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KonflikteLibanon

Der Iran-Krieg weitet sich auf den Libanon aus

2. März 2026

Die Hisbollah-Miliz im Libanon hatte in der Nacht mehrere Raketen auf Israel abgefeuert. Israels Armee reagierte mit heftigen Bombardements.

Rauch über Deir Seryan, Libanon, nach israelischem Luftangriff
Rauchsäule nach einem israelischen Angriff auf Deir Seryan im LibanonBild: Rabih Daher/AFP

Nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei weitet sich der Iran-Krieg immer weiter aus. In der Nacht feuerte die libanesische Hisbollah-Miliz Raketen auf Israel ab. Damit stellt sich die Miliz an die Seite Teherans.

Waffenlager der Hisbollah als Ziel 

Israel reagierte auf die Hisbollah-Angriffe mit Bombardements in südlichen Vororten der Hauptstadt Beirut und anderen Teilen des nördlichen Nachbarlandes. Am Morgen begann die Armee eine weitere Angriffswelle. Ziel seien unter anderem Waffenlager der Hisbollah. Nach vorläufigen Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums kamen mindestens 31 Menschen ums Leben, 149 seien verletzt worden.

Nur weg: Menschen, die vor israelischen Angriffen im Südlibanon fliehen, stehen im Stau an einer Autobahnverbindung nach BeirutBild: Mohammad Zaatari/AP Photo/picture alliance

Israels Armee griff nach eigenen Angaben ranghohe Mitglieder der Hisbollah-Miliz an. Ein weiteres Mitglied sei im Süden des Libanon getroffen worden. "Wir agieren nicht nur defensiv, sondern gehen nun auch in die Offensive. Wir müssen uns auf viele Tage langwieriger Kämpfe einstellen", sagte Armeechef Ejal Zamir am Morgen. 

Libanon verbietet Hisbollah militärische Aktivitäten

Inzwischen hat die libanesische Regierung die militärischen Aktivitäten der Hisbollah-Miliz für illegal erklärt. Das kündigte Ministerpräsident Nauaf Salam in einer Fernsehansprache an.

Das Kabinett habe in einer Notfallsitzung beschlossen, "sämtliche Sicherheits- und Militäraktivitäten der Hisbollah zu verbieten", sagte Salam. Damit verändert sich der Status der Gruppe von einer teilweise geduldeten Widerstandsbewegung zu einer verbotenen Organisation.

Israel und die Hisbollah führten bis Ende 2024 Krieg

Es ist das erste Mal seit Beginn einer Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel im November 2024, dass die Schiiten-Miliz Israel mit Raketen angegriffen hat. Sie begründete dies mit der Tötung Chameneis bei einem israelischen Luftangriff am Samstag in Teheran. Israels Armee fing nach eigenen Angaben ein Geschoss ab, andere gingen in offenem Gelände nieder.

Rauch über südlichen Vororten von Libanons Hauptstadt Beirut nach israelischen LuftangriffenBild: Mohamed Azakir/REUTERS

Israel und die Hisbollah führten bis Ende 2024 Krieg. Die Miliz ist zwar stark geschwächt, soll jedoch noch über große militärische Fähigkeiten verfügen. Die Hisbollah wird von vielen westlichen und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.

Iran greift erneut Israel an 

Der Iran feuerte nach Angaben des israelischen Militärs am Morgen erneut Raketen auf den jüdischen Staat ab. Die Verteidigungssysteme waren im Einsatz, erklärte die Armee, bevor sie Entwarnung gab. Israels Luftwaffe hatte in der Nacht nach eigenen Angaben eine neue Angriffswelle gegen Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran begonnen. Israel greift den Iran seit Samstag mit den verbündeten USA an.

Golfstaaten verurteilen Irans Gegenangriffe

Teheran reagiert auf die israelisch-amerikanischen Angriffe mit Gegenangriffen nicht nur auf Israel, sondern auch auf Golfstaaten, in denen die USA Militärstützpunkte unterhalten. Die Staaten in der Region des Persischen Golfs verurteilten Irans "ungerechtfertigte" Angriffe auf ihre Territorien. Man werde "alle nötigen Maßnahmen" ergreifen, Sicherheit und Stabilität zu gewähren sowie alle Bürger zu schützen, "einschließlich der Option, auf die Aggression zu antworten", erklärten die Außenminister des Golfkooperationsrats (GCC).

Bislang haben die Staaten Saudi-Arabien, Katar, Oman, Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die Angriffe des Irans nur abgewehrt, aber nicht zurückgeschlagen. Die USA und eine Gruppe arabischer Staaten verurteilten Irans Gegenangriffe in einer gemeinsamen Erklärung. Diese stellten eine gefährliche Eskalation dar, die die Souveränität mehrerer Staaten verletze und die regionale Stabilität gefährde, erklärte das US-Außenministerium. 

Angriffe auch im Irak

Eine mit dem Iran verbündete Miliz im Irak griff nach eigenen Angaben einen Stützpunkt der US-Truppen in der Hauptstadt Bagdad an. Sie habe heute am frühen Morgen den US-Stützpunkt nahe dem Flughafen mit einer Drohne attackiert, teilte Saraja Aulija al-Dam mit. Auch sie sprach von "Vergeltung" für Chameneis Tod und "Unterstützung" für den Iran. Eine Bestätigung von offizieller irakischer Seite oder vom US-Militär gab es zunächst nicht. 

Deutschland, Frankreich und Großbritannien forderten den Iran auf, die Angriffe zu stoppen und behalten sich militärische Abwehrmaßnahmen vor. Die Angriffe seien "wahllos und unverhältnismäßig", hieß es in einer in Berlin verbreiteten gemeinsamen Erklärung von Kanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premier Keir Starmer

Drohne trifft britische Militär-Basis auf Zypern 

Der britische Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern wurde in der Nacht von einer mutmaßlichen Drohne getroffen. Das bestätigte das Verteidigungsministerium in London laut Nachrichtenagentur PA. Niemand sei verletzt worden. Wer die Drohne abgefeuert hatte, war zunächst nicht bekannt. Ein Treffen der EU-Europaminister auf Zypern wurde aufgrund des Vorfalls verschoben. Kurze Zeit später gab es erneut Alarm. Zwei unbemannte Fluggeräte, die sich in Richtung der britischen Stützpunkte bewegt hätten, seien rechtzeitig abgewehrt worden, teilte der zyprische Regierungssprecher Konstantinos Letybiotis mit. 

Der Eingang der britischen Luftwaffenbasis RAF Akrotiri auf ZypernBild: Yiannis Kourtoglou/REUTERS

Im Golfstaat Kuwait sind nach dortigen offiziellen Angaben mehrere US-Militärflugzeuge abgestürzt. Die Besatzungen hätten überlebt, teilte ein Sprecher des kuwaitischen Verteidigungsministeriums mit. Zu den Absturzursachen und der Art der US-Flugzeuge machte der Sprecher keine Angaben. Auch das US-Militär äußerte sich zunächst nicht. 

USA und Israel greifen weiter an

Derweil greifen die USA und Israel den Iran weiter an. Dabei werden vor allem Mitglieder der Staats- und Militärführung ins Visier genommen. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte am Sonntagabend die Namen von sieben getöteten Generälen. Darunter sind Mohammed Schirasi, der Stabschef des getöteten Chamenei und dessen Stellvertreter Akbar Ebrahimzadeh. 

Explosionen in Irans Hauptstadt Teheran nach US-israelischem MilitärangriffBild: Akasbashi/SIPA/picture alliance

"Die Kampfhandlungen werden derzeit mit voller Kraft fortgesetzt und werden so lange andauern, bis alle unsere Ziele erfüllt sind", sagte US-Präsident Trump. Der Iran sieht seine Fähigkeiten, Krieg zu führen, durch die amerikanisch-israelischen Bombardierungen nicht eingeschränkt. Dezentralisierte Verteidigungsstrukturen ermöglichten seinem Land, den Krieg nach Belieben in die Länge zu ziehen, schrieb Irans Außenminister Abbas Araghtschi auf X.

pg/pgr/fab (dpa, afp, rtr)

Redaktionsschluss: 17:30 Uhr (MEZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

Hinweis: In einer früheren Version haben wir die Hisbollah dem Libanon gleichgestellt. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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