Iran-Krieg: Gas- und Ölindustrie unter Beschuss
24. März 2026
Seit dem 28. Februar bombardieren die USA und Israel den Iran, um - nach eigenen Aussagen - das Regime in Teheran so zu schwächen, dass es keine Gefahr mehr für Israel und die übrige Welt darstelle.
Ein Nebeneffekt davon: Der globale Ölpreis ist seit dem Beginn der Angriffe um rund 60 Prozent gestiegen. Die internationale Referenzsorte Brent ist so teuer wie seit Mitte 2022 nicht mehr, die Nahost-Sorte Oman Crude hat mit mehr als 150 US-Dollar pro Barrel sogar ein Allzeithoch erreicht.
Warum sind die Ölpreise derart gestiegen?
Rund 20 Prozent der weltweiten Erdölnachfrage werden durch die Straße von Hormus verschifft - die Meerenge, die den Persischen Golf mit den Weltmeeren verbindet. Als Reaktion auf die Angriffe hat der Iran nicht nur Israel und Militärbasen der USA in der Region beschossen, sondern auch zivile Ziele in den Nachbarstaaten am Golf. Für die Ölpreise relevanter ist jedoch, dass die dem iranischen Mullah-Regime unterstellten Streitkräfte auch die Straße von Hormus sperren. Seit Kriegsbeginn durchfahren nur noch vereinzelt Handelsschiffe wie Öltanker, Containerschiffe und Schüttgutfrachter die Meerenge, davor waren es rund 140 pro Tag. Die abrupte Angebotsverknappung auf dem Weltmarkt hat die Ölpreise steigen lassen. Hinzu kommt, dass der Iran die Öl- und Gasinfrastruktur beschossen hat. Darunter ist Ras Laffan in Katar, das größte LNG-Exportterminal der Welt, in der Erdgas für den Transport verflüssigt wird, sowie zwei Raffinerien in Kuwait und eine in Yanbu in Saudi Arabien. Experten schätzen, dass es Monate oder gar Jahre dauern wird, alle Schäden zu beheben.
Die Hafenstadt Yanbu am Roten Meer gilt auch als mögliche Alternative für Ölexporte aus der Region. Allerdings hat sie nur einen Bruchteil der Kapazität, die nötig wäre, um die Straße von Hormus als Transportweg zu ersetzen.
Wie sperrt der Iran die Straße von Hormus?
Die nur rund 40 Kilometer breite Straße von Hormus liegt zwischen Iran und Oman. Der Iran droht damit, Schiffe anzugreifen und sogar zu versenken, die versuchen den Seeweg ohne Genehmigung zu durchfahren. Zur Verfügung stehen ihnen dafür Drohnen und Land-Wasser-Raketen sowie unbemannte Boote mit Sprengladungen. Außerdem gibt es Befürchtungen, dass die iranische Kriegsmarine Seeminen in der Fahrrinne ausgelegt hat.
Seit Kriegsbeginn wurden mehr als 20 Angriffe - mutmaßlich mit Raketen - auf Handelsschiffe im Persischen Golf und dem Golf von Oman auf der anderen Seite der Straße von Hormus gemeldet.
Welche Länder betrifft die Sperrung der Straße von Hormus am stärksten?
Die bloßen Preissteigerungen betreffen, vereinfacht gesagt, alle Länder in ähnlichem Maße, die Erdöl und Ölderivate, wie Benzin oder Kerosin, auf dem Weltmarkt kaufen oder verkaufen. Auch die Preise für Mineraldünger, der aus Erdgas hergestellt wird, sind gestiegen. Dennoch sind nicht alle Länder gleich stark auf diese Rohstoffe angewiesen. Exportländer außerhalb der Golfregion könnten von Mehreinnahmen durch höhere Preise und potenziell größere Absatzchancen sogar profitieren.
Unmittelbar betroffen sind die erdölexportierenden Länder am Persischen Golf selbst, da ein wesentlicher Teil ihrer Wirtschaftsleistung aus den Einnahmen ihrer Erdöl- und Gasexporte besteht.
Neben den ölexportierenden Nationen am Persischen Golf leiden aber auch die Abnehmerländer. Darunter befinden sich Länder mit einer starken Industrie, die den Preissteigerungen und dem Angebotsschock stärker ausgesetzt sind, als Dienstleistungsgesellschaften. Besonders hart könnte es asiatische Länder wie China, Japan und Korea treffen, weil sie die Hauptabnehmerländer der Rohstoffe aus dem Persischen Golf sind. Allerdings hat der Iran mittlerweile angekündigt, Schiffen die Passage durch die Straße von Hormus zu gewähren, die das Regime nicht zu seinen "Feinden" zählt. Ende vergangener Woche hieß es, der Iran werde auch Lieferungen nach Japan zulassen, das enge wirtschaftliche und militärische Beziehungen zu den USA unterhält.
Nachdem US-Präsident Donald Trump Anfang dieser Woche angekündigt hat, die angedrohten Angriffe auf die Energieinfrastruktur des Iran für fünf Tage auszusetzen und von Verhandlungsfortschritten mit dem Iran gesprochen hat, scheint sich der Ölpreis leicht zu erholen. Offenbar setzte man an den Commodity-Märkten darauf, dass die bewaffnete Auseinandersetzung doch früher endet als bisher befürchtet.