Iran: Hormus-Einigung mit Oman kurz vor Abschluss
7. August 2026
Wenn sich keine Drittpartei einmische, werde es bald eine Einigung zwischen dem Iran und Oman geben, sagt der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei. Ein Abkommen sei in der "Endphase" der Prüfung und Ausarbeitung. Beide Staaten am Persischen Golf hätten sich auf konkrete Schifffahrtsrouten durch die Straße von Hormus geeinigt, wurde Baghaei von der iranischen Agentur IRNA zitiert.
Das Sultanat Oman befindet sich auf der anderen Seite der Meerenge. Es hat sich öffentlich nicht zu der gemeldeten anstehenden Vereinbarung geäußert, die laut Iran ohne Beteiligung der USA ausgehandelt worden sei.
Gleichzeitig räumt Baghaei ein, dass dies nicht bedeuten würde, dass alle Durchfahrten sicher seien, selbst wenn die Einigung feststehen würde. "Die Faktoren, die die Straße von Hormus unsicher machen, werden nach wie vor von den USA verantwortet, insbesondere die Seeblockade und andere aggressive und bedrohliche Maßnahmen gegen den Iran und seine Interessen."
Was im Abkommen stehen könnte
Der iranische Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi stellt klar, dass die vorgeschlagene Regelung mit dem Oman keine vollständige Wiederöffnung der Meerenge bedeute. Der Iran wolle ein neues Modell für den Seeverkehr etablieren. Der Testbetrieb für dieses neue Modell soll zwischen zwei und vier Monaten dauern.
Die Wiederöffnung der Straße von Hormus setze die Beendigung der US-Blockade der iranischen Häfen am Golf von Oman voraus, sagt Gharibabadi. Nach Berichten der AFP plane der Iran, US-amerikanische und israelische Schiffe von der Wasserstraße fernzuhalten.
Außerdem wolle der Iran eine Mautgebühr in Höhe von fünf bis sieben Prozent des Warenwerts von den Reedereien verlangen. Der Oman soll sich gegen eine einseitige Kontrolle der Wasserstraße durch den Iran ausgesprochen haben.
Allerdings sei das Abkommen in dem bisher bekannten Umfang schwer umsetzbar, zitiert die Agentur Reuters gut informierte Kreise. Hintergrund seien die US-Sanktionen sowie restriktive Versicherungsklauseln bezüglich der Zahlungen der "Servicegebühren".
Taktische Pause
Experten sehen in dem Abkommen über die Wiederöffnung der Meerenge eher eine taktische Pause als eine dauerhafte Lösung. Und Washington profitiere diesmal mehr als Teheran, sagt Sicherheitsanalystin Shukriya Bradost der DW.
"Die USA könnten die Zeit nutzen, um die Koordination mit ihren regionalen Partnern zu verbessern, ihre Militärstrategie zu überdenken und wirksamere Optionen zu erarbeiten", sagt sie. "Der Iran hingegen steht weiter unter Druck: interne Machtkämpfe, Inflation und die damit verbundenen hohen politischen Kosten."
Positive Schlagzeilen dringend gesucht
Sowohl die USA als auch der Iran könnten in ihrem eigenen Land das Abkommen als taktischen Erfolg vermarkten, so Alireza Salavati, Analyst aus London. "Das Regime im Iran ist nicht zusammengebrochen. Seine Raketenkapazitäten sind intakt. Angereichertes Uran hat das Land nicht verlassen. Und zum ersten Mal seit Kriegsbeginn hat der Iran seinen Einfluss auf die einlaufende Schifffahrtsroute geltend gemacht und gestärkt", sagt Salavati.
Währenddessen könnten die USA die Atempause gebrauchen, ihre Waffenvorräte aufzufüllen und gleichzeitig den Druck auf die Rüstungsproduktion zu verringern. Für Washington wäre die Einigung eine gute Gelegenheit, "das Ende der aktiven Phase des Krieges zu verkünden", so Salavati. Autofahrer in den USA müssten sich dann keine Sorgen um weiter steigende Benzinpreise machen.
Schließlich finden am 3. November die Zwischenwahlen in den USA statt. Alle Sitze im Repräsentantenhaus sowie ein Drittel der Sitze im Senat werden neu gewählt. Der republikanische US-Präsident Donald Trump stand unter dem Druck seiner eigenen Partei, den Iran-Krieg noch vor den Zwischenwahlen zu beenden. Nach den Meinungsumfragen liegen derzeit die Demokraten vorne.
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan