Iran-Krieg: Gerät die Bundeswehr zwischen die Fronten?
6. März 2026
In Deckung gehen - das mussten die deutschen Soldaten in Jordanien und im Irak am vergangenen Wochenende (28.02./01.03.2026). Nach den Militärschlägen Israels und der USA hatte der Iran Gegenangriffe gestartet und dabei auch Militärbasen der USA ins Visier genommen. Getroffen wurden auch Stützpunkte, auf denen auch die Bundeswehr im Rahmen internationaler Einsätze stationiert ist.
Die Angriffe trafen eine Militärbasis in der Nähe von Erbil im Nordirak und einen Stützpunkt der Bundeswehr in Jordanien, wie ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr bestätigte. Zu Schaden kam dabei niemand. Die Soldaten hielten sich in geschützten Positionen oder Unterkünften auf, Flugabwehrsysteme fingen die Raketen und Drohnen ab.
"Die deutschen Soldatinnen und Soldaten bzw. die deutschen Kontingente waren nicht unmittelbares Ziel", heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Die betroffenen Militärbasen werden nicht von der Bundeswehr betrieben, sie ist dort nur "zu Gast" - zusammen mit Truppen anderer Nationen, auch aus den USA.
Boris Pistorius: "Deutschland ist nicht Kriegspartei"
Das Verteidigungsministerium betonte, man habe rechtzeitig Vorkehrungen getroffen, um die deutschen Soldatinnen und Soldaten im Nahen Osten zu schützen. "Deutschland ist nicht Kriegspartei, die deutsche Bundeswehr wird sich an diesem Krieg nicht beteiligen", erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius am Mittwoch (04.03.2026) im Bundestag.
Oberste Priorität für die Bundesregierung habe nun der Schutz der deutschen Bürger und Soldaten in der Region, in der die Lage hochdynamisch und gefährlich sei.
Angesichts der anhaltenden Kriegshandlungen in der Region stellt sich nun die Frage: Sollen die rund 500 deutschen Soldaten im Nahen Osten bleiben? Das Verteidigungsministerium muss abwägen, ob die Bundeswehr ihre Aufträge vor Ort noch erfüllen kann, ohne dass sie selbst zur Zielscheibe wird.
Es gibt zwei größere Missionen, an denen die Bundeswehr im Nahen Osten beteiligt ist: Im Rahmen von UNIFIL - das Kürzel steht für "United Nations Interim Force in Lebanon" - sichern mehr als 200 deutsche Soldaten die Seegrenzen des Libanon. Eine Fregatte der deutschen Marine ist daran beteiligt.
Der Einsatz soll verhindern, dass auf dem Seeweg Waffen in den Libanon geschmuggelt werden. Die Bundeswehr bildet außerdem Soldaten der libanesischen Marine aus. Das Mandat, das seit knapp 20 Jahren vom Bundestag immer wieder verlängert wird, läuft am 30. Juni aus. Fraglich ist, ob der Einsatz danach weiter fortgesetzt wird.
Im Irak und in Jordanien beteiligt sich die Bundeswehr an einem internationalen Einsatz gegen die Terrormiliz IS, den sogenannten Islamischen Staat. Die offizielle Bezeichnung des Einsatzes spiegelt wider, dass er seit seinem Beginn 2015 mehrfach ergänzt und erweitert wurde. Sie lautet: "Counter Daesh/Capacity Building Iraq/NATO Mission Iraq".
Ziel der Mission ist es, den Irak zu stabilisieren und das Wiedererstarken des IS zu verhindern, der in der Region weiterhin aktiv ist. Das geschieht unter anderem durch die Ausbildung von Streitkräften, an der sich auch die Bundeswehr beteiligt.
Aus Erbil wurde bereits Personal abgezogen
Schwerpunkt des Bundeswehr-Einsatzes ist die kurdische Metropole Erbil im Norden des Landes, einige Berater sind auch in der Hauptstadt Bagdad tätig. Aus Erbil hatte die Bundeswehr bereits Mitte Februar Personal abgezogen, als die Spannungen zwischen den USA und dem Iran zunahmen.
Der größte Teil des deutschen Personals dieser Mission ist auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asrak in Jordanien stationiert. Dort unterstützt die Bundeswehr den internationalen Einsatz mit Tankflugzeugen und Kapazitäten für den Lufttransport. Eine Fähigkeit, deren schnelle Verfügbarkeit nützlich sein könnte für den Fall, dass die Bundeswehr ihre Kräfte rasch nach Deutschland zurückverlegen müsste.
Die Obergrenze des deutschen Kontingents in Jordanien und dem Irak liegt bei 500 Soldatinnen und Soldaten. Derzeit sind es "mehr als 200" - genauere Angaben will das Verteidigungsministerium nicht machen.
Der Bundestag hat das Mandat erst kürzlich um ein weiteres Jahr bis zum 31. Januar 2027 verlängert. "Anpassungen sind aktuell nicht vorgesehen", teilte ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr der Deutschen Welle mit. Die im Januar verlängerte Mission werde wie geplant fortgeführt.
Wie es insgesamt mit den Einsätzen im Nahen Osten weiter geht, lässt die Bundesregierung bisher offen. Es sind nicht die einzigen internationalen Missionen: Laut dem Verteidigungsministerium sind derzeit etwa 2000 deutsche Soldaten "in 17 Einsätzen und anerkannten Missionen" auf drei Kontinenten aktiv.
Fest steht: Die Bundeswehr ist mit ihren vielen Aufgaben stark belastet. Hinzu kommt nun noch die Gefährdung der deutschen Kontingente im Nahen Osten, deren Sicherheit das Operative Führungskommando der Bundeswehr stündlich neu bewertet.
Viele Einsätze bedeuten eine hohe Belastung
Als erstes wird sich die Frage beim UNIFIL-Einsatz vor der libanesischen Küste stellen, dessen Mandat Ende Juni ausläuft. Diesen Einsatz nicht erneut zu verlängern, hielte Henning Otte für richtig, der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags.
"Wenn ich in das Marinekommando hineinhöre, dann ist insbesondere dort eine hohe Dienstbelastung", sagte Otte kürzlich bei einer Pressekonferenz in Berlin. "Der Appell ist, sich zu konzentrieren auf die notwendigen Einsätze - und hier muss Bündnisverteidigung viel stärker in den Blick genommen werden." Gemeint sind damit - neben der Landesverteidigung - vor allem Verpflichtungen im Rahmen der NATO.