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Politik

Israel attackiert Tunnelsystem der Hamas

14. Mai 2021

Das israelische Militär hat in der Nacht erneut den Gazastreifen angegriffen. Dabei kamen Luft- und Bodentruppen zum Einsatz. Es seien aber keine Soldaten in das Palästinensergebiet vorgedrungen, stellte die Armee klar.

Palästina | Israelische Luftangriffe in Beit Hanun
Zerstörte Gebäude in Beit Hanun im nördlichen GazastreifenBild: Mahmud HamsAFP/Getty Images

An dem Angriff seien 160 "Luftfahrzeuge" beteiligt gewesen, sagte Armeesprecher Jonathan Conricus. Unterstützung hätten sie unter anderem von Panzern erhalten, die von israelischer Seite auf Ziele im Gazastreifen feuerten. Doch kein israelischer Soldat habe das Küstengebiet betreten, betonte Conricus. Zunächst hatte es widersprüchliche Angaben darüber gegeben, ob sich bereits Bodentruppen im Gazastreifen befinden. Der Armeesprecher bat um Entschuldigunng für ein internes Kommunikationsproblem.

Ziel der Attacken sei ein Tunnelsystem der Hamas gewesen - eine Art "Stadt unter der Stadt". Das Ausmaß der Zerstörung sei noch unklar. Das israelische Fernsehen berichtete, es handele sich um den bisher heftigsten Angriff auf den Küstenstreifen seit Beginn der Eskalation am Montag.

"Das letzte Wort ist nicht gesprochen"

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte in einer Videobotschaft: "Ich habe gesagt, dass die Hamas einen sehr hohen Preis zahlen wird." Man werde die Angriffe mit großer Intensität fortsetzen. Das letzte Wort sei "noch nicht gesprochen", die Operation werde "so lange wie nötig weitergehen". 

Auch die Stadt Aschkelon wurde mit Raketen aus dem Gazastreifen beschossenBild: Amir Cohen/REUTERS

Die Armee rief Israelis in den Grenzorten, die bis zu vier Kilometer vom Gazastreifen entfernt leben, dazu auf, sich bis auf Weiteres in Schutzräume zu begeben. Verteidigungsminister Benny Gantz hatte zuvor angesichts der Eskalation die Mobilisierung von weiteren 9000 Reservisten genehmigt. Vor zwei Tagen hatte die Armee bereits 5000 Reservisten mobilisiert. Nach Medienberichten bereitete sich die Armee zuletzt auf eine mögliche Bodenoffensive vor.

Palästinenser setzen Raketenangriffe fort

Militante Palästinenser setzten am Donnerstag ihre heftigen Raketenangriffe auf israelische Bevölkerungszentren fort. Auch am Abend wurden erneut zahlreiche Städte beschossen, darunter Aschkelon, Aschdod und Modiin. Auch in die Richtung des internationalen Flughafens bei Tel Aviv wurden Raketen abgefeuert.

Im Gazastreifen wurden laut dem Gesundheitsministerium seit der Eskalation der Gewalt 119 Menschen getötet. In Israel starben nach offiziellen Angaben bislang acht Menschen bei Raketenangriffen.

Wachsende Gewalt zwischen Arabern und Juden 

Unterdessen verschärfen sich auf israelischem Boden die Spannungen zwischen jüdischen und arabischen Israelis. In der Stadt Lod steckten arabische Randalierer den Komplex der Dusa-Synagoge in Brand. Verteidigungsminister Benny Gantz verlängerte den Ausnahmezustand für die Stadt um weitere 48 Stunden, wie israelische Medien berichten.

Israelische Sicherheitskräfte am Donnerstag in der Stadt LodBild: Corinna Kern/REUTERS

In Jaffa bei Tel Aviv wurde ein 19-jähriger israelischer Soldat angegriffen und schwer verletzt. In Tel Aviv selbst attackierten rechte jüdische Aktivisten Journalisten und Araber. In dem Ort Kalansawe in der Nähe des Westjordanlands untersucht die Polizei einen Vorfall, bei dem eine Polizeistation in Brand gesteckt worden sein soll. Aus mehreren Regionen werden Festnahmen gemeldet.

UN-Sicherheitsrat will am Sonntag beraten

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen soll sich am Sonntag mit dem Nahost-Konflikt befassen. Die virtuelle Sitzung sei auf Antrag von China, Norwegen und Tunesien für 16 Uhr MESZ angesetzt worden, teilten Diplomaten bei den UN in New York mit. Auch die USA, die die Absage einer für Freitag geplanten Sicherheitsratssitzung bewirkt hatten, seien einverstanden.

Es wäre die dritte Sitzung des UN-Gremiums zur Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern binnen einer Woche. Bei den zwei vorherigen Sitzungen hatte es keine Einigung auf eine gemeinsame Erklärung gegeben. Dies lag Teilnehmern zufolge an den USA, die eine Verurteilung ihres Verbündeten Israel ablehnten.

gri/jj/ml (dpa, afp, rtr, kna)

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