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Iran: Nach langer Internetsperre noch keine Freiheit im Netz

28. Mai 2026

Nach einer 88-tägigen landesweiten Internetabschaltung ist das Internet im Iran wieder teilweise erreichbar. Viele Dienste funktionieren eingeschränkt. Die Kommunikation mit der Außenwelt bleibt schwierig.

Iran Teheran 2026 | Anhaltende Internetbeschränkungen nach Protesten in Iran
Die Nutzung des Internets ist weiterhin stark eingeschränktBild: Fatemeh Bahrami/Anadolu Agency/IMAGO

Nach 88 Tagen ist das Internet im Iran wieder teilweise erreichbar. Live-Daten der auf Internetsperren spezialisierten Organisation NetBlocks sowie des IT-Unternehmens Cloudflare zeigen einen deutlichen Anstieg des Webtraffics im Vergleich zu den vergangenen Wochen.

"Der Webtraffic ist immer noch geringer als vor dem Januar. Damals lag er bei rund 50 Prozent", sagt der Cybersicherheitsexperte Amir Rashidi im Gespräch mit der DW. Rashidi ist Direktor der Miaan Group, einer Organisation, die sich für Menschenrechte, digitale Freiheit und soziale Gerechtigkeit im Iran sowie in der MENA-Region einsetzt.

Er weist darauf hin, dass das Internet im Iran schon seit den landesweiten Protesten im Januar massiv gestört ist. Während der Proteste wurde das Internet stark gedrosselt, um die Kommunikation der Menschen untereinander sowie mit dem Ausland zu unterbrechen.

Nach den US-israelischen Angriffen auf den Iran am 28. Februar kam es schließlich zur längsten landesweiten Internetabschaltung in der jüngeren Geschichte. Die Behörden führen dafür Sicherheitsgründe an. Kritiker verweisen jedoch darauf, dass diese Methode seit Jahren genutzt wird, um Informationszugang und Kommunikation zu kontrollieren.

Irans Präsident Massud Peseschkian hatte nach iranischen Angaben die Freischaltung des internationalen Internets angeordnetBild: Iranian Presidency/Anadolu Agency/IMAGO

"Das Ziel scheint nun zu sein, dass das Internet zwar grundsätzlich funktioniert, der Datenverkehr jedoch gezielt manipuliert wird", sagt Rashidi. "Die Verbindung soll bestehen bleiben, aber eine normale und uneingeschränkte Nutzung wird erschwert, sodass kaum Daten das Land verlassen oder Informationen über Krieg und Proteste frei verbreitet werden können."

"Das Internet-Pro wird weiterverfolgt"

Am Montag hatte Präsident Massud Peseschkian  iranischen Angaben zufolge die Freischaltung des internationalen Internets angeordnet. Zuvor wurde ein Krisenstab unter Leitung seines ersten Vizepräsidenten Mohammad Reza Aref eingerichtet, um die "Vielstimmigkeit" und parallelen Zuständigkeiten in der iranischen Internetpolitik zu reduzieren.

Im Iran sind mehrere Behörden – darunter der Nationale Sicherheitsrat und der Oberste Rat für Cyberspace – in Entscheidungen zur digitalen Kontrolle eingebunden.

Der Nationale Sicherheitsrat hatte während der Internetblockade zum Beispiel einen Plan genehmigt, der bestimmten Gruppen gegen Bezahlung Zugang zum sogenannten "Internet Pro" ermöglichen soll. Dieses Angebot richtet sich unter anderem an Mitglieder der Handelskammer, Start-ups, Technologieunternehmen und Händler.

"Die Politik des "Pro-Internets" wird offenbar weiterverfolgt", sagt der Cybersicherheitsexperte Amir Rashidi. "Wir wissen, dass bestimmte Gruppen weiterhin Werbe- und Informationsnachrichten zum Kauf entsprechender Pakete erhalten."

Die Internetsperre hatte neben gesellschaftlichen auch erhebliche wirtschaftliche Folgen, insbesondere für kleine Unternehmen, darunter zahlreiche von Frauen geführte Online-Geschäftsmodelle, die durch die Sperre zerstört wurden.

Viele Frauen nutzen das Internet, um ihre Produkte in Onlineshops anzubietenBild: Ahmad Halabisaz/Xinhua News Agency/picture alliance

"Zahlreiche Frauen aus kleinen Städten und Dörfern boten über das Internet Produkte wie getrocknete Früchte, handgefertigte Kleidung oder Lebensmittel an", sagte Solmaz Eikder letzte Woche im Gespräch mit der DW. Sie arbeitet für die Plattform- und Forschungsinitiative "Filterban", die sich mit Internetzensur, digitaler Repression und Überwachung im Iran beschäftigt. "Dieses Einkommen war für viele Familien existenziell – doch diese Möglichkeit ist ihnen nun genommen worden."

Überwachung der Kommunikation 

Millionen Menschen sind weiterhin von der digitalen Wirtschaft und Kommunikation abgeschnitten. Apps wie WhatsApp, die eine wichtige Rolle für die Kommunikation innerhalb des Landes und mit dem Ausland spielen, funktionieren weiterhin nicht, bestätigen mehrere Quellen gegenüber der DW. "Auch nicht mit VPN-Verbindungen". 

VPN-Software erstellt eine verschlüsselte Verbindung zwischen einem Gerät und einem Server im Ausland, der Zugang zum offenen Internet ermöglicht.

Die einzige verbleibende Möglichkeit zur Kommunikation ist - teilweise - das Festnetz. Vor dem Verbindungsaufbau wird eine automatische Ansage abgespielt, die einen Code mitteilt. Erst nach Eingabe dieses Codes wird die Verbindung hergestellt. Es besteht der Verdacht, dass Gespräche dabei mitgehört werden.

Tools gegen Zensur

02:25

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Irans Internet unterliegt auch in Friedenszeiten strenger Zensur. Viele Webseiten und Apps sind gesperrt. Um soziale Medien wie Instagram, TikTok und YouTube zu nutzen, gehören teure lokale VPN-Dienste für einen Großteil der Nutzer zum Alltag.

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