Iran-Krieg: Wer könnte nun vermitteln?
24. März 2026
US-Präsident Donald Trump ist für jede Überraschung gut. Am Montag (23.3.26) sagte er, seine Regierung habe "sehr gute und produktive Gespräche" mit dem Iran über die Beendigung des andauernden Krieges geführt und stellte seine früheren Drohungen einer Gewalteskalation zurück.
Schnell kamen Dementi aus Teheran. Dann legte Trump eins nach: Seine Regierung habe bereits Gespräche mit einer "Spitzenpersönlichkeit" im Iran geführt, beide Seiten hätten "wichtige Einigungspunkte" erreicht.
Trump lehnte es jedoch ab, den iranischen Unterhändler namentlich zu nennen, da er nicht wolle, dass dieser im Iran vor Gericht gestellt oder getötet werde. Wie kam es zu dieser politischen Kehrtwende? Tage zuvor hatte Trumps noch mit einem Ultimatum gedroht, iranische Energieinfrastruktur zu zerstören.
Welche Karten spielt Washington?
Wollen die USA etwas Zeit für eine Atempause gewinnen? Davon gehen einige Experten aus, da der Krieg gegen den Iran länger dauert als von den USA und Israel erwartet. Vielleicht sehen die USA im Iran jetzt eine Chance für einige moderate und pragmatische Politiker, die zu Zugeständnissen gegenüber Israel und den USA bereit sind. In den ersten drei Wochen waren bereits fast alle Spitzenpolitiker im Iran durch Luftangriffe getötet worden.
Einige Länder in der Region engagieren sich für eine Deeskalation des Krieges, sagen Experten und Analysten im DW-Interview. Zu diesen Vermittlern sollen zum Beispiel Ägypten, die Türkei und Pakistan gehören.
So soll die Türkei versucht haben, "eine einheitliche Front für Verhandlung zu bilden, um dem israelischen Einfluss entgegenzuwirken. Dazu sollen europäische Länder, die Golfstaaten und andere regionale Akteure gehören", berichtet die in Großbritannien ansässige Nachrichtenseite "Middle East Eye" und beruft sich dabei auf ein Zitat aus einer türkische Quelle.
Das türkische Außenministerium will sich nicht dazu zu äußern, ob das Land am Wochenende Botschaften zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten übermittelt hat. Das ägyptische Außenministerium erklärte, es unternehme "ständige Bemühungen" und "kommuniziere mit allen Parteien".
Pakistan als Vermittler
Ein hochrangiger pakistanischer Beamter, der mit der Angelegenheit vertraut ist, sagt der DW unter der Bedingung der Anonymität, dass "Islamabad seit Kriegsbeginn aktiv mit beiden Seiten in Kontakt steht".
"Pakistans Armeechef und Feldmarschall Asim Munir sowie Premierminister Shehbaz Sharif stehen in Kontakt mit hochrangigen amerikanischen und iranischen Beamten, um zu vermitteln und dabei zu helfen, den Krieg zu beenden", sagt er der DW. "Islamabad könnte in dieser Hinsicht ein potenzieller Ort für hochrangige Gespräche zwischen den USA und dem Iran sein." Auch der pakistanische Außenminister Ishaq Dar soll direkte Kontakte mit dem Iran haben.
Der renommierte Südasien-Experte Michael Kugelman in Washington sagt der DW, dass Pakistan enge Beziehungen sowohl zu den USA als auch zum Iran habe. Das sei ein Status, den nur wenige Länder genießen. "Pakistan nutzt diese Kontakte mit beiden Hauptstädten, um zu versuchen, die Konfliktparteien vor dem Abgrund zu retten."
"Es ist unklar, wie weit Pakistan diese Bemühungen vorantreiben kann, insbesondere was die Ausrichtung von Verhandlungsgesprächen auf seinem Staatsgebiet angeht, da Pakistan derzeit in einem eigenen Konflikt mit Afghanistan verwickelt ist und mit ernsthaften Sicherheitsrisiken zu kämpfen hat", sagt Kugelman, "aber seine Vermittlungsbemühungen haben Substanz, und dies hat Pakistans Status als zunehmend einflussreicher externer Akteur im Nahen Osten gefestigt."
Wer im Iran hat Kontakte zur Außenwelt?
Der pakistanische Beamte, mit dem die DW sprach, nannte den iranischen Außenminister Abbas Araghchi und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf als mögliche Gesprächspartner für einen Dialog mit der US-Regierung.
Der iranische Parlamentspräsident Ghalibaf gilt nach der Ermordung von Ali Laridschani, Chef des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, als De-facto-Führer in dem gegenwärtigen Krieg. Der neue Revolutionsführer, Modschtaba Chamenei, ist nach seiner Wahl noch nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Es gibt Meldungen, dass Chamenei möglicherweise bei US-Luftangriffen verletzt worden sein soll.
Ghalibaf hatte sich dreimal erfolglos um das Präsidentenamt beworben. Unter Berufung auf zwei US-Beamte berichtete das US-Nachrichtenportal Politico, "der 64-Jährige könnte den Iran führen und in der nächsten Phase des Krieges mit der Trump-Regierung verhandeln".
Ghalibaf selbst bestreitet jeglichen Kontakt zu den USA. Er gilt wie Präsident Massud Peseschkian und Ex-Präsident Hassan Rohani als moderat innerhalb des iranischen Regimes, die an einer Verhandlung zwischen dem Iran und den USA interessiert sein könnten.
Will Iran Gespräche suchen?
Die wochenlangen Angriffe haben das iranische Regime zwar erheblich geschwächt, der von den USA erhoffte Kollaps bliebt aber bislang aus. "Zu Beginn war die Einschätzung gewesen, dass es zwei Iran gebe", sagt Ali K. Chishti, ein in Riad ansässiger Sicherheitsanalyst, gegenüber der DW. "Technisch gesehen gibt es einen politischen Iran und einen religiösen um die Islamische Revolutionsgarde (IRGC). Zum Beispiel gibt es unterschiedliche Meinungen über die Angriffe und deren Intensität auf die Golfstaaten. Aber nun scheint es, als würden beide Mächte mit einer Stimme sprechen."
Chishti ist der Ansicht, dass die iranische Regierung die Existenz eines Kommunikationskanal mit den USA aufgrund von innenpolitischem Druck verneint. Sie aber bereit, die von Pakistan und anderen Ländern moderierten Vermittlungsbemühungen fortzusetzen.
"Teheran braucht eine Garantie, dass die Angriffe der USA und Israels aufhören. Außerdem wollen sie die Zusicherung, dass ihre Raketenwerfer nicht ins Visier genommen werden und dass sie die Kontrolle über die Straße von Hormus behalten. Die Amerikaner wollen unter anderem, dass die präsidentielle Macht im Iran bei staatlichen Angelegenheiten stärker wird."
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan