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PolitikAsien

Iranische Revolutionsgarde stürmt Krankenhaus

Barin Omid
9. Januar 2026

Ein Krankenhaus, das verletzte Demonstranten versorgte, wurde von Sicherheitsbehörden gestürmt. Die Revolutionsgarde nahm dort Menschen fest und erntete international Kritik. Augenzeugen schildern der DW den Fall.

Iran Provinz Ilam 2026 | Proteste im Bezirk Malekschahi wegen hoher Lebenshaltungskosten
Protest in der Provinz Ilam am 4. Januar 2026Bild: AFP

Was Shirin (Name von der Redaktion geändert) im Imam-Khomeini-Krankenhaus der westiranischen Stadt Ilam erlebte, wird in ihrem Berufsleben unvergessen bleiben. "Mehr als vierzig Verletzte, die blutüberströmt waren, wurden auf einmal eingeliefert", erinnert sich die erfahrene Krankenschwester. "Die meisten hatten Schussverletzungen am Oberkörper, am Hals, an der Brust, an den Schultern. Zwei junge Männer starben auf dem Weg ins Krankenhaus."

Das Imam-Khomeini-Krankenhaus ist das größte medizinische Versorgungszentrum in der Stadt Ilam. Die gleichnamige Provinz wird mehrheitlich von Kurden bewohnt und liegt an der Grenze zum Irak. Sie ist stark von Armut geprägt. Das Krankenhaus sei nicht auf solche Fälle ausgelegt, sagt Shirin. "Wir mussten Verletzte in der Frauenstation und sogar in der Kinderstation unterbringen. Alle waren nervös."

Dass zuvor in ihrer Stadt regierungskritische Proteste stattfanden, darüber hat Shirin bereits in den sozialen Medien gelesen. Ein Video im Internet zeigte später das gesamte Ausmaß. Darauf ist zu sehen, wie die Sicherheitskräfte mit Gewehren gezielt auf die Demonstranten schossen.       

Gewalt im Krankenhaus

"Wir hatten geahnt, dass bald die Sicherheitskräfte folgen würden, um die Verletzten zu verhaften und ihre Personalien aufzunehmen", sagt Shirin. "Die Familien, die vorher gekommen waren, versammelten sich am Eingang, um die Polizisten daran zu hindern."

Diese wiederum hätten die Zivilisten eingekesselt. Selbst Menschen, die gekommen seien, um Blut zu spenden, seien nicht ins Krankenhaus gelassen worden. "Mehrere Spender wurden sogar festgenommen."

Nach 24 Stunden setzte die Revolutionsgarde Waffengewalt ein. "Sie schossen mit Schrotflinten und setzten Tränengas im Gebäude ein", sagt Augenzeugin Shirin. "Sie verwüsteten die Glastüren am Eingang und stürmten die Krankenstationen. Mit Schlagstöcken schlugen sie Patienten, Mitarbeiter und Familienangehörige. Kinder auf der Kinderstation litten unter schweren Atemproblemen wegen des Tränengases."

Ein weiterer Augenzeuge, der seine Identität nicht verraten will, bestätigt im DW-Interview, dass die Revolutionsgarde elf Verletzte abgeführt habe. "Fünf weitere befinden sich weiterhin auf der Intensivstation - an ihre Betten gefesselt. Einige wurden vor Ort verhört, während diejenigen mit weniger schweren Verletzungen durch einen Hinterausgang fliehen konnten."

Friedliche Demos wurden unterdrückt

"Die Demonstration in der Stadt Ilam war friedlich gewesen", sagt ein Anwohner, der auch bei der Versammlung anwesend gewesen sein will. "Alles blieb ruhig, bis wir das Basidsch-Gebäude in der Provinzstraße erreichten." Die Basidsch-Milizen sind Freiwilligenverbände, die den Revolutionsgarden angeschlossen sind. "Dann passierte etwas Unglaubliches. Unbekannte, vermutlich Sicherheitskräfte, eröffneten vom Inneren des Gebäudes blind Feuer auf uns. Niemand war darauf vorbereitet." Später seien die Verletzten ins Krankenhaus gebracht worden.

Solche Angriffe staatlicher Gewalt auf zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser verstoßen gegen internationale Übereinkommen, sagt Adnan Hassanpour von der Menschenrechtsorganisation "Kurdistan Human Rights Network". "Diese Aktionen können als Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen eingestuft werden. Internationale Gerichte wären dann für die Verfolgung zuständig." Zwei der Verletzten seien während der Erstversorgung gestorben, berichtet Hassanpour.

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03:37

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Kritik aus dem In- und Ausland

Die Revolutionsgarde bestätigte die Erstürmung des Krankenhauses und behauptete zunächst, die Familienangehörigen und Demonstranten hätten die medizinische Behandlung gestört. Inzwischen hat der iranische Präsident Massud Peseschkian eine Untersuchung angeordnet. Auch das Parlament will sich Bericht über diesen Zwischenfall erstatten lassen. Das iranische Gesundheitsministerium bestätigte den Angriff und betonte gleichzeitig, Krankenhäuser müssten frei von Einmischungen bleiben.

Auf seinem persischsprachigen X-Account bezeichnete unterdessen das US-Außenministerium die Aktion als "offensichtliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit, barbarisch und brutal". Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sieht in dem Sturm auf das Krankenhaus "eine flagrante Verletzung des Völkerrechts". Die Angriffe auf medizinische Einrichtungen und die Inhaftierung von Menschen in medizinischer Behandlung würden gegen grundlegende Menschenrechtsprinzipien verstoßen.

"Was wir diese Woche erlebt haben, hat mir die Augen geöffnet", sagt die 38-jährige Shirin. "Jetzt verstehe ich, warum die Menschen in meinem Land auf die Straße gehen."

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan

 

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