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PolitikIran

Iraner zwischen Wut und dem Wunsch nach Veränderung

24. Februar 2026

Im Schatten eines möglichen US-Angriffs bemüht sich Teheran um einen Deal mit Washington. Auf die wachsende Wut und neue Proteste an den Unis hat die Führung keine Antwort.

Iran Teheran 2026 | Studentinnen bei einer Demonstration gegen die Regierung an der Alzahra Universität
Studentinnen bei einer Demonstration gegen die Regierung an der Alzahra Universität am 23.2.2026Bild: UGC/AFP

Im Iran flammen neue Proteste gegen die Führung der Islamischen Republik auf. Diesmal finden sie an den Universitäten statt. Dort begann nach den Semesterferien am 21. Februar wieder die Vorlesungszeit.

Seit vergangenem Samstag, dem Wochenbeginn im Iran, kursieren täglich Bilder und Videos von Protestversammlungen der Studierenden an verschiedenen Universitäten im Internet.

Neue Studierendenproteste im Iran - und die USA machen Druck

02:05

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Augenzeugen berichteten von Gedenkveranstaltungen für die getöteten Demonstranten bei der blutigen Unterdrückung der jüngsten Proteste an mindestens sieben Universitäten. Die Studierenden unterzeichneten Petitionen, organisierten Sitzstreiks und verwandelten ihre Versammlungen teilweise in Proteste gegen die Regierung mit Slogans wie "Tod dem Diktator" oder "Tod der Islamischen Republik". Forderungen nach einer Rückkehr der 1979 gestürzten Monarchie werden lauter.

Proteste werden als "Ausschreitung" dargestellt  

Die der Revolutionsgarde nahestehende Nachrichtenagentur Fars berichtete am Sonntag (22.2.26), dass auf dem Campus der Elite-Universität Sharif in Teheran mehrere protestierende Studierende skandiert und dabei Parolen mit monarchistischer Thematik gerufen hätten. Dies seien allerdings die Einzelfälle am Rande einer "friedlichen Gedenkversammlung für die Märtyrer" gewesen.

Die Führung bezeichnet die Todesopfer bei den Protesten als "Märtyrer". Diese seien von den "Terroristen" getötet worden. Auch Studentenproteste in anderen Städten wurden von der amtlichen Nachrichtenagentur als "Aufruhr" bezeichnet.

Allerdings schilderten die Studierenden ihre "unbeschreibliche" Wut, so wie ein 19-jähriger Student aus Teheran, der anonym bleiben möchte. Er habe selbst an den Massenprotesten im Dezember teilgenommen wie andere Millionen Menschen. Viele seien von der Brutalität der Sicherheitskräfte, vor allem von der der Basidsch-Milizen, schockiert gewesen. Diese sind teilbewaffnete Freiwilligenverbände, die den Revolutionsgarden angeschlossen sind.

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Bei den Protestversammlungen an den Universitäten tauchen auch schnell studentische Anhänger der Basidsch-Miliz auf, die an jeder Universität ein Büro hat.

Videos im Internet zeigen die handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen ihnen und den protestierenden Studierenden. Die Basidsch-Anhänger sollen nun täglich am Eingang der Universitäten kontrollieren, wer das Gelände betritt, wie viele Studierende anwesend sind und wie lange sie sich dort aufhalten.

Stimme für gezielten US-Angriff im Iran

Wer Mitbürger im Auftrag des Regimes töte, müsse bestraft werden. So hört man in den Gesprächen, wenn sich Menschen in der Hauptstadt Teheran treffen. Auch der Wunsch nach gezielten Tötungen durch US-Angriffe wird geäußert.

"Wenn die Menschen auf ausländische Hilfe oder militärische Angriffe zurückgreifen, um die Repressionen durch ihre eigene Regierung zu bekämpfen, ist diese Situation von Verzweiflung geprägt", sagt ein Soziologe der Universität Teheran, der ebenfalls anonym bleiben will, im Gespräch mit der DW.

Die Menschen hätten die Hoffnung verloren, so der Soziologe weiter. Sie glaubten nicht, dass eine Volksabstimmung oder politische Reformen oder die bürgerschaftlichen Engagements von Millionen Bürgern den Status quo verändern könnten. Die Legitimität und Glaubwürdigkeit der iranischen Führung in den Augen der eigenen Bevölkerung sei schon vor der brutalen Niederschlagung der landesweiten Proteste im Dezember und Januar kaum noch vorhanden gewesen.

Iran-Proteste: Ruf nach Wiederkehr der Monarchie

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Die jüngsten Proteste, die im Dezember aufgrund wirtschaftlicher Not begannen und sich schnell zu einem politischen Thema entwickelten, wurden in der gewaltsamsten Niederschlagung seit der Islamischen Revolution von 1979 beendet.

Militärische Eskalation droht

Ob ein US-Angriff tatsächlich auf die Führung der Islamischen Republik begrenzt bliebe, erscheint zweifelhaft. Der Iran warnte die USA am Montag (23.2.26), dass jeder Angriff "mit aller Härte" beantwortet werde. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump mit begrenzten Militärschlägen gedroht.

Die Wahrscheinlichkeit eines Krieges sei sehr hoch, glaubt Matthew Hoh, Ex-Captain der US-Marine und heute Forscher bei der Denkfabrik "Center for International Policy" in Washington. Die verstärkte militärische US-Präsenz im Nahen Osten deute auf eine Eskalation hin, sagt Hoh im DW-Interview. "All das ist meiner Meinung nach eine Kriegsvorbereitung. Der derzeit wahrscheinlichste Weg, einen Krieg zu vermeiden, ist die Kapitulation der Iraner."

Am Donnerstag (26.2.26) wollen der Iran und die USA noch einmal im schweizerischen Genf über einen diplomatischen Ausweg verhandeln. Nach Angaben des omanischen Außenministers gehe es darum, eine endgültige Einigung zu erzielen. Schon Anhang Februar hatten beide Länder im Sultanat Oman die ersten Atomgespräche geführt, die ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gingen.

Mitarbeit: Elina Farhadi

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