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KonflikteIran

Iran: Aktivisten melden bislang 29 Tote und 1200 Festnahmen

Veröffentlicht 6. Januar 2026Zuletzt aktualisiert 6. Januar 2026

UN-Generalsekretär Guterres ruft die autoritäre Führung im Iran auf, das Recht auf "friedlichen Protest" zu respektieren. Die Justiz kündigt ein noch härteres Durchgreifen an - ungeachtet der Opferzahlen im Land.

Iran Maschhad | Protestierende knien auf der Straße, vor ihnen zahlreiche Sicherheitskräfte auf Motorrädern
Friedlicher Protest in Maschhad im Nordosten des Irans: Sie fordern Freiheit und Reformen (am Montag) Bild: UGC

Bei den seit mehr als einer Woche anhaltenden Protesten im Iran sind nach Angaben von Menschenrechtlern inzwischen mindestens 29 Menschen getötet worden. Im Zuge der Demonstrationen in zahlreichen Städten gegen die autoritäre Staatsführung seien zudem mehr als 1200 Menschen festgenommen worden, berichtet das in den USA ansässige Menschenrechtsnetzwerk HRANA (Human Rights Activists News Agency) weiter. Unter den Toten sollen auch zwei Angehörige der Sicherheitskräfte sein.

Proteste in 88 Städten

Den Aktivisten zufolge gab es in den vergangenen Tagen in mindestens 88 Städten Protestkundgebungen. Sie wurden landesweit aus 27 der 31 Provinzen gemeldet. Polizei und andere Sicherheitskräfte gingen in den vergangenen Tagen immer wieder mit Gewalt gegen Demonstrantinnen und Demonstranten vor. Iraner meldeten zudem in sozialen Medien massive Störungen des Internets.  

Laut HRANA schlossen sich Studierende an mindestens 17 Universitäten den Protesten an. An der Hochschule in Birdschand, der Hauptstadt der Provinz Süd-Chorasan, gab es am Montagabend gewaltsame Festnahmen auf dem Campus, wie die Hochschulzeitung Amir-Kabir schreibt. 

Tränengas gegen Demonstranten in Teheran 

Bei spontanen Protesten am Großen Basar in der Hauptstadt Teheran an diesem Dienstag gingen Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen die Menschen vor. Die Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegen und HRNA veröffentlichten Aufnahmen, auf denen Dutzende von Demonstranten die Worte "Freiheit" und "Schamlos" skandierten. 

Die Protestwelle war vor zehn Tagen aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und hohen Lebenshaltungskosten im Iran ausgebrochen. Wütende Händler gingen auf die Straße, da sie wegen der Hyperinflation ihre Preise nicht mehr kalkulieren können.

Landeswährung Rial im Fall 

Die Landeswährung Rial verliert weiter stark an Wert. Ein Euro kostete auf dem freien Devisenmarkt erstmals mehr als 1,7 Millionen Rial, wie iranische Finanzportale melden. 

Exil-Iraner hoffen auf Regimewechsel im eigenen Land

03:20

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Bei den Kundgebungen wurden rasch auch politische Forderungen laut. So wurde nach Angaben des Nationalen Widerstandsrats Iran (NWRI), der seinen Hauptsitz in Paris hat, in vielen Städten zum Sturz des Mullah-Regimes aufgerufen.

Justiz will noch härter durchgreifen

Am Montag kündigte die Justiz der Islamischen Republik an, künftig ohne Nachsicht gegen die Protestierenden vorzugehen. Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi erklärte laut dem Portal Misan, die "Randalierer" sollten wissen, dass von einem Entgegenkommen keine Rede mehr sein werde.

"Ich weise den Generalstaatsanwalt sowie die Staatsanwälte im ganzen Land an, gemäß dem Gesetz und mit Entschlossenheit gegen die Ausschreitungen und gegen jene 'Elemente' vorzugehen, die den 'Randalierern' Ausrüstung und Mittel zur Verfügung stellen, und keinerlei Nachsicht oder Entgegenkommen ihnen gegenüber walten zu lassen", zitiert ihn das Justizportal Misan weiter.

UN-Generalsekretär António Guterres: Weitere Opfer müssen vermieden werden (Archivbild) Bild: Ibraheem Abu Mustafa/REUTERS

UN: Recht auf freie Meinungsäußerung und friedliche Versammlung 

Angesichts der Ankündigung appellierte UN-Generalsekretär António Guterres an die Führung in Teheran, das Recht auf "friedlichen Protest" zu respektieren. Guterres habe die Notwendigkeit unterstrichen, "jegliche weitere Opfer zu vermeiden", erklärte sein Sprecher Stéphane Dujarric in New York.

Der UN-Generalsekretär fordere die iranischen Behörden zudem dazu auf, das Recht der Menschen "auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungsfreiheit und friedliche Versammlung zu wahren". Es müsse "allen Menschen erlaubt sein, friedlich zu protestieren und ihre Beschwerden zu äußern".

se/pgr (dpa, afp, rtr, en-hrana.org)

Redaktionsschluss 17.45 Uhr (MEZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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