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Berlin verurteilt Festnahme von Narges Mohammadi im Iran

13. Dezember 2025

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi war am Freitag "auf brutale Weise" wieder inhaftiert worden. Deutschland und Menschenrechtsorganisationen protestieren energisch dagegen.

Iran Teheran 2024 | Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi
Irans Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi - jetzt wieder an einem unbekannten Ort inhaftiert (Archivbild) Bild: Nooshin Jafari/Middle East Images/picture alliance

Mit großer Sorge haben die Bundesregierung in Deutschland und internationale Organisationen auf die Vorgänge um die iranische Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi reagiert. Die gewaltsame Festnahme der Friedensnobelpreisträgerin und weiterer Aktivistinnen im Iran bei einer Trauerfeier sei "zutiefst beunruhigend", erklärte das Auswärtige Amt in Berlin auf der Online-Plattform X. Der Einsatz für Menschenrechte und Meinungsfreiheit dürfe niemals kriminalisiert werden.

Nobelkomitee verlangt sofortige Freilassung von Mohammadi

Am Freitag hatte das norwegische Komitee, das den Friedensnobelpreis vergibt, mitgeteilt, Mohammadi sei "auf brutale Weise" festgenommen worden. Das Gremium in Oslo forderte die iranischen Behörden auf, "unverzüglich den Aufenthaltsort Mohammadis zu klären, ihre Sicherheit und Unversehrtheit zu gewährleisten und sie bedingungslos freizulassen".

Mohammadis in Paris lebender Ehemann, Taghi Rahmani, teilte mit, seine Frau sei zusammen mit der bekannten Aktivistin Sepideh Gholian in der ostiranischen Stadt Maschhad festgesetzt worden. Die unabhängige Menschenrechtsorganisation Hengaw erklärte, die Aktivisten seien "gewaltsam festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht" worden.

"Auf die Beine geschlagen, an den Haaren gezogen"

Ein Bruder Mohammadis berichtete, sie sei bei ihrer neuerlichen Festnahme "auf die Beine geschlagen und an den Haaren gepackt" worden. Der in Oslo lebende Hamid Mohammadi sagte der französischen Nachrichtenagentur AFP weiter, seine Schwester sei zwar schon mehrfach festgenommen worden. Am meisten sei er nun aber beunruhigt wegen möglicher gesundheitlicher Komplikationen bei der 53-Jährigen, angesichts früherer Operationen sowie Herz- und Lungenproblemen.

Narges Mohammadi war vor einem Jahr aus gesundheitlichen Gründen aus ihrer Haft im berüchtigten Evin-Gefängnis bei Teheran entlassen worden. Dies sei aber nur vorübergehend, betonten die Behörden seinerzeit in der iranischen Hauptstadt. Zudem durfte sie das Land nach eigenen Angaben nicht verlassen.

Immer wieder setzt sich Narges Mohammadi (4.v.l.) auch mit öffentlichem Protest für Menschenrechte ein (11.02.2025) Bild: UGC

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) mit Sitz in den USA veröffentlichte Aufnahmen von Mohammadi, wie sie vor ihrer erneuten Festnahme mit weiteren Unterstützern an der Trauerfeier für den am 5. Dezember tot aufgefundenen Anwalt Chosrow Alikordi teilnimmt. Sie trägt dabei kein Kopftuch, das für Frauen in der Öffentlichkeit im Iran verpflichtend ist. Die Zeremonie fand gemäß der islamischen Tradition sieben Tage nach Alikordis Tod statt.

HRANA zufolge skandierten die Aktivisten Slogans wie "Lang lebe der Iran", "Wir kämpfen, wir sterben, wir nehmen keine Demütigung hin" und "Tod dem Diktator".

Parolen verstießen angeblich gegen "Regeln"

Unterdessen berichtet die iranische Nachrichtenagentur Mehr unter Berufung auf den Gouverneur von Maschhad, Hassan Hosseini, mehrere "politische Aktivisten" seien festgenommen worden, "weil sie gegen die Regeln verstoßende Parolen skandiert" hätten. Mohammadi erwähnte er namentlich jedoch nicht.

Wenn friedliche Bürger nicht "in Ruhe um einen Toten trauern" könnten, "ohne geschlagen und gewaltsam abgeführt" zu werden, offenbare dies eine Führung, "die die Wahrheit und die Verantwortung fürchtet", erklärte der Geschäftsführer des New Yorker Zentrums für Menschenrechte im Iran, Hadi Ghaemi. "Es zeugt auch vom außergewöhnlichen Mut der Iraner, die sich weigern, ihre Würde aufzugeben", fügte er hinzu.

Menschenrechtsanwalt tot im Büro entdeckt

Der 45-jährige Jurist Alikordi war tot in seinem Büro aufgefunden worden. Die Behörden sprachen von einem Herzinfarkt. Der Anwalt hatte unter anderem Menschen verteidigt, die im Zuge der Niederschlagung der landesweiten Proteste im Jahr 2022 festgenommen worden waren.

Menschenrechtsorganisationen verlangten eine Untersuchung zur Todesursache. Die Organisation Iran Human Rights mit Sitz in Norwegen erklärte, es bestehe "der sehr ernsthafte Verdacht auf einen staatlichen Mord" an Chosrow Alikordi.

Kampf gegen Kopftuchzwang, für Frauenrechte, für Meinungsfreiheit

Mohammadi setzt sich seit Jahrzehnten in ihrer Heimat für Frauenrechte und Meinungsfreiheit ein. Sie kämpft gegen den Kopftuchzwang und gegen die Todesstrafe im Iran. Die Menschenrechtlerin wurde seit 1998 wiederholt inhaftiert und auch ausgepeitscht.

Aus dem Gefängnis heraus hatte sie die Massenproteste unterstützt, die 2022 nach dem Tod der 22-jährigen Jina Mahsa Amini in Polizeigewahrsam eingesetzt hatten. Die junge iranische Kurdin war wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Kleiderordnung festgenommen worden.

2023 wurde Mohammadi für ihren Einsatz für Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Stellvertretend für sie nahmen den Preis damals ihre beiden Kinder entgegen.

se/wa (rtr, afp, dpa)

Redaktionsschluss: 17.50 Uhr (MEZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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