Iran: Revolutionsgarden wollen Öl-Stopp bis Kriegsende
10. März 2026
Der Iran will nach Aussage der Revolutionsgarden bis zum Ende des Krieges keine Ölexporte aus der Region an Verbündete der USA und Israels zulassen. Allen Bemühungen, die Preise für Öl und Gas zu kontrollieren, werde kein dauerhafter Erfolg beschieden sein, sagte ein Sprecher der Eliteeinheit des Mullah-Regimes in Teheran. Pakistan erklärte derweil, die Marine werde Handelsschiffe des eigenen Landes in der Straße von Hormus Geleitschutz geben, um eine kontinuierliche Energieversorgung und "die Sicherheit der Seewege" zu gewährleisten.
Die Atommacht Pakistan, die im Süden an den Iran grenzt, ist stark abhängig von Öl und Gas aus den Golfstaaten. Fast 20 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls wird durch die Straße von Hormus transportiert. Seit Kriegsbeginn haben die iranischen Streitkräfte mehrfach Öltanker angegriffen, die die Meerenge passieren wollten.
US-Präsident Donald Trump hatte am Montag mit Äußerungen über ein baldiges Ende der Kämpfe für fallende Ölpreise gesorgt: Rohöl der Sorte Brent, das zeitweilig knapp 120 US-Dollar (103 Euro) je Fass kostete, wurde an diesem Dienstagmorgen bei 90 Dollar gehandelt. Der US-Sender CBS News hatte Trump mit den Worten zitiert: "Ich denke, der Krieg ist so gut wie vorüber." Der Republikaner begründete dies mit einer militärischen Schwächung des Irans.
Wadephul gießt Wasser in den Wein
Während die Aktienmärkte positiv auf Trumps Einlassungen reagierten, mahnte der deutsche Außenminister Johann Wadephul zu nüchterner Betrachtung. Bei einem Treffen mit seinem Kollegen Konstantinos Kombos in Zyperns Hauptstadt Nikosia sagte er, die Vereinigten Staaten wollten die militärischen Möglichkeiten des Irans so weit verringern, dass die Gefahr für Nachbarn der Islamischen Republik wie auch für Europa nicht länger bestehe.
"Ich denke, dass diese Angriffe so lange weitergehen werden, bis dieses Ziel erreicht ist oder die iranische Seite eine ernsthafte Bereitschaft gezeigt hat, zu verhandeln", sagte Wadephul. Die Europäische Union müsse sich jetzt "sehr schnell aufstellen", damit sie in derartigen Verhandlungen überhaupt eine Rolle spiele.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte, sein Land sei mit den Angriffen auf die Führung in Teheran "noch nicht fertig". Es gehe darum, "das iranische Volk vom Joch der Tyrannei zu befreien". Letztendlich hänge dies jedoch von den Menschen selbst ab. Schon früher hatte sich Netanjahu zu einem Machtwechsel in der Islamischen Republik geäußert und die Bevölkerung zum Sturz des Mullah-Regimes aufgerufen.
Raketenalarm in Israel ausgelöst
Die Kampfhandlungen dauern unvermindert an. Die iranischen Streitkräfte attackierten nach eigenen Angaben Treibstofflager in Israel, wo Raketenalarm ausgelöst wurde. Bis Samstag bleiben dort alle Schulen geschlossen. Versammlungen von mehr als 50 Personen sind verboten, wie das Heimatfrontkommando der israelischen Armee mitteilte.
Nach eigener Darstellung beschoss der Iran auch einen US-Luftwaffenstützpunkt im Norden des Iraks. Der Militärflugplatz Harir in der Autonomen Region Kurdistan sei mit fünf Raketen angegriffen worden, berichtet der staatliche Rundfunk. Bei US-Angriffen auf die pro-iranischen Imam-Ali-Brigaden in der irakischen Provinz Kirkuk wurden nach deren Mitteilung vier ihrer Kämpfer getötet.
Israel wiederum zielte bei eigenen Angriffen auf Raketen-Abschussvorrichtungen im Iran, wie die Armee mitteilte. Am Montag hatte das Militär eine weitere "umfassende Welle" von Attacken auf die iranische Hauptstadt Teheran gemeldet; diese seien gegen "terroristische Ziele" gerichtet gewesen.
Auch gegen die Hisbollah im Libanon, die von zahlreichen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird, gehen die israelischen Streitkräfte weiterhin vor. Sie riefen die Bevölkerung im Süden des Nachbarstaates dazu auf, ihre Häuser zu verlassen. Bereits jetzt wurden nach UN-Angaben wegen der Gefechte zwischen der Hisbollah und Israel fast 700.000 Menschen vertrieben, darunter 200.000 Kinder.
Golfstaaten stehen weiter unter Beschuss
Mehrere Golfstaaten meldeten weiteren Beschuss aus dem Iran. Betroffen waren Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Saudi-Arabien und Kuwait. Über mögliche Verletzte und Schäden ist noch nichts bekannt.
Die USA und Israel hatten Ende Februar Luftangriffe auf den Iran begonnen. Dabei wurden der oberste Führer, Ajatollah Ali Chamenei, und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Teheran reagierte mit Angriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion. Trump und Netanjahu begründeten das militärische Vorgehen mit der Weigerung des Irans, überprüfbar auf jegliche militärische Nutzung nuklearen Materials zu verzichten.
Die Islamische Republik bestreitet, nach Atomwaffen zu streben. Zugleich bunkert sie hochangereichertes Uran in einer Menge, die laut Experten für keinerlei zivile Nutzung einen Sinn ergäbe. Nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) lagert weiterhin die Hälfte des bis auf 60 Prozent angereicherten Urans in einer unterirdischen Anlage in Isfahan.
Der Tunnelkomplex sei das einzige relevante Areal, das bei den Angriffen Israels und der USA auf iranische Atomanlagen im Juni offenbar nicht schwer beschädigt worden sei, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi. Zum damaligen Zeitpunkt habe der Iran insgesamt mehr als 440 Kilogramm hochangereicherten Urans besessen. Würde diese Menge auf 90 Prozent angereichert, ließen sich damit nach Berechnungen von Wissenschaftlern theoretisch mehrere Atombomben bauen. Die IAEA betonte indes, sie habe keine glaubwürdigen Hinweise auf ein koordiniertes Atomwaffenprogramm des Irans.
jj/AR (dpa, afp, rtr, ap, kna)
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