Iranische Luftangriffe schüren Energieängste
3. März 2026
Der Krieg im Nahen Osten stellt Investoren auf der ganzen Welt vor die Aufgabe, die Auswirkungen eines langwierigen regionalen Konflikts auf die weltweite Energieversorgung und sein Potenzial, die Inflation weltweit anzuheizen, zu bewältigen.
Seit Montag, dem ersten Handelstag nach den US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran am Samstag (28. Februar) und Irans Reaktion mit Angriffen auf wichtige Öl- und Gasinfrastruktur in der Region, sind weltweit die Aktienkurse gefallen, während die Öl- und Gaspreise in die Höhe geschnellt sind.
Brent-Rohöl verteuerte sich am Dienstag um rund sieben Prozent und durchbrach die Marke von 80 US-Dollar (69 Euro) pro Barrel, nachdem es am Montag zwischenzeitlich um bis zu 13 Prozent gestiegen war. Die Gaspreise in Europa schnellten am Montag um mehr als 50 Prozent in die Höhe - der stärkste Anstieg seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine.
Ist das Nadelöhr gesperrt?
Die Aufmerksamkeit der Investoren richtet sich weiterhin vor allem auf die Straße von Hormus, einen wichtigen Engpass, über den rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung und große Mengen Gas transportiert werden. Ein Vertreter der iranischen Revolutionsgarden erklärte die Wasserstraße für gesperrt; der Iran werde "jedes Schiff in Brand setzen, das versucht, die Straße zu passieren".
Bloomberg berichtete jedoch, dass China Druck auf den Iran ausübt, die Straße von Hormus für den Tankerverkehr offenzuhalten. China, der weltweit größte Öl- und Gasimporteur, gehört zu den am stärksten betroffenen Ländern, da über die Straße die Hälfte der chinesischen Ölimporte geliefert werden.
Versicherungen reagieren bereits
Obwohl die Straße von Hormus technisch gesehen weiterhin offen ist, ist der Tankerverkehr praktisch zum Erliegen gekommen, da Ölverlader und -händler aufgrund von Sicherheitsbedenken und steigender Versicherungskosten infolge iranischer Angriffe auf Öltanker in der Region ihre Energietransporte durch die Wasserstraße eingestellt haben. Seeversicherer kündigen die Kriegsrisikodeckung für Schiffe im Persischen Golf, und die Öltransportraten sind stark gestiegen.
Unternehmen wie Gard, Skuld, NorthStandard, der London P&I Club und der American Club gaben bekannt, dass ihre Kündigungen ab dem 5. März wirksam werden. Dies bedeutet, dass Reedereien neue Versicherungen zu höheren Prämien abschließen müssen.
Mehr als 150 Schiffe, darunter Öl- und LNG-Tanker, ankern in der Straße von Hormus und den umliegenden Gewässern und schränken derzeit die weltweite Öl- und Gasversorgung erheblich ein.
Teheran greift Öl- und Gasanlagen an
Iranische Angriffe auf wichtige Energieanlagen in der Region verschärfen die Versorgungssorgen zusätzlich. Saudi-Arabiens Aramco schloss am Montag seine größte heimische Ölraffinerie, nachdem diese von iranischen Drohnen angegriffen worden war. Katars staatlicher Energiekonzern QatarEnergy, einer der weltweit größten Erdgasproduzenten, stellte die LNG-Produktion nach iranischen Angriffen auf Anlagen an zwei seiner wichtigsten Gasverarbeitungsstandorte ein.
Am Dienstag brach in einer Ölindustrieanlage in Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Feuer aus, nachdem Sicherheitskräfte einen Drohnenangriff abgefangen hatten, wie die Behörden mitteilten.
Trotz der Eskalation gibt es Anzeichen dafür, dass Investoren den Konflikt weiterhin als vorübergehend und nicht als langwierig einstufen, schrieben Analysten der Deutschen Bank in einer Mitteilung an ihre Kunden. "Insbesondere die kurzfristigen Energiepreiskurven verzeichneten starke Preisanstiege, während längerfristige Verträge deutlich weniger stark schwankten", so die Experten.
Bridget Payne, Leiterin der Energieprognose bei Oxford Economics, erklärte: "Der Ölmarkt ist gut aufgestellt, um die Auswirkungen des Iran-Konflikts abzufedern. Der Markt ist gut versorgt, und es ist unwahrscheinlich, dass der Iran eine schwerwiegende und lang anhaltende Unterbrechung der Lieferketten verkraften wird. Eine ausgewachsene Ölkrise ist daher unwahrscheinlich."
Payne erwartet, dass der Preis für Brent-Rohöl im zweiten Quartal durchschnittlich bei 79 US-Dollar pro Barrel liegen wird, bevor er sich mit der Wiederaufnahme des Angebots bis zum Quartalsende etwas entspannt. Andere Experten prognostizieren hingegen einen Preis von 100 US-Dollar pro Barrel im Falle eines langwierigen Krieges und damit einhergehender Unterbrechungen.
"Handelsstörungen stellen das größte Risiko dar, nicht Produktionsausfälle: Freie Kapazitäten in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten können die Produktionsausfälle des Irans ausgleichen, alternative Handelsrouten können jedoch nur etwa ein Drittel der normalen Öllieferungen durch die Straße von Hormus umleiten", erklärt Bridget Payne.
Asien am stärksten betroffen
Der Krieg im Nahen Osten stellt ein besonders für die asiatischen Volkswirtschaften ein Risiko dar, weil sie stark von Öl und Gas aus dem Nahen und Mittleren Osten abhängig sind. Höhere Energiepreise könnten die Inflation in diesen Ländern in die Höhe treiben.
Laut der US-Energieinformationsbehörde (EIA) gingen 2024 84 Prozent des Rohöls und Kondensats (einer leichteren Form von Öl, die bei der Rohölgewinnung anfällt) sowie 83 Prozent des LNG, das durch die Straße von Hormus transportiert wurde, in asiatische Märkte: China, Indien, Japan und Südkorea waren die wichtigsten Abnehmerländer.
China kauft fast 90 Prozent des sanktionierten Öls aus dem Iran. Der Ausfall der iranischen Ölproduktion wäre für China jedoch kein so schwerwiegender Rückschlag - der Iran liefert nur elf Prozent des chinesischen Rohölimports. Schlimmer wäre eine anhaltende Unterbrechung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus.
"Das gibt China ein starkes Interesse daran, die Energieversorgung in der Region aufrechtzuerhalten", sagte Gareth Leather, leitender Asienökonom bei Capital Economics. "Das ist ein Grund dafür, dass China seine Unterstützung für den Iran, einen langjährigen geopolitischen Verbündeten, bei dessen Reaktion auf die Angriffe der USA und Israels möglicherweise nicht so intensivieren wird wie die Unterstützung für Russland nach dem Einmarsch in die Ukraine."
Risiken für Europa
Europas stärkere Anfälligkeit für den Energieschock im Nahen und Mittleren Osten im Vergleich zu den USA hat diese Woche zu einer deutlichen Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar geführt. Grund dafür sind Befürchtungen, dass eine anhaltende Unterbrechung der Energieversorgung einen Anstieg der Inflation in der Eurozone verursachen und die fragile wirtschaftliche Erholung gefährden könnte.
Europa ist den Entwicklungen auf dem Gasmarkt stärker ausgesetzt. Nicht nur, weil es ein wichtiger Markt für LNG aus Katar ist, sondern auch, weil eine Unterbrechung der katarischen LNG-Exporte asiatische Käufer zwingen würde, mit Europa um Lieferungen zu konkurrieren. Dies würde die Preise weiter in die Höhe treiben und Europas Fähigkeit beeinträchtigen, die Gasspeicher nach einem kalten Winter wieder aufzufüllen.
Der europäische Erdgas-Benchmark-Kontrakt (niederländischer TTF) mit Fälligkeit im nächsten Monat stieg am Dienstag um 38,9 Prozent auf 61,77 € pro Megawattstunde - den höchsten Stand seit Anfang 2023.
"Da die LNG-Produktion in Katar eingestellt und die Straße von Hormus gesperrt ist, dürfte sich das weltweite LNG-Angebot deutlich verknappen. Dieser Trend spiegelt sich bereits in den jüngsten Preisbewegungen wider", sagte Jan-Eric Fähnrich, Analyst bei Rystad Energy. "Das Ausmaß der Lieferausfälle hängt vom Umfang der Infrastrukturschäden ab, die derzeit noch ermittelt werden, sowie von der Dauer der Sperrung der Straße für den Schiffsverkehr", fügte er hinzu.
Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen adaptiert.