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PolitikIran

Iran vollstreckt zwei weitere Todesurteile

5. April 2026

Der Iran will Härte demonstrieren: Die Justiz hat zwei weitere Männer im Zusammenhang mit den Protesten hingerichtet. Unterstützer sprechen von erzwungenen Geständnissen, fehlenden Beweisen und wachsender Repression.

Iran Todesurteil Hinrichtung: symbolische Stricke mit Schlaufen bei einer Demonstration, im Hintergrund Flaggen Irans
Bild: Christoph Hardt/Geisler-Fotopress/picture alliance

Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars wurden die beiden Männer im Zusammenhang mit den jüngsten Massenprotesten im Iran hingerichtet. Die Justiz wirft ihnen vor, gemeinsam mit anderen in einen "militärisch klassifizierten Standort" der paramilitärischen Basidsch-Miliz in Teheran eingedrungen und dort Feuer gelegt zu haben. Ein versuchter Diebstahl von Waffen soll gescheitert sein.

Überstürztes Verfahren

Nach Justizangaben wurde das Todesurteil vom obersten Gericht überprüft. Unterstützer schreiben dagegen auf der Online-Plattform X, es sei ein überstürztes Verfahren mit erzwungenen Geständnissen und fehlenden Beweisen gewesen. Der Zugang zu unabhängigen Anwälten sei verwehrt worden. Ein Recht auf Berufung habe es ebenfalls nicht gegeben. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Aus der Gruppe von sieben Jugendlichen und Männern war am Donnerstag bereits der 18 Jahre alte Amirhossein Hatami hingerichtet worden. 

Iran hat angekündigt, "ohne Gnade und Nachsicht" Todesurteile zu vollstreckenBild: Stringer/Getty Images

Menschenrechtler: Mindestens 160 Todesurteile vollstreckt

Im Iran sind in den ersten drei Monaten dieses Jahres nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Hengaw mindestens 160 Todesurteile vollstreckt worden. 

Die iranische Justiz hatte am Dienstag angekündigt, die Todesstrafe künftig für mehr Delikte als bisher "ohne Gnade und Nachsicht" zu vollstrecken. Dazu zählen auch Terrorhandlungen sowie die Zerstörung staatlicher Einrichtungen. 

Proteste nach Wirtschaftskrise mit vielen Toten

Die Proteste wurden Ende Dezember zunächst durch eine Wirtschaftskrise ausgelöst. Rasch entwickelten sich die Demonstrationen im weiteren Verlauf jedoch zu politischen Aufständen gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Der Sicherheitsapparat ging brutal gegen die Proteste vor.

Noch im Januar dieses Jahres trauten sich die Menschen zu Protesten auf die Straße - hier in TeheranBild: Stringer/West Asia News Agency/REUTERS

Laut den iranischen Behörden wurden im Zusammenhang mit den Protesten mehr als 3000 Menschen getötet, nach ihren Angaben handelte es sich mehrheitlich um Angehörige der Sicherheitskräfte und Unbeteiligte. Im Ausland ansässige Nichtregierungsorganisationen warfen den Sicherheitskräften hingegen vor, absichtlich auf Demonstranten geschossen zu haben.

Nach Angaben der in den USA ansässigen Menschenrechtsorganisation HRANA wurden dagegen mehr als 7000 Menschen getötet, vor allem Demonstrierende. Die Zahl der Toten könnte jedoch deutlich höher liegen.

Der Iran ist nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen nach China der Staat mit den meisten Hinrichtungen weltweit.

as/pgr (dpa, afp, rtr)

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