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PolitikIran

Iran: Was ist die Revolutionsgarde?

Dang Yuan
29. Januar 2026

Sie gilt als Drahtzieher für bewaffnete Aktionen im In- und Ausland. Die Revolutionsgarde ist eine Parallelstruktur zur Armee und Ajatollah Chamenei unterstellt. Nun hat auch die EU sie als Terrororganisation eingestuft.

Iran | Kommandeure der Revolutionsgarde der Islamischen Republik
(Archiv) Kommandeure der Revolutionsgarde der Islamischen Republik salutieren dem Obersten Führer Ali Chamenei (r.)Bild: khamenei.ir

Die Revolutionsgarde, auch als Revolutionswächter bezeichnet, heißt mit vollem Namen "Armee der Wächter der Islamischen Revolution" (persisch: Sepāh-e Pāsdārān-e Enqelāb-e Eslāmī, englische Abkürzung IRGC). Sie wurde nach der Revolution von 1979 gegründet, weil die neuen Machthaber dem vom Schah aufgebauten Militär misstrauten. Ihr Auftrag: Einen Putsch verhindern und die Staatsideologie schützen. Zusammen mit der regulären Armee bildet die Revolutionsgarde heute die Streitkräfte des Iran und untersteht dem religiösen und politischen Führer der Islamischen Republik, Ali Chamenei.

Staat im Staate

Die Revolutionsgarde gilt als die mächtigste Stütze der Führung der Islamischen Republik. Sie verfügt über eigenständige Truppenteile für Heer, Luftwaffe, Marine sowie über die "Quds-Brigade" als Spezialeinheit für Auslandeinsätze. 

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Der Revolutionsgarde ist auch die Freiwilligenmiliz Basidsch angeschlossen. Sie ist in Moscheen stationiert und spielt bei der Unterdrückung der Protestaktionen eine Schlüsselrolle, so in der westiranischen Stadt Ilam im Januar 2026, als ein Krankenhaus gestürmt wurde (DW berichtete). Die Basidsch-Miliz-Angehörigen sind bewaffnet und tragen keine Uniform.

Die Miliz rekrutiert ihre Mitglieder vor allem an Schulen und Universitäten. Die Anwerbung erfolgt über eine Kombination aus Freizeit-, Bildungs- und religiösen Programmen, die stark ideologisch geprägt sind. Die Teilnehmer werden darin gemäß den Moralvorstellungen der Islamischen Republik erzogen und gezielt indoktriniert. So soll ihre Loyalität gegenüber dem politischen System aufgebaut und ihr Gehorsam gefestigt werden. 

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In Situationen politischer Spannungen, etwa bei Protesten oder gesellschaftlichen Unruhen, greift der Staat auf diese Kräfte zurück, um in jedem Stadtviertel schnell präsent zu sein und Oppositionelle zu überwachen, einzuschüchtern oder aktiv zu unterdrücken.

Des Weiteren unterhält die Revolutionsgarde eine Cyber-Armee, ein "Zentrum zur Überwachung und Bekämpfung organisierter Cyberkriminalität" sowie einen eigenen Nachrichtendienst. Dieser agiert unabhängig vom offiziellen Nachrichtendienst der Regierung und berichtet direkt an das Büro des Revolutionsführers.

(Archiv) 58163009)Die Revolutionsgarde besitzt auch Pharmaunternehmen. Während der Corona-Pandemie stellten sie Impfstoffe herBild: Tasnim

Strippenzieher in der Wirtschaft

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Revolutionsgarde ihren ökonomischen Einfluss massiv ausgebaut. So besitzt sie auch ein Baukonglomerat mit dem Namen "Khatam-al-Anbia", das bei vielen strategischen Infrastrukturprojekten und milliardenschweren Investitionen federführend ist. Das Unternehmen wurde Ende der 1980er-Jahre zum Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg gegen den Irak gegründet. 

Während der Präsidentschaft von Mahmud Ahmadinedschad zwischen 2005 und 2013, der selbst ein Mitglied der Revolutionsgarde war, konnte sie ihren wirtschaftlichen Einfluss massiv ausbauen. Heute betreibt die Revolutionsgarde gigantische Wirtschaftsunternehmen, baut Kraftfahrzeuge, Autobahnen, Eisenbahnstrecken und sogar U-Bahnen. Sie ist eng mit der Öl- und Gaswirtschaft des Landes verflochten, engagiert sich im Bergbau und bei vielen Wasserkraftprojekten. 

(Archiv) Unterirdisches Waffenlager der Revolutionsgarde in einem geheimen StützpunktBild: IRGC/WANA/REUTERS

Was für einen Anteil die Revolutionsgarde an der iranischen Volkswirtschaft insgesamt hat, ist unklar. Genaue Statistiken und Daten dazu fehlen.

Auslandsengagements

Die Quds-Brigade der Revolutionsgarde ist für Auslandseinsätze zuständig. Ihre Aufgabe ist es, dem Iran nahestehende Kräfte in der Region zu unterstützen. Seit der Islamischen Revolution träumen die Machthaber im Iran davon, ihre Staatsdoktrin in den Nahen Osten zu exportieren. 

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Im Irak hat die Quds-Brigade schiitische Kräfte aufgebaut. In Syrien stand sie an der Seite des Regimes von Machthaber Baschar al-Assad im Kampf gegen Oppositionsgruppierungen - bis zu dessen Flucht nach Russland Ende 2024. Sie unterstützt militante islamistische Organisationen wie die Hisbollah oder Hamas

Internationale Sanktionen

Die Revolutionsgarde wurde 2019 während der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump von den USA als Terrororganisation eingestuft. 2024 folgte Kanada, 2025 Australien - nach einem Angriff auf eine Synagoge in Melbourne, für den die Revolutionsgarde verantwortlich gemacht wird.

Auch die EU hat viele hochrangige Offiziere der Revolutionsgarde mit Sanktionen belegt. Schon 2023 forderte das EU-Parlament in einer Resolution, die Revolutionsgarde auch auf die EU-Terrorliste zu setzen, eine Forderung, die das EP im Januar 2026 wiederholte. Doch die europäischen Staaten waren bislang in dieser Frage gespalten. Einige EU-Mitglieder unter Führung Frankreichs hatten sich
lange gegen die Aufnahme der Revolutionsgarde auf die Liste gesträubt. ‍Nun ist die Regierung in Paris jedoch umgeschwenkt, was den Weg für eine Einigung
freimachen soll.  

Dieser ursprünglich am 7.März 2023 erschienene Artikel von Shabnam von Hein wurde am 12. und nochmals am 29. Januar 2026 überarbeitet und aktualisiert.

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