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KonflikteIran

Warum der Iran-Krieg für Afrika zur Unzeit kommt

Nikolas Fischer | Eric Topona | Mahamadou Kane
9. März 2026

Was bedeutet die Eskalation in Nahost für die Beziehungen zwischen Iran und dem afrikanischen Kontinent, vor allem den Sahel-Staaten - wirtschaftlich, politisch und militärisch?

Iran Teheran 2026 | Islamische Revolutionsgarde
Ein Soldat der iranischen Revolutionsgarde sichert eine Straße in Teheran (04.03.2026) Bild: Sobhan Farajvan/Pacific Press/Sipa USA/picture alliance

Irans Geschichte mit Afrika reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert, als der Handel über den Indischen Ozean florierte. Ab den 1960er-Jahren wurde die Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern unter Schah Mohammad Reza Pahlavi modernisiert und intensiviert. Und auch Ayatollah Ruhollah Chomeini, der 1979 die Macht übernahm und eine islamische Republik gründete, setzte die Beziehungen fort - sie bestehen bis heute.

Teheran hat ein Interesse daran, seine strategischen, wirtschaftlichen, militärisch-sicherheitspolitischen, religiösen und wissenschaftlich-akademischen Partnerschaften mit afrikanischen Ländern zu stärken - und dabei internationale Sanktionen zu umgehen.

Vor allem der Export von technologischem und industriellem Know-how spielt eine große Rolle. Im Jahr 2025 verzeichnete das Handelsvolumen zwischen dem Iran und Afrika einen spektakulären Anstieg: Die iranischen Exporte stiegen im Vergleich zu 2024 um 85 Prozent.

Der Iran nimmt zahlreiche afrikanische Studenten an seinen Universitäten auf und baut technische und kulturelle Partnerschaften mit afrikanischen Staaten auf. Auch im humanitären Bereich und im Gesundheitswesen ist das Land auf dem Kontinent aktiv.

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42:34

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Wirtschaftlich kommt der Iran-Krieg für Afrika zur Unzeit: Gerade hatten ein schwächerer Dollar und niedrigere Zinsen vielen hoch verschuldeten Ländern etwas Luft verschafft. Damit ist es nun vorbei: Der Krieg stört den Welthandel, leitet Schiffe vom Suezkanal auf die teurere Seeroute um das Kap der guten Hoffnung um und treibt die Preise in die Höhe, insbesondere für Energie und Lebensmittel. So sind beispielsweise die Preise an den Tankstellen in Nigeria allein diese Woche um 14 Prozent gestiegen.

Es drohen zudem wirtschaftliche Folgen oder sogar Jobverlust für diejenigen Afrikaner, die im Ausland beschäftigt sind - etwa die über 400.000 Kenianer, die in den Golfstaaten arbeiten.

Iran und die Allianz der Sahelstaaten

Der Iran sei in Afrika zwar weniger präsent als etwa Frankreich oder auch Deutschland, erklärt Salifou Nouhou Jangorzo, Dozent und Forscher an der Universität von Maradi in Niger. Aber unsichtbar sei er nicht: "Der Iran unterhält diplomatische Vertretungen in 22 afrikanischen Ländern, was sein Interesse an diesem Kontinent belegt. Über diese Botschaften pflegt er Beziehungen in vielen Bereichen, insbesondere in der Wirtschaft. Der Iran organisiert auch regelmäßig Foren und Treffen zwischen dem Iran und Afrika."

Der sudanesische Außenminister al-Scharif (l.) beim iranischen Präsidenten Massud Peseschkian (Teheran, 18.02.2025)Bild: Iranian Presidency/ZUMA/IMAGO

Angesichts des Rückgangs des Einflusses westlicher Länder, insbesondere Frankreichs, in den Ländern der Sahelzone hat Teheran die entstandene Lücke genutzt, um vor allem seine Beziehungen zu den Mitgliedsländern der Allianz der Sahelstaaten (AES) Mali, Burkina Faso und Niger zu stärken.

Ende Februar empfingen der iranische Präsident Massud Peseschkian und sein Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh in Teheran den burkinischen Verteidigungsminister General Célestin Simporé, Thema war die Stärkung der Partnerschaft im Bereich der Sicherheit. Auch der nigrische Premierminister Ali Lamine Zeine war im Januar 2024 nach Teheran gereist.

Irans mögliches Interesse an Uran aus Niger

Die USA, Israel und andere Staaten beschuldigen Iran, Uran für den Bau einer Atombombe anreichern zu wollen. Folgt man dieser Darstellung, könnte der nigrische Uranmarkt für Teheran interessant sein. Seit Niger beschlossen hat, sich vom französischen Atomriesen Orano zu trennen, gibt es Gerüchte, dass das Land beabsichtigt, sein Uran insbesondere an den Iran zu verkaufen.

Nach fast 50 Jahren wurde die Uranmine Cominak 2021 stillgelegt und wird derzeit saniert - weitere Minen im Niger liefern noch ErträgeBild: Olympia De Maismont/AFP/Getty Images

Bislang sei das allerdings noch nicht passiert, sagt der nigrische Journalist und Schriftsteller Seidik Abba, Vorsitzender des Internationalen Zentrums für Sahel-Studien und Reflexion (CIRES).

"Es stimmt, dass der Iran Interesse an nigrischem Uran bekundet. Einige Spekulationen deuten sogar auf Ambitionen im Zusammenhang mit Atomwaffen hin. Derzeit bestehen jedoch keine intensiven wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Niamey und Teheran in diesem Bereich."

Iranische Drohnen für afrikanische Staaten

Eine technologisch-militärische Zusammenarbeit von Iran und Niger gebe es aber schon: Niger kaufe nämlich iranische Drohnen, so Abba. Und weitere afrikanische Länder seien dabei, diesem Beispiel zu folgen: "Viele Menschen betonen nicht genug, dass der Iran ein Spezialist für Drohnen ist. Heute wissen wir, dass in mehreren afrikanischen Ländern der Wunsch besteht, diese Ausrüstung zu erwerben, insbesondere in Ländern, die mit Terrorismus konfrontiert sind. Ein großer Teil der Drohnen wird aus der Türkei gekauft, aber einige Länder wenden sich auch an den Iran."

Wrackteile einer iranischen Drohne, die von Israel nahe Dar'a in Syrien abgeschossen wurde (05.03.2026)Bild: Emad Albasiri/Anadolu Agency/IMAGO

Laut Seidik Abba könnte der Krieg allerdings bestimmte Kooperationsdynamiken zwischen Iran und Afrika verlangsamen oder zum Erliegen bringen. Der Grund: Das Mullah-Regime ist gezwungen, den Großteil seiner Ressourcen auf die Bewältigung der Krise in Nahost zu konzentrieren.

Schiitische Gemeinschaften in Afrika

"Auch der kulturelle, insbesondere der religiöse Bereich spielt eine wichtige Rolle", sagt Universitätsdozent Salifou Nouhou Jangorzo: "Durch die schiitischen Gemeinschaften ist der Iran stark in Afrika verankert."

Schiiten finden sich hauptsächlich in Westafrika - in Guinea, Senegal, Niger oder Nigeria - und in einigen Ländern Ostafrikas. Die religiöse Rivalität zwischen dem überwiegend sunnitischen Saudi-Arabien und dem überwiegend schiitischen Iran wirkt sich auch auf Afrika aus: Teheran nutzt kulturelle Einrichtungen, Stipendien und lokale Netzwerke, um seine Ideologie zu verbreiten.

Die Bevölkerung Malis ist zu über 95 Prozent muslimisch. Chouala Bayaya Haïdara, ein Teheran nahestehender Imam aus Bamako, verurteilt die Ermordung von Ayatollah Ali Chamenei sowie hochrangiger Führer des Regimes gegenüber der DW scharf: "Wir erleben einen Angriffskrieg. Das ist ein Kriegsverbrechen, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit", so Haïdara. "Die Tötung von Chamenei ist kein Akt der Größe. Dieses Amerika wäre groß gewesen, wenn es den Iran daran hätte hindern können, Raketen abzufeuern. Aber der Iran feuert weiterhin Raketen ab, wann und wo er will."

Folgt seinem Vater Ali Chamenei als oberster religiöser Führer Irans: Modschtaba Chamenei (2019)Bild: Morteza Nikoubazl/NurPhoto/IMAGO

Der sunnitische Imam Ayouba Touré aus Mali bekundet ebenfalls seine Solidarität mit dem iranischen Volk: "Wer hat Amerika, das über Atomwaffen verfügt, die Erlaubnis erteilt, diese herzustellen? Daraus lässt sich schließen, dass sie die Weltpolizei sind, die Herren der Welt (…) und dass die anderen ihnen folgen müssen. Das ist keine Hegemonie mehr, sondern ein Dschungel."

Unterdessen liegen auch einige strategische Orte am Horn von Afrika in der Reichweite iranischer Raketen - vor allem in Dschibuti, wo sich amerikanische und französische Marinestützpunkte befinden. Beide liegen etwa 160 Kilometer von Jemen entfernt, wo die Huthi-Rebellen dank des Iran über ein Arsenal an Raketen und Drohnen verfügen.

Wann der Krieg endet, welche Machtverhältnisse anschließend in Iran herrschen und welche konkreten Folgen das für Afrika hat - es bleibt abzuwarten.

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