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KonflikteNahost

Iran: Chamenei-Nachfolger ruft zu Rache für Kriegsopfer auf

Veröffentlicht 12. März 2026Zuletzt aktualisiert 12. März 2026

Teherans neuer oberster Führer fordert Entschädigungen, droht mit weiteren Angriffen und verlangt die Schließung von US-Stützpunkten. US-Geheimdienste sehen das iranische Regime trotz der Angriffe bislang stabil.

Iran Teheran 2026 | Offizielles Porträt von Modschtaba Chamenei (09.03.2026)
Irans neuer oberster Führer Modschtaba ChameneiBild: Sha Dati/Xinhua/IMAGO

Irans neuer Religionsführer und Staatsoberhaupt Modschtaba Chamenei hat in einer ersten Stellungnahme Vergeltung für die Opfer des Krieges gegen die USA und Israel gefordert. Der 56-jährige Kleriker betonte insbesondere die Notwendigkeit von Rache für Schülerinnen, die bei einem Luftangriff getötet worden seien. Seine Erklärung wurde von einer Journalistin im Staatsfernsehen verlesen.

"Besonders empfindlich sind wir gegenüber dem Blut unserer Kinder", heißt es in der Botschaft. Nach iranischen Angaben waren am ersten Kriegstag Ende Februar bei einem Angriff auf die Stadt Minab im Süden des Landes rund 170 Schülerinnen ums Leben gekommen. Recherchen von US-Medien zufolge sollen US-Streitkräfte für den Angriff verantwortlich sein.

Banner des neuen Obersten Führers Modschtaba Chamenei mit seinem verstorbenen Vorgängern - ein Regimewechsel im Iran ist aktuell nicht zu erkennenBild: Majid Asgaripour/WANA/REUTERS

Chamenei rief zugleich zu nationalem Zusammenhalt auf und betonte das Recht auf Verteidigung. "Auch muss weiterhin der Hebel der Blockierung der Straße von Hormus genutzt werden", zitierte das Transkript den Geistlichen. Zudem kündigte er an, vom "Feind" Entschädigungen zu verlangen. Sollte dies verweigert werden, werde iranischen Angaben zufolge Eigentum beschlagnahmt oder zerstört.

Chamenei ruft Nachbarn zur Schließung von US-Basen auf

Die Golfstaaten in der Region forderte Chamenei auf, US-Militärstützpunkte zu schließen. Zwar sprach er von "warmen und konstruktiven Beziehungen" zu den arabischen Nachbarn, kritisierte jedoch, dass deren Territorium für Angriffe auf den Iran genutzt werde. Die iranischen Streitkräfte hätten dort ausschließlich US-Ziele angegriffen. "Wenn es nötig ist, werden wir dies weiterhin tun", sagte Chamenei und forderte die Staaten der Region auf, ihre Haltung gegenüber den USA zu klären.

Seit seiner Ernennung zum obersten Führer des Iran am Sonntag ist Chamenei nicht öffentlich aufgetreten. Der Sohn des am 28. Februar getöteten Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei hatte die Öffentlichkeit bereits zuvor weitgehend gemieden.

Modschtaba Chamenei und seine zwei Vorgänger auf einem Plakat bei einer Solidaritätskundgebung in Bagdad im IrakBild: Hadi Mizban/AP Photo/dpa/picture alliance

Er überlebte die Bombardierungen zu Beginn des Krieges im Zentrum der Millionenmetropole Teheran, verlor dabei jedoch seine Mutter und einen Schwager. Entgegen früherer Berichte ist seine Ehefrau wohl doch nicht getötet worden. Das iranische Staatsfernsehen bezeichnete ihn als "Kriegsversehrten", nannte jedoch keine weiteren Details.

US-Geheimdienste: Irans Führung trotz Angriffen stabil

Mit der Ernennung des neuen obersten Führers im Iran kann das Mullah-Regime seine Herrschaft weiterhin sichern. Fast zwei Wochen nach Beginn der Luftangriffe der USA und Israels auf den Iran sehen US-Geheimdienste bislang auch keine unmittelbaren Anzeichen für einen Zusammenbruch der Führung in Teheran. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Nach Angaben mehrerer mit den Einschätzungen vertrauter Personen kommen US-Geheimdienste in einer "Vielzahl" von Berichten übereinstimmend zu dem Schluss, dass das iranische Regime trotz der militärischen Angriffe weiterhin stabil sei und die Kontrolle über die Bevölkerung behalte, sagte eine der Quellen. Der jüngste Bericht sei vor wenigen Tagen fertiggestellt worden, heißt es weiter.

Die Quellen betonten jedoch, dass sich die Lage vor Ort schnell ändern könne. Das Büro des US-Geheimdienstkoordinators und der Auslandsgeheimdienst CIA wollten sich nicht äußern, meldet Reuters. Das Weiße Haus reagierte bislang nicht auf eine Anfrage.

Neben dem ehemaligen Führer Ali Chamenei seien Dutzende hochrangige Beamte und Kommandeure der Revolutionsgarden getötet worden, heißt es in den Geheimdienstberichten. Diese Elitetruppe kontrolliert große Teile der iranischen Wirtschaft. Dennoch hätten die Revolutionsgarden und die neue Führung nach Chameneis Tod weiterhin die Kontrolle über das Land.

Widersprüchliche Aussagen von Donald Trump

US-Präsident Donald Trump hatte zu Beginn des Krieges die Iraner aufgerufen, ihre Regierung zu übernehmen. Seine Berater dementierten später jedoch, dass ein Regimewechsel das Ziel des Militäreinsatzes sei.

Eine weitere Quelle sagte, es sei unklar, wie der Einsatz ohne eine Bodenoffensive zu einem Sturz der Regierung führen solle. Die Trump-Regierung schließe die Entsendung von US-Truppen in den Iran nicht aus, hieß es.

US-Präsident Donald Trump äußert sich widersprüchlich: Ist der Krieg bald vorbei oder gibt es weitere Angriffe?Bild: Brian Snyder/REUTERS

Der US-Präsident stellte zugleich ein baldiges Ende der Kampfhandlungen in Aussicht. Es gebe "praktisch nichts mehr, was man angreifen könnte", sagte er dem US-Portal Axios. Der Iran sei "ziemlich am Ende". Dies bedeute jedoch nicht, dass die USA den Krieg "sofort beenden werden".

Trump warnte, die US-Armee könne ihre Angriffe auf "Teile von Teheran und andere Orte" ausweiten. Zugleich fügte er aber hinzu: "Das wollen wir nicht."

Das israelische Militär erklärte hingegen, es verfüge weiterhin über eine umfangreiche Liste potenzieller Ziele im Iran.

Iran greift Tanker und Energieanlagen an

Währenddessen versucht der Iran offenbar, den wirtschaftlichen Druck auf seine Gegner zu erhöhen. Iranische Angriffe richteten sich zuletzt entgegen Chameneis Aussage nicht nur gegen US-Einrichtungen. Der Iran griff verstärkt auch Energieinfrastruktur und Schiffe in der Golfregion an.

In Bahrain traf der Iran nach Angaben örtlicher Behörden ein Treibstofflager nahe dem internationalen Airports an. Unklar ist bislang, ob es sich bei den betroffenen Anlagen um die Kerosindepots des Flughafens am Rand der Hauptstadt Manama oder um eine andere Einrichtung handelt.

Die Bewohner des Inselstaats im Persischen Golf wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu begeben. Menschen in den Vierteln in Flughafennähe solten zu Hause zu bleiben und die Fenster geschlossen zu halten, so Bahrains Innenministerium.

Vor der Küste des Irak wurde bei einem Angriff auf zwei Öltanker mindestens ein Besatzungsmitglied getötet, 37 weitere Menschen konnten gerettet werden. Die Hafenverwaltung stellte daraufhin den Betrieb der Ölterminals des Landes bis auf Weiteres ein.

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Auch ein unter thailändischer Flagge fahrender Frachter nahe der Straße von Hormus wurde von Raketen getroffen und geriet in Brand. Die "Mayuree Naree", die von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Indien unterwegs war, sei von zwei Geschossen oberhalb der Wasserlinie getroffen worden, wodurch am Heck und im Maschinenraum ein Feuer ausgelöst wurde, teilte die thailändische Marine mit.

Von den 23 thailändischen Besatzungsmitgliedern konnten 20 von der Marine Omans in Sicherheit gebracht werden. Drei Seeleute sind offenbar noch an Bord der "Mayuree Naree". Sie seien vermutlich im Maschinenraum eingeschlossen, so die der Reederei Precious Shipping.

Die für den weltweiten Energiehandel zentrale Straße von Hormus ist seit Kriegsbeginn faktisch blockiert, nachdem das iranische Militär die Kontrolle über die Meerenge übernommen hat. In der Folge stieg der Ölpreis auf den höchsten Stand seit Sommer 2022.

Millionen Menschen auf der Flucht

Seit Ausbruch des Krieges im Iran sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) bislang bis zu 3,2 Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. Nach der jüngsten Einschätzung der Organisation wurden zwischen 600.000 und einer Million Haushalte zeitweise vertrieben. Im Iran leben rund 90 Millionen Menschen.

Die meisten Betroffenen seien aus Teheran und anderen Großstädten im Norden des Landes geflohen und suchten nun Schutz in ländlichen Regionen, teilte das UNHCR mit. Sollte der Konflikt andauern, dürfte die Zahl der Binnenvertriebenen weiter steigen, warnte die Organisation.

Weiter Angriffe Israels auf die Hisbollah

Parallel geht auch der Konflikt zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Terrormiliz Hisbollah im Libanon weiter. Bei einem israelischen Angriff im Zentrum von Beirut wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens sieben Menschen getötet und 21 weitere verletzt.

Die israelische Armee meldet, zehn Ziele der Hisbollah angegriffen zu haben. Darunter seien "Dutzende Abschussvorrichtungen" sowie ein Hauptquartier des Nachrichtendienstes der Hisbollah.

Beschädigte Hochhäuser in Beirut nach nächtlichen israelischen LuftangriffenBild: AFP

Zuvor hatten die iranischen Revolutionsgarden gemeinsam mit der Hisbollah Angriffe auf mehr als 50 Ziele in Israel gemeldet - darunter Armeestützpunkte in Haifa, Tel Aviv und Beerscheba. Zudem griffen sie US-Militärbasen in Saudi-Arabien und Jordanien an.

G7-Staaten bereiten Geleitschutz für Schiffe vor

Angesichts der zunehmenden Bedrohung für den Welthandel beraten westliche Staaten über Schutzmaßnahmen für die Schifffahrt. Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten kamen am Mittwoch unter Leitung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu einer Videokonferenz zusammen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei Videokonferenz der G7-Staaten (am Mittwoch)Bild: Gonzalo Fuentes/REUTERS

Laut Macron will die Gruppe der sieben führenden demokratischen Industriestaaten einen Geleitschutz organisieren. Tanker und Frachter sollen demnach künftig von Kriegsschiffen durch die Straße von Hormus eskortiert werden.

Die Meerenge sei derzeit ein Kriegsschauplatz, sagte Macron. Eine solche Mission erfordere jedoch die Koordination mehrerer Marinen und umfangreiche Vorbereitungen.

pgr/AR/as (dpa, afp, rtr)

Redaktionsschluss 17.45 Uhr (MEZ) - Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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