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KonflikteDeutschland

Iran-Krieg: Tausende Touristen im Nahen Osten gestrandet

2. März 2026

Wegen des Iran-Kriegs ist der Flugverkehr in der Region teilweise zum Erliegen gekommen. Tausende Menschen sitzen in der Region fest, darunter auch zahlreiche deutsche Touristen.

Wartende Reisende sitzen neben ihren Koffern auf dem Fußboden
Wann geht es weiter - gestrandete Passagiere im Flughafen BeirutBild: Hassan Ammar/AP Photo/picture alliance

Rund 30.000 Reisende von deutschen Veranstaltern sind von der Eskalation in der Golfregion betroffen, erklärte der Deutsche Reiseverband (DRV). Sie sitzen dort fest oder können nicht an den Flughafen-Drehkreuzen umsteigen. Die Flugzeuge starten nicht, die Kreuzfahrtschiffe fahren nicht ab, dafür gibt es immer wieder Raketenalarm.

Wadephul rechnet mit länger dauernden Problemen

"Wir alle müssen uns darauf einstellen, dass dieser Konflikt länger dauert. Es ist nicht vorhersehbar, dass wir in den nächsten Tagen mit einer Beendigung der Kampfhandlungen rechnen können", sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul am Sonntagabend in einer Fernseh-Talkshow des Ersten Deutschen Fernsehens. Nach Einschätzungen von US-Präsident Donald Trump könnte der Krieg mit dem Iran noch vier Wochen dauern.

Bundesaußenminister WadephulBild: Sebastian Gollnow/dpa/picture alliance

Israel und die USA hatten am Samstagfrüh Luft- und Raketenangriffe gegen Ziele im Iran begonnen, bei denen auch Religionsführer und Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde. Teheran reagierte mit Angriffen auf Israel sowie auf Ziele in der Golfregion, in der es US-Militärstützpunkte gibt.

Vereinigte Arabische Emirate helfen bei der Betreuung

Daraufhin wurde etwa an den Flughäfen von Dubai der Flugverkehr bis auf weiteres ausgesetzt. Airports und nationale Fluggesellschaften in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben der Generalbehörde für Zivilluftfahrt zufolge bereits rund 20.200 Passagiere betreut, deren Flüge verschoben werden mussten. 

Es wurden vorübergehende Unterkünfte, Mahlzeiten und Erfrischungen bereitgestellt. Außerdem wollen die Vereinigten Arabischen Emirate "alle Unterbringungs- und Verpflegungskosten für betroffene und gestrandete Passagiere" übernehmen, teilte die Behörde mit. 

Krisenhotline und Unsicherheit

Auch Reiseanbieter kümmern sich eigenen Angaben zufolge um ihre Gäste, vor allem vor Ort durch Reiseleiter. Dertour etwa hat zudem eine Krisenhotline eingerichtet - für festsitzende Reisende in Nahost wie auch für von Flugabsagen Betroffene weltweit. "Unser Krisenmanagement steht dazu im engen Austausch mit den zuständigen Behörden im In- und Ausland und mit den Fluggesellschaften sowie den Koordinierungseinheiten vor Ort", heißt es auf der Website. 

Auch Kreuzfahrtschiffe sind betroffen - Archivbild von TUI CruisesBild: TUI Cruises

Auch auf Kreuzfahrtschiffen sitzen Touristen in den Häfen der Region fest - etwa auf "Mein Schiff 4" und "Mein Schiff 5" vom deutschen Anbieter TUI Cruises mit einer möglichen Kapazität für insgesamt gut 5000 Reisende.

Evakuierung nach Deutschland 

Die Bundesregierung bereitet die Entsendung von Flugzeugen in den Nahen Osten vor, um von dort Touristen nach Hause zu holen.  "Wir wollen Deutschen helfen, nach Hause zu kommen", sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul in Berlin. Dabei gehe es zunächst um Kranke, Kinder und schwangere Frauen. Die Maschinen sollen nach Maskat im Oman und in die saudiarabische Hauptstadt Riad geschickt werden. Dort seien die Lufträume noch geöffnet, Sicherheit gehe bei der Entsendung allerdings vor.

Deutsche Staatsangehörige in der Region sollten sich auf der Krisenvorsorgeliste "Elefand" registrieren. Mit den dort hinterlegten Daten kann eine Botschaft im Ernstfall Kontakt aufnehmen und gegebenenfalls Unterstützung anbieten. "Dies betrifft auch Reisende, die von den Sperrungen des Luftraums betroffen sind", so die Sprecherin des Auswärtigen Amts.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es am Sonntag, in der Liste habe sich bislang eine niedrige fünfstellige Zahl betroffener Deutscher in der Golfregion registriert - also mehr als 10.000 Menschen. Das können Urlauber sein oder im Ausland lebende Deutsche, die Registrierung ist freiwillig.

Aufrufe zur Vorsicht

Mehrere Botschaften der USA riefen ihre Staatsbürger am Sonntag zur Vorsicht auf. Die US-Botschaft im Oman rief Mitarbeiter und US-Bürger dazu auf, sich angesichts der aktuellen Lage in Sicherheit zu bringen. Die US-Botschaft in Manama forderte US-Bürger auf, Hotels in Bahrains Hauptstadt angesichts von Berichten über einen Angriff auf ein Hotel am Sonntag zu meiden. Die US-Botschaft in der jordanischen Hauptstadt Amman rief ihre Mitarbeiter auf, das Botschaftsgelände zu meiden, da es ins Visier genommen werden könne.

Das britische Außenministerium forderte Briten in Bahrain, Kuwait, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf, sich in Sicherheit zu bringen. Das Außenamt in London riet von allen nicht unbedingt notwendigen Reisen in die vier Länder ab.

Frankreich erklärte sich bereit, seine Staatsangehörigen aus dem Nahen Osten zu evakuieren - sobald die Lage es zulasse, sagte eine Regierungssprecherin. Auch Tschechien hat angekündigt, seine Bürger in Sicherheit zu bringen und schickt zwei Militärflugzeuge in den Nahen Osten. Die eine Maschine werde in den ägyptischen Küstenort Scharm el Scheich, die andere in die jordanische Hauptstadt Amman fliegen, sagte der tschechische Regierungschef Andrej Babis nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats in Prag. 

Auch Touristen in Israel sind betroffen

Rund 37.400 Touristen sitzen seit Beginn der Iran-Angriffe in Israel fest. Das israelische Tourismus-Ministerium teilte am Sonntag mit, es sei bereit, Touristen, die eine Ausreise wünschten, bei der Organisation eines Transports zu den Landesgrenzen nach Jordanien oder Ägypten zu unterstützen. Konkret gelte das für die Grenzübergänge Menachem Begin zum ägyptischen Taba, Jitzchak Rabin in Südisrael nach Jordanien, sowie um die Allenby-Brücke bei Jericho und die Scheich-Hussein-Brücke bei Bet Schean, die beide ebenfalls nach Jordanien führen.

fab/pgr (dpa, rtr, kna)

Redaktionsschluss: 17:30 Uhr (MEZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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