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KonflikteIran

Iran: Irritationen über Öffnung der Straße von Hormus

Amir Soltanzadeh
6. August 2026

Rund um die Öffnung der Straße von Hormus sind viele Fragen offen. Die USA wollen mit dem Iran im Kontakt stehen. Doch die Islamische Republik führt nach eigenen Angaben nur Gespräche mit dem Oman.

Symbolbild Straße von Hormus 2026 | Karte des Persischen Golfs unter einer Lupe
Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der WeltBild: Andre M. Chang/ZUMA/picture alliance

Es sei die letzte Chance des Iran "vor der Enthauptung". Mit diesen Worten wandte sich US-Präsident Donald Trump Anfang dieser Woche an die Machthaber in Teheran. Er bezog sich auf die Verhandlungen über die Öffnung der Straße von Hormus. Die USA hätten zugestimmt, die Verhandlungen mit dem Iran fortzusetzen. Zuvor hätten ihn Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und andere Länder darum gebeten, berichtete Trump.

Dann bestritt aber der Iran, mit den USA im Gespräch zu sein. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi teilte mit, der Iran spreche derzeit nur mit dem Oman. Das Sultanat befindet sich auf der anderen Seite der Straße von Hormus. 

Möglicherweise sprechen die USA und der Iran von derselben Unterredung. Washington bezeichnet die Vermittlung durch den Oman als "Verhandlungen" mit dem Iran. Teheran stellt sie als Arbeitssitzung auf technischer Ebene dar.

Wann wird die Straße von Hormus geöffnet?

Der Verkehr durch die Meeresenge zwischen dem Iran und dem Oman ist weiterhin stark eingeschränkt. Nach Angaben von Kpler, einem Onlinedienst zur Echtzeit-Positionsdarstellung von Schiffen, passierten am Montag (03.08.2026) nur sechs Handelsschiffe die Route. Am Vortag waren es sieben gewesen. Bis zur Schließung war ein Viertel des weltweiten maritimen Ölhandels durch die Straße von Hormus transportiert worden.

Containerschiffe warten auf grünes Licht für die Durchfahrt vor der Küste des OmansBild: REUTERS

Die Unsicherheit rund um die wichtige Wasserstraße hat sich auch auf die globalen Märkte ausgewirkt. Die Hoffnungen auf eine baldige diplomatische Lösung ließen die Ölpreise kürzlich zunächst fallen und befeuerten die Aktienmärkte.

Doch die Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und Teheran bleiben groß. Es gehe nicht darum, ob die beiden Seiten miteinander sprechen, sagt Babak Dorbeiki, Politikanalyst aus London. "Die Frage ist, was beide Länder unter einer 'Verhandlung' verstehen und was sich jede Seite von den Gesprächen erhofft."

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Trump bezeichne die indirekte Kommunikation über den Oman als "Verhandlungen", weil er vor den US-Zwischenwahlen im November zeigen müsse, dass der militärische und wirtschaftliche Druck auf Teheran funktioniert habe, so Dorbeiki. Die Regierenden im Iran wollten aber "Verhandlungen" mit den USA vermeiden, denn dieses Eingeständnis könnte von ihren innenpolitischen Gegnern als Kapitulation angesehen werden.

"Der Iran will die Kontrolle über Schiffe, die durch die Meerenge in den Persischen Golf fahren, während die USA eine völlig freie Durchfahrt wollen", sagt Dorbeiki im DW-Interview. "Diese Positionen lassen sich nicht ohne Weiteres miteinander in Einklang bringen."

Trauerfeier für Ajatollah Ali Chamenei am 9. Juli 2026 Bild: Office of the Iranian Supreme Leader/Handout/REUTERS

Spaltungen innerhalb des Iran

Auch die Politiker im Iran haben unterschiedliche Positionen zu den Gesprächen mit den USA. Dorbeiki sieht zwei große Fraktionen. "Die erste kann man als die pragmatische Fraktion für 'Entwicklung und Wiederaufbau durch Einigung' bezeichnen. Diese Politiker sind der Ansicht, dass sich die iranische Wirtschaft ohne die Aufhebung der Sanktionen und ohne die Wiederöffnung der Straße von Hormus weder erholen noch überhaupt aufrechterhalten kann." Anhänger dieser Fraktion seien Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und einige Führungskräfte der Revolutionsgarden.

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Die Fraktion des Widerstands bildet sich um die kleine ultrakonservative Partei der "Paydari-Front". Sie betrachte ein Abkommen mit den USA als "ideologische Niederlage" und befürworte die Fortsetzung des Widerstands.

Der letzte Oberste Führer des Landes, Ali Chamenei, wurde am 28. Februar 2026 bei einem völkerrechtlich umstrittenen Luftangriff der USA und Israels getötet. Seitdem ist die Machtverteilung zunehmend fragmentiert. Zwar wurde sein Sohn, Modschtaba Chamenei, schnell zum Nachfolger gewählt, aber es ist unklar, wie fest er im Sattel der religiösen Macht sitzt. Seit seiner Wahl hat sich Modschtaba Chamenei nicht öffentlich gezeigt. Möglicherweise wurde auch er beim Angriff schwer verletzt.

Regierung handlungsunfähig?

Rivalisierende Gruppen würden die Möglichkeit nutzen und im Namen der religiösen Führung sprechen, sagt Dorbeiki. Unterschiedliche Signale machten die Amtsführung von Präsident Massud Peseschkian nicht leicht. Unbestätigten Meldungen zufolge hat Peseschkian schon mehrfach um seine Entlassung gebeten.

"Peseschkian steht weiterhin unter Druck", so Dorbeiki. "Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass er abgesetzt wird, da die innen- und außenpolitischen Kosten dafür hoch wären." Peseschkian sei deswegen im Amt, um die politische Konsequenz zu übernehmen, wenn die Verhandlungen mit den USA scheitern sollten.

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Die mächtigsten Entscheidungsträger in Teheran hätten die Notwendigkeit von Verhandlungen bereits anerkannt, sagt Hassan Asadi Zeidabadi, Politologe aus Teheran. Er zählt drei Gruppierungen auf: Regierungsbeamte, die die Kriegsfolgen beseitigen müssen und zu Verhandlungen neigen; Militärs, die nur ihre Position im Staatsapparat stärken wollen und den Absichten der USA skeptisch gegenüberstehen, sowie "die graue Eminenz" der geistlichen Würdenträger, die den Verlust der islamischen Identität im Iran befürchtet. Für Letztere sei ein Abkommen mit den USA wie das Eingeständnis des eigenen Sturzes.

Genau diese Hardliner hätten weiterhin Einfluss im Parlament, im Sicherheitsapparat und im staatlichen Propagandaapparat. Sie fürchteten Veränderungen, die ein Abkommen mit sich bringen könnte, sagt Zeidabadi.

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Machtgefüge entscheidend

Welche Gruppierung oder Fraktion in Teheran die Mehrheit hat, wird den Ausgang der "indirekten Gespräche" mit den USA bestimmen.

Sollten die Befürworter eines Abkommens die religiöse Führung überzeugen können, dass eine anhaltende Isolation den Wiederaufbau und das Überleben des Systems akut bedroht, könnte die Diplomatie vorankommen.

Sollte es den Hardlinern gelingen, jeden Kompromiss als Kapitulation darzustellen, könnten sogar die indirekten Gespräche scheitern. Widersprüchliche Meldungen über den letzten Sachstand sind schließlich nur ein Ausdruck der andauernden Spannung m Iran.

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan

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