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IS jetzt auch in Afghanistan?

24. Februar 2015

Bewaffnete haben in der afghanischen Provinz Sabul 30 Angehörige einer schiitischen Minderheit verschleppt. Der Distriktgouverneur verdächtig den "IS". Der scheint langsam auch in Afghanistan Fuß zu fassen...

Irak Islamischer Staat Fahne ISIS
Bild: Imago/Xinhua

Die Täter hätten afghanische Armeeuniformen getragen und auf der wichtigsten Schnellstraße des Landes zwei Busse gestoppt, die sich auf dem Weg von Herat im Westen nach Kabul befanden. Das sagte der Gouverneur des Distrikts Schah Dschoi, Abdul Chalek Ajubi. Die Entführer hätten die Ausweise der Passagiere kontrolliert und dann die 30 männlichen Angehörigen der schiitischen Volksgruppe der Hazara verschleppt. Ajubi sagte, Frauen und Kinder hätten weiter nach Kabul reisen dürfen. Eine Augenzeugin sagte der DW: "Sie haben nur die Hazara ausgewählt, nicht die Afghanen anderer Ethnien. Ich sollte auch aussteigen, meine zwei Cousins haben mir geholfen aus dem Bus zu steigen, aber einer der Männer befahl mich loszulassen und nur die Männer mitzunehmen. Die Männer waren vermummt und trugen schwarze Kleidung."

Die Bewaffneten hätten keine der beiden Landessprachen Dari und Paschtu gesprochen, sagte der Provinzgouverneur Ajubi. "Wir haben gehört, dass es keine Taliban-Kämpfer waren, sondern sie einer anderen Gruppe angehören. Ich vermute, es sind Kämpfer der Daisch (IS)", sagte Ajubi im Gespräch mit der Deutschen Welle. Daisch ist die arabische Abkürzung für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Ajubi sagte, die Taliban hätten Stammesälteste kontaktiert und jede Verantwortung für die Tat zurückgewiesen. Sollte sich die Vermutung des Distriktgouverneurs bestätigen, wäre dies die erste Aktion der IS-Gruppe in Afghanistan und würde damit einen Beweis für die Präsenz der IS im Land liefern.

Hazara Ziel von Angriffen

Die schiitische Volksgruppe Hazara stellt etwa 20 Prozent der mehrheitlich sunnitischen Bevölkerung Afghanistans. Sie ist immer wieder das Ziel gewaltsamer Übergriffe durch sunnitische Extremisten.

Generell sind Überfälle auf Zivilisten durch lokale Milizen, Banditen oder die Taliban häufig. Die Zahl ziviler Opfer stieg in Afghanistan im vergangenen Jahr nach Angaben der Vereinten Nationen um 22 Prozent an.

Für die Sicherheit im Land sind seit Ende vergangenen Jahres die Afghanen selbst verantwortlich. Zum Jahreswechsel endete nach 13 Jahren der Nato-geführte Isaf-Kampfeinsatz. An der Folgemission "Resolute Support" zur Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte durch Ausbildung und Beratung sind etwa 12.000 Soldaten aus 40 Staaten beteiligt, darunter bis zu 850 Bundeswehrsoldaten.

chr / SC (afp, dpa, ap)

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