1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
GesellschaftAsien

Iran ist offline: Protestwelle erreicht neues Level

9. Januar 2026

Das Internet im Iran ist erneut fast vollständig abgeschaltet. Gleichzeitig gehen die Menschen aber wieder landesweit auf die Straße. Die nächsten Tage könnten entscheidend für den weiteren Verlauf im Land sein.

Iran Kermanschah 2026 | Proteste gegen die Regierung und die schlechte Wirtschaftslage im Land
Seit Ende Dezember gibt es eine neue Protestwelle im IranBild: Kamran/Middle East Images/picture alliance


Auf die Massenproteste reagiert das Regime in Teheran nun mit der Blockade von elektronischen Kommunikationswegen. Der Iran ist seit Donnerstagabend weitgehend offline. SMS und die Übermittlung mobiler Daten funktionieren nicht, auch die Mobilfunknetze sind stark eingeschränkt. "Die Störungen aller Kommunikationswege, insbesondere des Starlink-Netzwerks, sind massiv", bestätigte Amir Rashidi, Director of Digital Rights and Security bei der Miaan Group, auf Nachfrage der DW.

Die Behörden könnten das Internet noch lange abgeschaltet halten. "Für das Regime geht es ums Überleben", sagte der Cybersecurity- und Digitalrechte-Experte.

Videos aus den ersten Stunden der Proteste zeigen, dass landesweit zahlreiche Menschen auf die Straße gingen. "Wir wollen nur spazieren gehen", schrieben viele zuvor noch in privaten Nachrichten oder posteten diese auf Social Media.

Der Aufruf, sich am Donnerstag- und Freitagabend jeweils um 20 Uhr Ortszeit zu versammeln und entweder auf der Straße oder von den Balkonen aus Parolen gegen das Regime zu skandieren, war dann die erste koordinierte Protestaktion seit mehreren Tagen.

Initiiert wurde die Aktion von Prinz Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten Schahs, der seit 1979 im Exil in den USA lebt. "Je nach eurer Reaktion werde ich die nächsten Aktionsaufrufe bekannt geben", versprach der 65-Jährige in einem Video, das auf Instagram mehr als 80 Millionen Mal aufgerufen wurde.

Iran-Proteste: Ruf nach Wiederkehr der Monarchie

03:37

This browser does not support the video element.

Ob die Protestierenden aber die Monarchie tatsächlich zurückhaben wollen, ist unklar. Sie war 1979 im Zuge der Revolution abgeschafft worden. Das Durchschnittsalter der iranischen Bevölkerung liegt derzeit bei rund 33–34 Jahren, sodass immer weniger Menschen das Leben unter der Monarchie bewusst erlebt haben. Prinz Reza Pahlavi nutzt derzeit das Führungsvakuum unter den Oppositionsgruppen.

Widerstandsstrukturen im Land selbst können sich kaum etablieren. Repressives Vorgehen, gezielte Angriffe und die Dämonisierung jeder Opposition gehören seit 1979 zum Alltag der Machthaber. Damals übernahm der religiöse Flügel um Ayatollah Chomeini die Kontrolle und unterdrückt seither jede Opposition systematisch. Landesweite Massenproteste wurden in den letzten 25 Jahren immer wieder brutal niedergeschlagen. 

In dieser Situation appelliert die Anwältin Marzieh Mohebi an die die Weltgemeinschaft. "Sie darf die Protestierenden im Iran nicht allein lassen", schreibt sie auf Anfrage der DW. Während der Protestwelle im Jahr 2022 mit dem Slogan "Frau, Leben, Freiheit" war die Juristin selbst ins Visier der Sicherheitskräfte geraten und musste das Land verlassen. Seit zwei Jahren lebt sie im französischen Exil.

"In meiner Heimatstadt Mashhad erlebten die Menschen gestern Abend in allen Stadtteilen einen überwältigenden Andrang", so Mohebi. "Die Proteste nahmen eine neue Form an: beteiligt waren nicht nur Jugendliche, sondern auch viele Familien. Solange das Internet noch verfügbar war, gab es Berichte über Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften."

Mittlerweile sind aber alle elektronischen Kommunikationswege blockiert. "Die Abschottung könnte darauf abzielen, eine Militärregierung durchzusetzen und ein Massaker im großen Umfang zu verüben", fürchtet Mohebi und fügt hinzu: "Das iranische Volk ist hilflos. Seine Stimme wurden zum Schweigen gebracht. Es gibt keine Möglichkeit zu kommunizieren." 

Irans oberster Führer, Ayatollah Ali Chamenei, verurteilte die landesweiten Proteste scharf. Am Freitag sprach er von "Unruhestiftern" und Menschen, die dem Land schadeten: "Es gibt auch Leute, deren Arbeit Zerstörung ist", sagte Chamenei. Sie richteten Zerstörung an, "nur damit sich der Präsident der Vereinigten Staaten freut", fügte er hinzu und bezog sich damit auf Donald Trump.

Irans oberster Führer Ali Chamenei verurteilt die Proteste und zeigt sich erneut unversöhnlichBild: IRANIAN LEADER PRESS OFFICE/Anadolu/picture alliance

US-Präsident Trump hat unterdessen die Staatsführung in Teheran erneut gewarnt. "Ich habe ihr mitgeteilt, dass wir sie hart bestrafen werden, falls sie anfängt, Menschen zu töten, was sie während der Unruhen, die ja häufig vorkommen, gerne tut", sagte er in einer am Donnerstag veröffentlichten Folge des Podcasts "The Hugh Hewitt Show". Die US-Regierung verfolge die Situation aufmerksam. Er lobte zugleich die Iraner als "mutige Menschen".

Trump bezeichnete gleichzeitig Prinz Reza Pahlavi als "netten Menschen", fügte jedoch hinzu, dass es für ihn als Präsident unangemessen wäre, sich mit ihm zu treffen: "Ich denke, wir sollten sehen, wer sich durchsetzt. Ich bin mir nicht sicher, ob ein Treffen mit ihm angebracht wäre."

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen