Iran-Krieg: US-Geleit für Schiffe in der Straße von Hormus?
6. März 2026
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf im Westen mit dem Golf von Oman im Osten - und ermöglicht den Zugang zum Arabischen Meer. Durch das Nadelöhr im Nahen Osten exportieren OPEC-Mitglieder wie Saudi-Arabien, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait und der Irak den größten Teil ihres Rohöls.
2024 passierten im Schnitt täglich etwa 20 Millionen Barrel Rohöl die Meerenge - fast 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Katar, einer der weltgrößten Exporteure von Flüssigerdgas (LNG), verschifft fast sein gesamtes LNG auf diesem Weg, insgesamt geht rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels durch die Meerenge.
Nach den US-Angriffen auf den Iran ist der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus so gut wie zum Erliegen gekommen. Die Regierung in Teheran hat angekündigt, auf jedes Schiff zu feuern, das die Meerenge passiert.
US-Präsident Trump hat im Gegenzug verkündet, die USA würden den ungehinderten Fluss von Energietransporten garantieren. Die US-Marine würde Tanker durch die Passage eskortieren.
Ist dies möglich? Die DW hat die wichtigsten Fragen und Antworten zum Transport von Öl- und Gastankern durch die Meerenge zusammengestellt.
Verkehren noch Schiffe in der Meerenge von Hormus?
Nach Informationen des Rohstoffanalysten Kpler ist der Schiffsverkehr unterbrochen. Während vor dem US-Angriff auf den Iran am 28. Februar zwischen 80 und 100 Tankern pro Tag die Meerenge passierten, beschränkt sich der Verkehr mittlerweile auf Schiffe mit lebenswichtigen Gütern wie Nahrungsmittel und Medikamente, für die Ausnahmen gelten.
"Der Zugang zu wichtigen Containerhäfen am Golf, darunter Jebel Ali, Khalifa Port, Dammam und Häfen in Katar, Bahrain und Kuwait, ist derzeit blockiert", heißt es in einem Post auf X vom 5. März vom Trackingdienst MarineTraffic. Die Schiffsdurchfahrten durch die Straße von Hormus seien um schätzungsweise 88 bis 100 Prozent zurückgegangen.
Laut MarineTraffic wurden bisher 53 Schiffe umgeleitet, während Hunderte vor der Meerenge ankerten oder außerhalb darauf warteten, einlaufen zu können. Außerdem schlössen viele große Reedereien, darunter Maersk, MSC Group, CMA CGM, Hapag-Lloyd, COSCO und Emirates SkyCargo keine Buchungen mehr ab.
Das weltweit größte Containerschifffahrtsunternehmen MSC gab am 3. März eine sogenannte "End of Voyage"-Erklärungfür Lieferungen mit Zielorten im Arabischen Golf aus. Dies bedeutet, dass Schiffe nicht mehr zum ursprünglich geplanten Zielort fahren, ihre Reise vorzeitig an einem sicheren Zwischenhafen beenden.
Können die USA eine sichere Durchfahrt garantieren?
Angesichts der wachsenden Sorge um Lieferengpässe erklärte US-Präsident Trump am 3. März in einem Post auf seinem Netzwerk Truth Social, die Vereinigten Staaten würden den "ungehinderten Energiefluss" garantieren. Die USA würden so bald wie möglich Tanker durch die Meerenge eskortieren.
Trump kündigte auch an, dass die US-Behörde U.S. International Development Finance Corporation (DFC) Risikoversicherungen für Containerschiffe zu überschaubaren Preisen anbieten werde, um die Reedereien zu entlasten.
Die Branche zeigt sich allerdings skeptisch. "Eskorten verringern die Bedrohungen für Schiffe", erklärte Jakob Larsen, Sicherheitsbeauftragter bei dem internationalen Reederei-Verband Bimco, in einem TV-Interview mit dem Sender NBC. Allerdings sei der Schutz für alle Tanker in der vom Iran bedrohten Region unrealistisch. "Maritime Sicherheit erfordert eine sehr große Anzahl an Kriegsschiffen und anderen militärischen Geräten", sagte er.
Gab es schon einmal US-Militäreskorten in der Straße von Hormus?
Ja. Während des Iran-Irak Krieges (1980 bis 1988) bat Kuweit 1987 die USA um Begleitschutz für den Öltankerverkehr. Im sogenannten Tanker-Krieg griffen beide Seiten Hunderte Tanker im Persischen Golf und der Straße von Hormus an. Die USA registrierten daraufhin kuwaitische Tanker unter ihrer Flagge.
61 Prozent der während des Tankerkriegs angegriffenen Schiffe waren Öltanker. Nach einer Analyse des Strausscenterfür internationale Sicherheit und Recht wurden 55 der 239 Öltanker (23 Prozent) vollständig versenkt oder für verloren erklärt.
Der Tankerkrieg führte zu einem Rückgang der Handelsschifffahrt um 25 Prozent, der Rohölpreis stieg allerdings nur vorübergehend an. Denn der Iran senkte den Ölpreis, um die höheren Versicherungsprämien für Lieferungen auszugleichen.
Sind die Kosten für die Versicherung von Schiffen gestiegen?
Der Iran-Krieg treibt die Kosten für Öltransporte enorm in die Höhe oder macht diese sogar zeitweise unmöglich. Nach Agenturberichten haben bereits mehrere große Schiffsversicherer angekündigt, den Versicherungsschutz für Kriegsrisiken in der Region zurückzuziehen oder auszusetzen.
Dazu gehören die Versicherer Gard, Skuld, NorthStandard, London P&I Clubb und American Club sowie der japanische Versicherungskonzern MS&AD Insurance. Die europäischen Container-Reedereien Maersk und Hapag-Lloyd haben Schiffsdurchfahrten in der Straße von Hormus bis auf Weiteres ausgesetzt.
Nach Angaben des Schifftrackingdienstes MarineTrafficwerden die Kriegsrisikoprämien für Transite durch den Golf derzeit "aggressiv neu" bewertet, wobei sich die Versicherungsprämien Berichten zufolge in bestimmten Fällen über Nacht verdoppelt haben".
Welche Länder sind von einer Blockade betroffen?
Die effektive Sperrung der Straße von Hormus hat ungleiche Auswirkungen auf die Länder am Persischen Golf. Während Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Iran über teilweise Ausweichmöglichkeiten verfügen, ist dies bei Irak, Kuwait, Katar und Bahrain nicht der Fall.
Laut Analyse-Unternehmen Kplerkann die saudische Aramco bis zu 5,1 Mio. Barrel pro Tag über Yanbu am Roten Meer exportieren (mit einer Gesamtkapazität von 7 Mio. Barrel pro Tag), und ADNOC kann 1,5 bis 1,8 Mio. Barrel pro Tag aus Fujairah verschiffen.
Der Iran kann für den Export auch den Hafen von Jask nutzen. Dieser liegt im Golf von Oman mit direktem Zugang zum Arabischen Meer - Tanker müssten somit nicht die Straße von Hormus passieren. Im Gegensatz dazu verfügen Irak, Kuwait, Katar und Bahrain über keine Umleitungskapazitäten.
Korrekturhinweis: Wir haben eine geografische Ungenauigkeit im ersten Satz korrigiert und die Straße von Hormus nun korrekt lokalisiert.