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Iran weitet Beschlagnahmungen von Vermögen aus

Shirin Shakib
16. September 2026

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen zieht der iranische Staat zunehmend Eigentum von Bahai und politischen Kritikern ein. Beobachter sehen darin vor allem ein Mittel zur Einschüchterung Andersdenkender.

Iran Teheran 2026 | Staatliche religiöse Kundgebung während Waffenstillstand
Sicherheitsorgane setzen verstärkt auf die Beschlagnahmung von Vermögen Bild: Morteza Nikoubazl/NurPhoto/IMAGO

Während die Spannungen zwischen Iran und den USA zunehmen und Washington über eine neue Kampagne zur Verschärfung des wirtschaftlichen Drucks auf Teheran spricht, geraten immer mehr Menschen im Iran unter finanziellen Druck.

Vor diesem Hintergrund setzen iranische Behörden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen zunehmend auf die Beschlagnahmung von Vermögen als Instrument gegen religiöse Minderheiten, Dissidenten und Regierungskritiker. Für Menschen, die bereits unter steigenden Lebenshaltungskosten leiden, bedeutet dies eine zusätzliche wirtschaftliche Belastung.

Besonders stark betroffen ist nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen die religiöse Minderheit der Bahai.

Die im 19. Jahrhundert in Persien – dem heutigen Iran – entstandene Religion wird von der Islamischen Republik nicht anerkannt. Anders als Christen, Juden und Zoroastrier sind Bahai nicht durch Artikel 13 der iranischen Verfassung geschützt. Dadurch sind sie seit Jahrzehnten Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt.

Beschlagnahmungen treffen Bahai

Die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation Human Rights Activists in Iran (HRANA) berichtete Ende August von "einer Welle von Festnahmen, Durchsuchungen von Wohnungen und Geschäften sowie Beschlagnahmungen von Eigentum von Bahai".

Auch Amnesty International berichtet von einer Verschärfung der Verfolgung von Bahai seit dem zwölftägigen Krieg zwischen Iran und Israel im Juni 2025. Die Organisation spricht von einer "koordinierten staatlichen Kampagne", die Feindseligkeit, Gewalt und Diskriminierung gegen Bahai schüre. Zudem würden sie fälschlicherweise als Spione und Unterstützer Israels dargestellt.

Padideh Sabeti, Sprecherin der Internationalen Bahai-Gemeinde, betont, dass zwar die gesamte iranische Bevölkerung unter der wirtschaftlichen Krise leide, verfolgte Minderheiten jedoch besonders stark betroffen seien.

"Unter den derzeitigen Bedingungen leiden alle Menschen im Iran unter wirtschaftlicher Not und äußerst schwierigen Lebensbedingungen. Viele können kaum noch das Essen für ihre Familien bezahlen", sagte sie. Bahai seien von der wirtschaftlichen Lage jedoch noch stärker betroffen, "weil die diskriminierenden Maßnahmen der Regierung ihnen die Möglichkeit nehmen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen".

Sabeti zufolge setzt auch die Justiz finanzielle Mittel als Druckmittel gegen Festgenommene ein. Teilweise würden extrem hohe Kautionen verlangt – Summen, die "manchmal dem Einkommen von hundert Arbeitsjahren eines durchschnittlichen Bürgers entsprechen".

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Die Repression richtet sich jedoch nicht nur gegen religiöse Minderheiten. Die iranische Regierung gab an, dass die Justiz die Beschlagnahmung des Vermögens von mehr als 400 Menschen angeordnet habe, die von den Behörden als "Unterstützer des Feindes im Ausland" bezeichnet werden. Darunter seien Schauspieler, Sportler und im Ausland lebende Journalisten.

Auch im Inland werden Regierungskritiker mit Vermögensbeschlagnahmungen konfrontiert. Sadegh Saedinia, Betreiber der "Saedinia", wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Zudem erhielt er ein zweijähriges Berufsverbot und sein gesamtes Vermögen wurde beschlagnahmt. Hintergrund waren Veröffentlichungen im Zusammenhang mit regierungskritischen Protesten in Qom, einer konservativ geprägten und für Schiiten heiligen Stadt.

Beschlagnahmungen als Einnahmequelle?

Die zunehmende Zahl von Beschlagnahmungen wirft die Frage auf, ob die Maßnahmen nicht allein der Bestrafung und Einschüchterung von Kritikern dienen, sondern dem Staat auch zusätzliche Einnahmen verschaffen sollen – und das inmitten einer schweren wirtschaftlichen Krise.

Die in London lebende Wirtschaftsexpertin Arezoo Karimi hält den finanziellen Effekt allerdings für begrenzt. Die durch Beschlagnahmungen gewonnenen Mittel seien im Vergleich zum enormen Haushaltsdefizit Irans "sehr, sehr gering", sagte sie.

Nach Einschätzung Karimis werden beschlagnahmte Immobilien häufig unter ihrem tatsächlichen Marktwert an Personen mit politischen Verbindungen versteigert.

Laut dem in Paris lebende Journalist Sajjad Khodakarami hat der Strategie jedoch mehrere Funktionen. "Dieses Instrument, das die Islamische Republik zunächst an einem Teil der Gesellschaft erprobt hat, wird nun in größerem Umfang gegen ihre Gegner eingesetzt", sagte Khodakarami.

Heute richtet sich dieses Instrument der Repression nicht mehr nur gegen Teile der Bahai-Gemeinde, sondern gegen verschiedene gesellschaftliche Gruppen – darunter Journalisten, soziale und Menschenrechtsaktivisten sowie Künstler, die sich gegen das politische Establishment stellen.

Besonders deutlich werde dies beim Vorgehen gegen Dissidenten im Ausland. Die Beschlagnahmung ihres Vermögens sende eine psychologische Botschaft, so Khodakarami:

"Wenn die Islamische Republik das Vermögen Hunderter Menschen ins Visier nimmt, sendet sie ihnen eine Botschaft: Auch wenn ihr außerhalb unserer physischen Reichweite seid, werden wir weiterhin von allen Seiten Druck auf euch ausüben."

Wenn Eheringe und Kinderspielzeug zu Beweismitteln werden

Internationale Menschenrechtsorganisationen berichten, dass Sicherheitskräfte bei jüngsten Hausdurchsuchungen neben Gold und elektronischen Geräten auch Arbeitsmaterialien, Eheringe und Kinderspielzeug mitgenommen haben.

Khodakarami sieht gerade die Beschlagnahmung solcher persönlichen Gegenstände als alarmierendes Zeichen.

Blick in eine Wohnung von Bahai-Anhängern im Iran nach einer Durchsuchung durch SicherheitskräfteBild: Privat

"Wenn Regierungsvertreter so weit gehen, die Eheringe eines Ehepaares oder das Spielzeug eines Kindes zu beschlagnahmen, ist das ein Zeichen von Brutalität", sagte er. Dieses Vorgehen richte sich zudem nicht nur als Botschaft an die Bahai-Gemeinde, sondern sei eine Warnung an alle Dissidenten.

Seiner Einschätzung nach wälzt die Regierung einen wachsenden Teil der wirtschaftlichen Belastungen auf die Bevölkerung ab, anstatt die mächtigen staatlichen Institutionen stärker zur Verantwortung zu ziehen. "Je kleiner die Ressourcen des Regimes werden, desto stärker erhöht es den Druck auf die Lebensgrundlage der Menschen", sagte Khodakarami.

Nach Angaben Karimis versucht die iranische Regierung, sinkende Deviseneinnahmen unter anderem durch eine Ausweitung der Geldmenge und den Abbau von Subventionen auszugleichen. Die Wirtschaftsexpertin warnt, dass die derzeitige Finanzpolitik eine stark beschleunigte Inflation begünstigen könnte.

"Auf der einen Seite schaffen die Banken neues Geld, während auf der anderen Seite die Produktion praktisch zum Stillstand gekommen ist", sagte Karimi.

"Wenn wir diesen Weg im derzeitigen Tempo weitergehen, sehe ich den Tag kommen, an dem Iran von einer Hyperinflation getroffen wird – einen Tag, an dem Menschen morgens für den Weg zur Arbeit einen bestimmten Fahrpreis zahlen, auf dem Rückweg aber möglicherweise das Doppelte bezahlen müssen, wie wir es in Venezuela und Simbabwe erlebt haben."

Die Beschlagnahmung privaten Eigentums kann dem Staat somit kurzfristig als Instrument der Einschüchterung dienen und begrenzte Mittel für den Sicherheitsapparat generieren. Die grundlegenden wirtschaftlichen Probleme Irans lassen sich damit jedoch nicht lösen. Für die breite Bevölkerung dürfte der finanzielle Druck dadurch nicht geringer werden.

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