Iran-Krieg: Peseschkian entschuldigt sich bei Golf-Staaten
7. März 2026
"Ich möchte mich in meinem Namen bei den von Iran angegriffenen Nachbarländern entschuldigen“, sagte Irans Präsident Massud Peseschkian in einer Ansprache, die vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Von nun an würden die iranischen Streitkräfte keine Nachbarländer mehr angreifen oder Raketen auf sie abfeuern, so Peseschkian. "Es sei denn, wir werden von diesen Ländern angegriffen", schränkte er seine Zusage aber sofort ein.
Die Aufnahme wirkt improvisiert und ist nicht besonders gut in Szene gesetzt. Irans Präsident trägt eher informelle Kleidung. Neben ihm ist eine Zimmerpflanze zu sehen. Auf der anderen Seite stehen ein jahrzehntealtes gerahmtes Foto von Ayatollah Ali Chamenei und eine kleine iranische Tischflagge.
Attacken trotz angekündigtem Ende der Angriffe
Peseschkian deutete an, dass Missverständnisse innerhalb der eigenen Reihen die Ursache für Drohnen und Raketen-Attacken auf die direkten Nachbarn gewesen seien. "Diese Vorfälle waren das Ergebnis der chaotischen Situation nach dem Tod mehrerer hochrangiger Kommandeure, als die Streitkräfte führungslos waren und eigenständig handeln mussten." Er sprach von "Helden", die ihr Vaterland "mit Stolz und Kraft" verteidigt hätten.
Die Entscheidung, die Nachbarstaaten am persischen Golf ab sofort nicht mehr anzugreifen, sei am Freitag im Übergangsrat getroffen worden, teilte der Präsident mit. Dennoch gab es an diesem Samstagmorgen - kurz vor Ausstrahlung der Videobotschaft - weitere Attacken auf Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die iranischen Revolutionsgarden, die an vorderster Front des Krieges stehen, unterstehen ausschließlich dem Obersten Führer des Landes, nicht dem iranischen Präsidenten.
Laut Nachrichtenagentur Tasnim erklärten die Revolutionsgarden im Anschluss an die Videobotschaft Peseschkians, dass sie in Übereinstimmung mit den Anweisungen des Präsidenten die Interessen und die nationale Souveränität der Nachbarländer respektierten. Alle Militärstützpunkte und Interessen der USA und Israels zu Wasser, zu Land und in der Luft in der Region würden aber weiter als Hauptziele angesehen.
Das iranische Militär teilte nach Angaben der Nachrichtenagentur IRNA mit, die Marine habe eine "massive Welle von Drohnenangriffen" gegen "US-Militärstützpunkte" und auf Israel gestartet. Ziele seien unter anderem die Militärbasis Minhad in den Vereinigten Arabischen Emiraten und eine weitere in Kuwait gewesen, außerdem eine "strategische Einrichtung" in Israel.
Laut Revolutionsgarden wurde auch der Luftwaffenstützpunkt al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten ins Visier genommen worden. Wie die Nachrichtenagentur Tasnim meldet, seien unter anderem ein Satellitenkommunikationszentrum und ein Frühwarnradar "getroffen" worden.
Das israelische Militär teilte mit, innerhalb von 24 Stunden habe der Iran insgesamt elf Angriffe auf Israel ausgeführt.
Die Revolutionsgarden haben nach eigenen Angaben an diesem Samstag zudem einen Öltanker in der strategisch und wirtschaftlich wichtigen Straße von Hormus angegriffen. Das Schiff "Prima" sei am Morgen von einer Drohne getroffen worden. Der Tanker habe "wiederholte Warnungen" der Revolutionsgarden zur Sperrung der Meerenge im Persischen Golf ignoriert.
Israel und USA nehmen den Iran weiter ins Visier
Auch Israel und die USA setzen ihre Militäroperationen fort. Irans Staatsmedien berichten von schweren Schäden im ganzen Land. Betroffen seien unter anderem zwei Krankenhäuser in der Provinz Chuzestan im Südwesten des Landes. Laut Staatsfernsehen wurden das medizinische Zentrum Rasi in der Stadt Ahwaz und das Imam-Ali-Krankenhaus in Andimeschk durch Druckwellen nach Explosionen erheblich beschädigt. Unabhängige Bestätigungen dafür gibt es bislang nicht.
Laut der staatlichen Rundfunkagentur IRIB war auch der Inlandsflughafen Mehrabad im Westen von Teheran Ziel von Angriffen. Medienberichte zeigen Brände und große Schäden an dem Flughafen. Die Autobahn, die dorthin führt, ist demnach blockiert.
Auch Militäranlagen in der Hauptstadt Teheran sowie in Zentral-, West- und Nordwestiran seien attackiert worden. Der Ausfall des Inlandsflughafens zählt zu den Gründen, warum die Beisetzung des vor einer Woche getöteten Religionsführers Chamenei verschoben wurde. Er soll im Imam-Resa-Mausoleum in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden.
Der Schrein im Nordosten des Landes ist für Schiiten ein Heiligtum. Eine Autofahrt in das rund 900 Kilometer entfernte Maschhad dauert rund zehn Stunden. Allerdings sind die Routen bekannt, und Fahrzeuge könnten gezielt angegriffen werden.
Replik auf Donald Trump
In seiner Videobotschaft gab sich Irans Präsident weiter kämpferisch: "Die Spekulationen über eine mögliche Kapitulation des Landes sind absurd und die Feinde können solche Träume mit ins Grab nehmen."
US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag erklärt, er wolle kein Abkommen mit dem Iran mehr abschließen. Stattdessen müsse es auf eine "bedingungslose Kapitulation" hinauslaufen.
Peseschkian rief seine Landsleute auf, alle internen Differenzen beiseitezulassen und geschlossen gegen äußere Bedrohungen aufzutreten. "Wenn wir Differenzen haben, ist es besser, sie untereinander zu lösen", sagte er. Der iranische Präsident bezeichnete jede Form der Unterstützung für Israel und die USA als "ehrlos".
Die iranische Bevölkerung ist gespalten: Ein Teil der Iraner unterstützt einen Sturz der politischen Führung und hofft, dass der Krieg diesen beschleunigt.
AR/haz (dpa, afp, rtr, ap)
Redaktionsschluss 17.30 Uhr (MEZ). Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert!