Iran-Krieg: China poliert sein Image in Südostasien auf
26. März 2026
Während der Iran-Krieg für viel Unruhe sorgt und weltweit eine Energiekrise auslöst, präsentiert sich China in Südostasien als eine Großmacht, die mit ruhiger Hand auf die Herausforderungen reagiert.
Überlegtes Krisenmanagment ist gefragt: Der Iran hat nach dem Erstschlag durch die USA und Israel sowie nach der Tötung wichtiger Führungsfiguren die wichtigste internationale Handelsroute für Öl und Gas, die Straße von Hormus, geschlossen. Die Regierungen in Südostasien wollen nun ihre Haushalte, Fluggesellschaften und die Industrie gegen eine sich verschärfenden Kraftstoffkrise wappnen. Peking will nun die Besorgnis in der Region für sich nutzen und demonstrieren, dass China der bessere Partner für die Zukunft sei, nicht die USA.
"China ist bereit, die Koordination und Zusammenarbeit mit den südostasiatischen Ländern zu verstärken, um die Fragen der Energiesicherheit gemeinsam anzugehen", sagte Chinas Regierungssprecher Lin Jian diese Woche.
Nach iranischen Angaben dürfen Containerschiffe, die unter Flaggen derer fahren, die nicht Konfliktparteien seien, das Nadelöhr problemlos passieren, so zum Beispiel chinesische Frachter. "China zeigt sich verantwortungsbewusst als und stabilisierenden Akteur. Peking ruft zu einer Deeskalation im Nahen Osten auf und verspricht, mit den südostasiatischen Ländern zusammenzuarbeiten, um die Energieknappheit zu überwinden", sagte Li Mingjiang, Professor an der S. Rajaratnam School of International Studies in Singapur, im DW-Interview.
Südostasien im Krisenmodus
In ganz Südostasien haben die Regierungen mit vielen Sofortmaßnahmen wie Kraftstoffsparmaßnahmen oder Subventionen auf die Krise reagiert. Gleichzeitig suchen sie verzweifelt nach alternativen Lieferquellen. Einige haben schon ihre Wachstumsprognosen für dieses Jahr nach unten korrigiert.
Fast alle südostasiatischen Staaten sind extrem anfällig. Die meisten von ihnen sind Nettoimporteure von Öl aus dem Nahen Osten. Malaysia und Brunei sind zwar die Ausnahmen und haben ihre eigene Öl- und Gasproduktion. Doch selbst sie sind der allgemeinen Inflation ausgesetzt, der sich derzeit in der Region ausbreitet. Medienberichten zufolge wenden sich viele russischen Lieferanten zu, um die Ölversorgung sicherzustellen.
Die Philippinen riefen am Dienstag (24.3.26) den nationalen Energienotstand aus, der ein Jahr lang gelten soll. Manila warnte vor einer "unmittelbaren Gefahr" für die Energieversorgung des Landes. Landesweit arbeitet die öffentliche Verwaltung nun in einer Vier-Tage-Woche, um den Energieverbrauch zu drosseln. Die Logistikunternehmen erhalten aufgrund explodierender Benzinpreise Sofortzuschüsse von der Regierung. Wegen eines Mangels an Flugkerosin wird damit gerechnet, dass bald die ersten Flugzeuge am Boden bleiben müssen.
Vietnam hat staatliche Fonds zur Stabilisierung der Kraftstoffpreise aktiviert und seine Fluggesellschaften aufgefordert, sich auf Anpassungen bei den Flugplänen einzustellen. Die Öl-Importeure warnen, dass die Versorgung mit Flugbenzin nur noch im März garantiert werden könne.
Indonesien hat zugesagt, einen Teil der Mehrkosten durch den Staatshaushalt und höhere Subventionen abzufedern. Thailand erwägt neue Hilfsmaßnahmen, da die steigenden Dieselpreise Branchen wie die Fischerei hart treffen. Viele Boote könnten bald gezwungen werden, im Hafen zu bleiben. Malaysia hat seine Subventionsausgaben erhöht, um die Preise an den Zapfsäulen stabil zu halten.
China präsentiert sich als Supermacht für Frieden
Wie die südostasiatischen Regierungen will Peking auch verhindern, dass immer mehr Länder in den Nahost-Krieg hineingezogen werden. Die chinesische Regierung wolle, dass die Straße von Hormus so schnell wie möglich wieder geöffnet werde, sagt Chin-Hao Huang, Co-Direktor des Zentrums für Asien und Globalisierung an der Lee Kuan Yew School of Public Policy in Singapur gegenüber der DW. Keiner wolle Partei ergreifen.
"Soweit sie überhaupt öffentlich reagiert hat, dann nur mit Aufrufen zur Zurückhaltung, zum Waffenstillstand und zum Dialog: Das sind alles Punkte, die den meisten Regierungen in Südostasien gemeinsam sind", fügte Huang hinzu.
Die Krise sei eine Steilvorlage für Pekings Narrativ, China sei die einzige Supermacht für Frieden, freien Handel und Multilateralismus. China stelle sich als Gegenentwurf dar zu einer derzeit aggressiv und egoistisch auftretenden Supermacht USA. Bei seiner Rede auf dem Boao-Forum, einem Wirtschaftsgipfeltreffen auf der südchinesischen Tropeninsel Hainan am Donnerstag (26.3.26) sagte Zhao Leji, Chinas Parlamentspräsident und Nummer drei in der Parteihierarchie hinter Präsident Xi Jinping und Premier Li Qiang: "Wir sollten Konflikte und Konfrontationen ablehnen und dem Frieden eine bessere Zukunft geben."
Lawrence Wong, Premierminister von Singapur, der auch an der Eröffnung von Boao teilnahm, sagte, China könne "eine entscheidende Rolle" bei der Gestaltung globaler Entwicklungen spielen und "eine noch größere Rolle bei der Förderung des regionalen Wohlstands und der Stabilität". Er forderte Peking dazu auf, sich weiterhin stark für einen offenen, regelbasierten Handel einzusetzen.
"Die militärischen Angriffe der USA und Israels auf den Iran haben in mehreren südostasiatischen Ländern großes Befremden ausgelöst. China muss eigentlich gar nichts tun, damit sich die Stimmung gegenüber den USA in der Region weiter verschlechtert", sagt Enze Han, Professor an der Universität Hongkong, gegenüber der DW. "Ebenso verschlechtert der steigende Gaspreis in vielen Ländern der Region das Image der USA. Auch hier muss Peking nichts tun, damit die Schuld den Vereinigten Staaten zugeschrieben wird."
China gibt kein Öl, hat aber Photovoltaik
In der Praxis will aber China mit den Ländern in Südostasien keinen Tropfen Erdöl teilen. Jüngst verbot China den Export von raffinierten Kraftstoffen, um die heimische Versorgung zu sichern.
Trotzdem könnte die Krise langfristig Chinas Position stärken. Die Ölkrise beschleunige den Prozess der Umstellung auf erneuerbare Energieträger. Das sei ein Bereich, in dem chinesische Unternehmen international äußerst wettbewerbsfähig seien, erklärte Professor Li aus Singapur. China sei bereits eng in den ökologischen Wandel Südostasiens eingebunden. Chinas Unternehmen gehören zu den größten Investoren in den aufstrebenden Sektoren für E-Autos und Energiespeicher in der Region. Außerdem ist Peking der Hauptfinanzierer von Wasserkraftwerken und riesigen Solarparks auf dem südostasiatischen Festland.
Singapurs Premier Wong sagte auf dem Boao-Forum, der südostasiatische Staatenbund ASEAN solle mit Chinas Stärken im Bereich der erneuerbaren Energien zusammenarbeiten, um den Bau des ASEAN-Stromnetz voranzubringen. Der Iran-Krieg sei dafür ein Anlass. Wong stärkte die Entschlossenheit Südostasiens zur Diversifizierung der Energiestruktur. Langfristig kann sich China auf eine Annäherung seiner Nachbarn in Südostasien freuen.
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan