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HandelAsien

Iran-Krieg: Die Folgen für die globale Ernährungssicherheit

Nik Martin
15. März 2026

Iran blockiert die Handelsroute über die Straße von Hormus. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Ölpreise sondern auch auf die Ernährungssicherheit weltweit. Nicht nur Düngemittel könnten knapp werden.

Ein Mitarbeiter mit Sicherheitshandschuhen greift eine Handvoll Düngemittelkörner, die auf einem Fleißband transportiert werden
Hunderttausende Tonnen Düngemittel stecken wegen des Iran-Kriegs in den Golfstaaten festBild: Simon Wohlfahrt/AFP/Getty Images

Weltweit richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Öl- und Gastanker, die wegen des Iran-Kriegs die Straße von Hormus nicht mehr passieren können. Immerhin wird ein Fünftel des weltweit konsumierten Rohöls und Flüssiggases (LNG) durch dieses Nadelöhr von den Golfstaaten in den Rest der Welt exportiert.

Doch es steckt noch eine viel empfindlichere Fracht fest: der Dünger, der hilft, Nahrung für die gesamte Welt zu produzieren, und die Lebensmittel, die die Staaten entlang des Persischen Golfes ernähren.

20 Prozent des weltweit gehandelten Düngers wie Ammoniak, Phosphate und Sulfur stammen aus den Golfstaaten, belegen Zahlen des maritimen Datenanalyseunternehmens The Signal Group.

Nahezu die Hälfte des weltweit eingesetzten Harnstoffdüngers, einem der beliebtesten Stickstoffdünger, kommt aus der Golfregion. Ein Zehntel des weltweiten Angebots entfällt dabei laut Bloomberg Intelligence allein auf Katar. Im dortigen Ras Laffan steht die weltweit größte Industrieanlage für LNG und Düngemittel. Als QatarEnergy in der vergangenen Woche nach iranischen Luftangriffen die Produktion einstellte, stoppte es damit auch die Produktion hunderttausender Tonnen wichtiger Düngemittelwirkstoffe und -vorprodukte.

Seit Beginn des jüngsten Konflikts sind die Preise für Düngemittel um zehn bis 30 Prozent gestiegen. Sie liegen jedoch immer noch rund 40 Prozent unter dem Niveau, das sie in den Wochen nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine erreicht hatten.

Die Folgen für die Nahrungsmittelproduktion

Laut UNCTAD, der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung, werden monatlich etwa 1,33 Millionen Tonnen Dünger durch die Straße von Hormus exportiert. Bliebe die Meerenge für 30 Tage geschlossen, könnte dies bereits zu Engpässen führen und die Erträge stickstoffabhängiger Kulturen wie Mais, Weizen und Reis gefährden.

"Höhere Preise werden sich darauf auswirken, was ausgesät wird", sagt Joseph Glauber vom International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington zur DW. "Landwirte entscheiden sich möglicherweise für Kulturen, die weniger Dünger benötigen, oder für Dünger, der weniger stickstoff-intensiv ist, um die Kosten niedrig zu halten."

Insbesondere in ärmeren Ländern könnten Landwirte die Menge des eingesetzten Düngers reduzieren, was sich nachteilig auf die Ernte auswirken könnte, fügt Glauber hinzu.

Obwohl US-Präsident Donald Trump diese Woche darauf beharrte, dass der Iran-Krieg "so gut wie vorbei" sei, beschoss Iran am Mittwoch mindestens drei Schiffe in oder nahe der Straße von Hormus. Weitere Angriffe wurden in der Nacht auf Donnerstag gemeldet.

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Je länger die Straße von Hormus für Handelsschiffe unpassierbar bleibt, desto mehr werden globale Düngemittel-Lieferketten ins Stocken geraten, sagen Rohstoffanalysten. "Eine längere Unterbrechung würde die Verfügbarkeit von Düngemitteln in den wichtigen, von Importen abhängigen Regionen wie Brasilien, Indien, Südasien und Teilen der EU deutlich verknappen", warnte die niederländische Bank ING in einer Analyse Anfang des Monats.

Andere Düngemittelproduzenten wie Russland, China, die Vereinigten Staaten und Marokko verfügen nur über begrenzte freie Produktionskapazitäten. Ihnen wird es schwer fallen, die eigene Produktion umgehend hochzufahren, um den Engpass auszugleichen. "Anders als Kaliumcarbonat oder Phosphate, bei denen man auf Mineralvorkommen angewiesen ist, kann Stickstoff überall dort produziert werden, wo es Erdgas oder Kohle gibt", betont Glauber, der früher als leitender Ökonom im US-Landwirtschaftsministerium arbeitete. Die hohen Kosten von Erdgas seien jedoch ein Problem und könnten eine Produktionssteigerung unwirtschaftlich machen.

Höhere Ölpreise lassen Lebensmittelkosten steigen

Aber nicht nur mangelnder Dünger könnte die Lebensmittelpreise steigen lassen, auch die Treibstoffkosten spielen hier eine zentrale Rolle. Von den Landwirtschaftsmaschinen zu den Lastwagen, die die Ernte transportieren, über die Verarbeitungsanlagen, in denen sie weiterverarbeitet wird, bis zur Kühlung – überall wird Treibstoff benötigt. Steigende Energiekosten wirken sich mittlerweile auf jede Phase der Lebensmittelproduktion aus.

Nachdem die Kosten für Rohöl der Sorte Brent nach heftigen Schwankungen zwischenzeitlich auf 119,50 US-Dollar (104,30 Euro) gestiegen waren, liegen sie jetzt noch immer bei rund 100 US-Dollar (87,30 Euro).

Der Löwenanteil des Öls aus den Golfstaaten wird in asiatische Länder wie China, Japan und Südkorea exportiert; auch hier ziehen die Kraftstoffpreise stark an. Die indische Regierung hat versprochen, die Diesel- und Benzinpreise einzufrieren, um die Verbraucher und den Wirtschaftsverkehr vor den explodierenden Kosten zu schützen.

Landwirte müssen sich auf höhere Preise für Energie und Dünger einstellenBild: Narinder Nanu/AFP/Getty Images

"Energie ist indirekt für etwa 50 Prozent der Kosten für Lebensmittel verantwortlich", sagt Glauber von IFPRI zur DW. "Die meisten Länder haben bereits 2023/2024 hohe Teuerungsraten bei Lebensmitteln erlebt und seitdem sind die Preise nicht gefallen. Lediglich die Steigerungsrate ist seitdem abgeflacht."

Am meisten leiden die von Importen abhängigen Länder

Die Folgen einer Düngemittelknappheit und explodierender Energiepreise werden insbesondere die ärmsten Länder zu spüren bekommen sowie jene, die am stärksten von Importen abhängig sind.

Besonders gefährdet ist Indien, das bis zu zwei Drittel seines Stickstoffdüngers und einen großen Teil seines Harnstoffdüngers aus den Golfstaaten bezieht. Die Aussaatzeit während des Monsuns steht vor der Tür; ein Mangel an Düngemitteln würde zu einem starken Anstieg der Produktionskosten für Reis, Weizen und andere Grundnahrungsmittel führen, von denen hier 1,45 Milliarden Menschen leben.

Brasilien ist einer der größten Agrarexporteure weltweit. Sein Stickstoffdüngerbedarf wird zu etwa 40 Prozent durch Harnstoffimporte aus der Golfregion gedeckt. Kommt es zu längerfristigen Engpässen, gefährdet das die Soja- und Maisernten in einem Moment, in dem die Vorräte ohnehin knapp sind.

Straße von Hormus: Blockade lässt Ölpreise steigen

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Langfristig aber sind die Risiken für Subsahara-Afrika am größten. Viele afrikanische Länder setzen schon jetzt viel weniger Dünger ein, als für gute Erträge erforderlich wäre. Selbst geringfügige Preissteigerungen könnten dazu führen, dass Kleinbauern ihren Verbrauch weiter einschränken, Ernten geringer ausfallen und der chronische Hunger verschärft wird.

Die Golfstaaten, die bis zu 90 Prozent ihrer Lebensmittel importieren müssen, sind ebenfalls stark auf den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus angewiesen. Bleibt die Route über längere Zeit gesperrt, könnten die strategischen Reserven innerhalb weniger Monate aufgebraucht sein. Das könnte Rationierungen und den kostspieligen Umweg über das Rote Meer und den Golf von Oman notwendig machen. 

Und im Iran lag die Inflation laut Bloomberg schon vor Beginn des Konflikts bei über 40 Prozent, für Lebensmittel sogar darüber. Gelangen weniger Importe ins Land, steigen die Energiekosten und kommt es zu Unterbrechungen der Transportwege, dürften die Lebensmittelpreise weiter steigen und die Notlage von Millionen von Menschen weiter verschärfen.

Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.

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