran zu schlucken", und das Land wieder unter seine "militärische, politische und wirtschaftliche Herrschaft" zu stellen, so Chamenei.

"Wir betrachten den US-Präsidenten aufgrund der Opfer und Schäden sowie der Anschuldigungen gegen die iranische Nation als Verbrecher", sagte er. Der Ayatollah bezeichnete die Protestierenden als "Fußsoldaten" der Vereinigten Staaten. Demonstranten hätten Moscheen und Bildungseinrichtungen zerstört. "Indem sie Menschen verletzten, töteten sie Tausende", sagte er.

Regimeanhänger bei der Ansprache von Ajatollah ChameneiBild: Iranian Leader Press Office/Anadolu Agency/IMAGO

Das geistliche Oberhaupt kündigte zudem ein hartes Vorgehen gegen "Aufrührer" an. "Mit Gottes Gnade muss die iranische Nation den Aufrührern das Rückgrat brechen, so wie sie dem Aufruhr das Rückgrat gebrochen hat", sagte er in seiner Rede. "Wir haben nicht vor, das Land in einen Krieg zu führen, aber wir werden einheimische Verbrecher nicht verschonen", fügte Chamenei hinzu. Noch schlimmer als einheimische Verbrecher seien internationale Verbrecher. "Auch sie werden wir nicht verschonen", warnte der Ayatollah.

Neue Töne aus Washington

Dabei hatte Trump zuvor einen versöhnlichen Ton angeschlagen. Der US-Präsident sprach der iranischen Führung am Freitag sogar seinen Dank aus, dass es nicht zu den geplanten Hinrichtungen von festgenommenen Demonstranten kam: "Ich habe großen Respekt vor der Tatsache, dass alle geplanten Hinrichtungen durch den Strick", so Trump in einem Social-Media-Post, "durch die Führung des Irans abgesagt worden sind".

US-Präsident Trump (am Freitag)Bild: Kevin Lamarque/REUTERS

Diese Äußerungen wurden als Zeichen gewertet, dass der US-Präsident möglicherweise von einem Militärschlag gegen den Iran abrückt. In den vergangenen Tagen hatte Trump den protestierenden Iranern signalisiert, dass "Hilfe unterwegs" sei und seine Regierung "entsprechend handeln" werde, falls die Tötung von Demonstranten anhalte oder falls iranische Behörden festgenommene Demonstranten hinrichteten.

Mehr Zugang zu Internet um SMS

An diesem Samstag hat das Regime in Teheran die gut einwöchige Kommunikationssperre weiter etwas gelockert. Internetdienste sind teilweise wieder erreichbar. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Mehr meldete, einige Nutzer hätten wieder Zugang.

Nach Angaben der auf die Beobachtung des Internets spezialisierte Organisation Netblocks gibt es tatsächlich wieder mehr Datenaustausch. "Die Messwerte zeigen heute Morgen eine leichte Zunahme der Internetverbindung im Iran", teilte die für Internetfreiheit eintretende Organisation an diesem Samstagmorgen mit. Allerdings betrügen die Verbindungen nur etwa zwei Prozent des üblichen Umfangs und es gebe keine Anzeichen für "eine wesentliche Rückkehr" zu allgemein verfügbarem Internet.

"Starlink" und der Kampf um den Internetzugang im Iran

03:35

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Bislang waren auch alle Messenger-Dienste gesperrt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr sind zumindest SMS-Dienste reaktiviert worden. Das bestätigen Bewohner der Hauptstadt Teheran.

Als Folge der neuen Regelung können Menschen auch wieder Online-Banking nutzen. Dafür ist immer eine Zwei-Faktor-Autorisierung per SMS notwendig.

Aus dem Ausland versendete SMS kommen im Iran jedoch nicht an. Und auch der allgemeine Zugang zum globalen Internet bleibt gesperrt.

Die Proteste im Iran hatten sich Ende Dezember am Zorn über die schlechte Wirtschaftslage entzündet. Beim brutalen Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte gegen die Demonstrierenden wurden Schätzungen zufolge mehrere tausend Menschen getötet. Deutschlands Auswärtige Amt in Berlin verwies am Freitag auf Angaben vertrauenswürdiger Quellen, wonach zudem etwa 19.000 Iranerinnen und Iraner inhaftiert worden seien.

AR/se (ap, rtr, dpa, afp)

Dieser Artikel enthielt ursprünglich ein Bild der Agentur SalamPix. Es wurde am 12. März 2026 entfernt, nachdem Picture Alliance und Imago darüber informiert hatten, dass sie SalamPix‑Fotos aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Herkunft und möglicher Manipulation zurückziehen.

Redaktionsschluss: 17.45 Uhr (MEZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert

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