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Ist der Tourismus-Boom im Nahen Osten vorbei?

5. März 2026

Der Iran-Krieg bremst die Urlaubswirtschaft auf der arabischen Halbinsel aus. Die erlebte zuletzt einen enormen Aufschwung und verzeichnete immer neue Rekorde.

Rauchwolke nach iranischem Angriff über dem Flughafen Dubai
Nach Angriffen aus dem Iran wurde der Betrieb am Dubai International Airport eingestelltBild: Altaf Qadri/AP Photo/picture alliance

Hunderttausende Reisende aus aller Welt sitzen nach den jüngsten Angriffen der USA und Israels auf den Iran sowie dessen Gegenschlägen in der Region fest. Vor allem die weiträumige Sperrung des Luftraumes über der arabischen Halbinsel hat dazu geführt, dass Touristen und Geschäftsreisende vor Ort strandeten. Beeinträchtigungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus betrafen auch Kreuzfahrtschiffe, die noch im Persischen Golf unterwegs waren.

"Die derzeitige Krise ist ein absoluter Schock für die betroffenen Länder in der Region", sagt Hans Hopfinger, langjähriger Professor für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der zur Tourismusentwicklung im Nahen Osten und Nordafrika geforscht hat. Einige der Golfstaaten hätten sich in der Vergangenheit als Hort touristischer Sicherheit vermarktet. "In Dubai oder anderen Emiraten hat es noch nie terroristische Anschläge gegeben wie in anderen arabischen Tourismushochburgen", sagt Hopfinger.

Keine andere Region erlebte ein solches Wachstum

Auch dies ist ein Grund für den Besucherboom, den die Region in den vergangenen Jahren erlebt hat. "Der Nahe Osten ist eine der am schnellsten wachsenden Tourismusregionen der Welt", heißt es bei der Tourismusorganisation der Vereinten Nationen. Im vergangenen Jahr kamen erstmals knapp 100 Millionen internationale Reisende an - von Ägypten und Jordanien bis nach Katar und Saudi Arabien. Ein Plus von 39 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Wert. Keine andere Weltregion erlebte seitdem ein solches Wachstum.

Die Felsengräber von Hegra waren 2008 die erste UNESCO-Welterbestätte in Saudi Arabien - mittlerweile sind es achtBild: Christian Goupi/robertharding/picture alliance

Welche Größenordnung die Reisebranche insbesondere in den Golfstaaten mittlerweile angenommen hat, verdeutlicht besonders gut der Dubai International Airport, der sich in den vergangenen Jahren zum globalen Drehkreuz entwickelt hat. Eigenen Angaben zufolge wurden dort 2025 mehr als 95 Millionen internationale Passagiere abgefertigt - so viele wie noch nie und wie auf keinem anderen Flughafen weltweit. Gleichzeitig verzeichnete das Emirat mit fast 20 Millionen Touristen im dritten Jahr in Folge einen neuen Besucherrekord.

Zurückzuführen sind solcherlei Erfolge vor allem auf weitsichtige Planung, so Hans Hopfinger. "Man erkannte als strategisches Element der wirtschaftlichen Differenzierung, dass man weg von der Abhängigkeit von Öl und Gas kommen musste." Auf diese Weise war Dubai das erste Emirat, das bereits frühzeitig einen Masterplan erstellte, um Shopping-Tourismus, Golfturniere und andere Sportgroßereignisse, aber auch den Kulturtourismus zu fördern. Mittlerweile haben auch andere Golfstaaten umgedacht.

20 Millionen Touristen besuchten Dubai im vergangenen Jahr - eine der Hauptattraktionen des Emirats: der Burj Khalifa, das höchste Gebäude der WeltBild: David Davies/empics/PA Wire/picture alliance

Saudi-Arabien vergibt erst seit 2019 Touristenvisa

"Die reichen, erdöl- und erdgasbesitzenden Länder hatten es lange Zeit nicht nötig, auf den Tourismus zu setzen", erklärt Hopfinger. Im Gegensatz zu Staaten ohne bedeutende Bodenschätze. Ägypten, Tunesien, Jordanien, Marokko und Oman investierten daher frühzeitig in den Tourismus. Saudi-Arabien dagegen vergibt erst seit 2019 überhaupt Touristenvisa. Das Königreich will mit seiner Strategie "Vision 2030", die Milliardeninvestitionen in diverse Megaprojekte vorsieht, nun in die Top-Liga der weltweiten Tourismus-Destinationen aufsteigen. Das Ziel: Spätestens 2030 sollen pro Jahr 70 Millionen internationale Touristen allein nach Saudi-Arabien kommen.

Die Besucher locke vor allem die Vielfalt des Angebots in die Golfstaaten, sagt Hopfinger. Die Bandbreite reicht von historischen Tempelanlagen bis hin zu den modernen Megastädten mit ihren spektakulären Hotels, Einkaufszentren und Museen. Dazu kommen Großveranstaltungen wie Formel-1-Rennen. Auch die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar 2022 oder die Expo in Dubai 2021 haben das Image des Reiseziels enorm erhöht. Mit Mekka und Medina befinden sich in Saudi-Arabien zudem zwei der bedeutendsten Pilgerstätten des Islam, die jährlich Millionen Gläubige anlocken.

Mit Milliardenprojekten fördert das Königreich Saudi-Arabien den Tourismus: Am Roten Meer entsteht eine LuxusdestinationBild: The Red Sea Development Company/Handout via Xinhua/picture alliance

Es dürfte zu Umbuchungen und Stornierungen kommen

Für die Bestrebungen, den Tourismus in der Region zu fördern, bedeutet der Iran-Krieg nun einen bedeutenden Rückschlag. Aufgrund der unsicheren Lage und der geltenden Reisewarnungen dürfte es zu massenhaften Umbuchungen und Stornierungen kommen. Die Sicherheitslage im Nahen Osten sei noch nie stabil gewesen, sagt Hopfinger. "Die Region ist seit Jahrzehnten von gravierenden Auseinandersetzungen betroffen." Vertreter der Reisebranche erwarten für die kommenden Monate eine Verlagerung der Reisebuchungen in traditionelle Urlaubsgebiete, etwa rund um das Mittelmeer.

Wie lange es nach einer Normalisierung der Lage in den betroffenen Ländern dauert, bis der internationale Tourismus dorthin wieder in Schwung kommt, hänge von mehreren Faktoren ab, erklärt Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen, der sich seit vielen Jahren mit der Motivation von Urlaubern beschäftigt. Bei Fortfall der Risiken, intakter Infrastruktur und Erhalt der typischen Attraktionsfaktoren gehe das schnell, also innerhalb weniger Wochen, erklärt er. "Das kann ich mir für die Vereinigten Arabischen Emirate vorstellen."

Erste Nahost‑Reisende zurück in Deutschland

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Zunächst geht es aber nun darum, die gestrandeten Urlauber in Sicherheit zu bringen. Insbesondere die Reiseveranstalter bemühen sich darum, ihre Gäste auszufliegen. Vereinzelte Maschinen konnten in den vergangenen Tagen bereits wieder abheben. Bis alle Reisenden wieder in der Heimat sind, dürften angesichts der instabilen Lage allerdings noch Tage vergehen.

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