1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
PolitikIran

Iran: Unsicherheit und Gefahr durch Internet-Abschaltung

Erfan Kasraie
6. März 2026

Die digitale Sperre im Iran stört die Kommunikation mit dem Ausland. Die Sorge um Angehörige wächst. Auch wichtige Informationen, wie zum Beispiel israelische Warnungen vor Luftangriffen, kommen nicht an.

Iran Teheran 2026 | Internetsperre nach Protesten hält an
Das ganze Land ist offline, nur die Machthaber bleiben onlineBild: Fatemeh Bahrami/Anadolu/IMAGO

Eine Internet-Sperre ist für den Iran nichts Neues. Das Regime in Teheran unterbricht regelmäßig die Verbindungen, wenn es zu massiven Protesten gegen die Regierung kommt.

Während der jüngsten landesweiten Demonstrationen im Januar, bei denen Berichten zufolge Zehntausende Menschen getötet wurden, verhängten die Behörden eine wochenlange Internetsperre. Während des 12-tägigen Krieges mit Israel im vergangenen Juni wurde ebenso das Internet abgeschaltet.

Auch jetzt während des Iran-Kriegs geht nichts mehr. Die Behörden haben das Land erneut in ein digitales schwarzes Loch gestürzt.

Zerstörter Wohnkomplex für Familien von Kriegsveteranen nach einem Luftangriff in der iranischen Hauptstadt Teheran (5.3.2026)Bild: Fatemeh Bahrami/Anadolu/picture alliance

"Die Internetsperre im Iran dauert nun schon über 120 Stunden an. Die Konnektivität liegt derzeit immer noch bei etwa einem Prozent des normalen Niveaus", teilte die Internetüberwachungsorganisation Netblocks am Donnerstag mit. Innerhalb des Iran sind einfache Aufgaben wie Navigation für Autofahrer mit Google Maps oder das Abrufen von Informationen auf Websites unmöglich geworden. Aus dem Internet wurde ein iranisches Intranet.

Exil-Iraner machen sich Sorgen

Avedian, ein Mitglied des Vorstandes von Ayande e.V., einem Jugendverein in Deutschland, der sich auf junge Menschen mit iranischem Hintergrund im deutschsprachigen Raum konzentriert, berichtet, dass es extrem stressig und schwierig sei, nicht mit den Angehörigen im Iran kommunizieren zu können.

"Wenn ich morgens aufwache, ist meine erste Frage: Leben meine Eltern noch? Sind sie unverletzt? Ich schaue sofort in den Nachrichten nach: Welche Gebiete wurden bombardiert? Wo gab es Angriffe?" Selbst wenn keine Angriffe in der Region, wo die Eltern leben, zu sehen sind, bleibe die Angst, weil sie oft nicht erreichbar sind.

"Aufgrund der Abschaltung des Internets und der Kommunikationswege ist es unmöglich, überhaupt herauszufinden, ob es ihnen gut geht. Und ich weiß, dass in einer solchen Situation sogar ein normaler Gang zur Bäckerei, um Brot zu kaufen, gefährlich sein kann."

Die 50-jährige Mitra B., die den Iran nach der Islamischen Revolution 1979 verlassen hat und heute in Deutschland lebt, teilt diese Sorgen. "Ich habe noch nichts von meiner Tante im Iran gehört. Ich hoffe, dass sie lebt, dass es ihr gut geht und dass der Iran bald von diesem Regime befreit wird", sagt sie der DW.

Iraner versuchen, die Sperre zu umgehen

Obwohl die meisten Menschen im Iran von der digitalen Welt abgeschnitten sind, genießt eine ausgewählte Gruppe von Insidern und Anhängern des Regimes weiterhin uneingeschränkten Internetzugang, indem sie sogenannte "weiße SIM-Karten" verwendet. Berichten zufolge gibt es im Iran mehr als 50.000 solcher SIM-Karten, wobei viele dieser Nutzer weiterhin in den sozialen Medien aktiv sind und Regierungspropaganda und irreführende Narrative verbreiten.

Für andere hingegen ist die Kommunikation eine große Herausforderung. Anrufe aus dem Ausland auf Mobiltelefone oder Festnetzanschlüsse im Iran sind nahezu unmöglich. Einige berichten, dass sie zu bestimmten Tageszeiten kurze Momente finden, in denen sie eine Verbindung herstellen und Nachrichten versenden können.

Viele greifen auch auf Tools zur Umgehung der Zensur zurück, wie Psiphon, virtuelle private Netzwerke (VPNs) oder illegale Starlink-Abonnements, den satellitengestützten Internetanbieter von Elon Musk. Die Situation erschwert es auch Journalisten, über den anhaltenden Konflikt zu berichten. Aktivisten und die breite Öffentlichkeit tun sich sehr schwer, unabhängige und authentische Videos im Internet zu verbreiten.

Experten sagen, dass diese Situation zu einer Flut von Fake News führe, da regierungsfreundliche Accounts die Informationslücke mit ihrer eigenen Darstellung füllen.

"Die Aufhebung der Internetsperre ist unerlässlich"

Die derzeitige Sperre der Internetdienste birgt ein zusätzliches Risiko, da das israelische Militär regelmäßig vor Luftangriffen Warnungen per Mobilfunk herausgibt und die Zivilbevölkerung auffordert, bestimmte Orte zu meiden. Durch die digitale Sperre kommen solche Warnungen nicht immer an. "Selbst wichtige Warnungen und Evakuierungsaufrufe, wie sie beispielsweise von Israel herausgegeben werden, erreichen viele Menschen nicht rechtzeitig, weil das Internet im Iran absichtlich abgeschaltet ist", sagt Avedian.

Krankenhaus in Jerusalem verlegt Patienten in Tiefgarage

02:31

This browser does not support the video element.

Tahireh Panahi, Wissenschaftlerin an der Universität Kassel am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, IT-Recht und Umweltrecht, betont gegenüber der DW, dass die Internetsperre "nicht nur ein individuelles, sondern auch ein gesellschaftliches Problem" sei. Die Organisation und Koordination von Massenprotesten gegen die Regierung seien dadurch erschwert worden. "Darüber hinaus sorgt das klerikale Regime dafür, dass Informationen über seine Verbrechen nicht nach außen gelangen."

"Deshalb ist es unerlässlich, die Internetsperre aufzuheben", fordert Panahi. "Viele im Exil lebende Iraner finden es außerordentlich wichtig, dass Informationen aus dem Iran an die Außenwelt gelangen. Somit kann den Menschen geholfen werden."

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen

Mehr zum Thema

Weitere Beiträge anzeigen
Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen