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Ist die Rente in Deutschland noch sicher?

26. April 2026

Bundeskanzler Friedrich Merz löst Irritationen aus, weil er die gesetzliche Rente als "Basisabsicherung" bezeichnete. Was hat er damit gemeint? Und wo steht Deutschland im internationalen Vergleich?

Fünf Münzen mit einem Wert zwischen zehn Cent und zwei Euro liegen symbolisch auf einem Informationsblatt der Deutschen Rentenversicherung.
Die Rente in Deutschland liegt im internationalen Vergleich unter dem Durchschnitt Bild: Frank Hoermann/SVEN SIMON/picture alliance

Rente, also die Altersvorsorge für die Zeit nach dem Berufsleben, ist in Deutschland seit vielen Jahren ein sogenanntes Aufregerthema. Dieses Mal hat kein Geringerer als Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dafür gesorgt, dass die Wogen besonders hochschlagen.

Mehr private und betriebliche Altersvorsorge

"Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter. Sie wird nicht mehr ausreichen, auf Dauer den Lebensstandard zu sichern", sagte Merz kürzlich auf einer Veranstaltung des Bundesverbands deutscher Banken in Berlin.

Deshalb seien zusätzlich kapitalgedeckte Elemente einer betrieblichen und privaten Altersversorge nötig, betonte der Bundeskanzler. "Und zwar in weit größerem Umfang, als wir sie gegenwärtig weitgehend auf der Basis von Freiwilligkeit haben."

Das liefe darauf hinaus, künftig stärker auf Aktien und andere Formen der Geldanlage zu setzen. Eine umstrittene Strategie, weil die Börse großen Kursschwankungen unterworfen ist. Die Gewinne von heute können die Verluste von morgen sein – und umgekehrt.

Rentenkommission soll Lösungsvorschläge erarbeiten

Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) kritisierte die Renten-Äußerungen des Bundeskanzlers in der TV-Sendung "Maischberger" scharf. Von Merz sei "der Eindruck vermittelt worden, als sollten die Menschen jetzt alles privat absichern. Merz sei von vielen Menschen so verstanden worden, dass sie "nicht mal mehr eine anständige Rente" bekämen.

Der Rentenstreit zwischen den regierenden Unionsparteien (CDU/CSU) und Sozialdemokraten ist womöglich ein Vorgeschmack auf das, was schon bald die Emotionen weiter hochkochen lassen könnte. Denn bis Ende Juni soll eine von der Koalition eingesetzte Rentenkommission ihre Empfehlungen vorlegen.

Finanzielle Folgen der alternden Gesellschaft

Wesentliche Ausgangspunkte aller Denkmodelle für zukunftssichere Renten sind die Bevölkerungsentwicklung einerseits und die Lebenserwartung andererseits. Niedrige Geburtenraten haben in Deutschland wie in vielen anderen Ländern gravierende finanzielle Folgen: Weniger berufstätige Menschen zahlen Beiträge für die staatliche Altersvorsorge, während die Zahl der Rentnerinnen und Rentner steigt.                    

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat in der Studie "Pensions at a Glance" (Renten auf einen Blick) die Rentensysteme ihrer 38 Mitgliedsstaaten analysiert. Zentraler Befund: Die politischen Strategien sind sehr unterschiedlich und in vielen Punkten schwer vergleichbar.

Nettorenten in Deutschland sind unterdurchschnittlich

Blickt man ausschließlich auf die Höhe der Rente im Verhältnis zum letzten Einkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben liegt Deutschland mit 53 Prozent im Mittelfeld und damit deutlich unter dem Durchschnitt von 61. Andere bevölkerungsreiche europäische Länder wie Frankreich und Italien kommen auf Werte zwischen 70 und knapp 80 Prozent.

Aber es gibt noch stärkere Ausschläge nach unten wie nach oben. In Estland, Litauen und Irland liegt das staatliche Rentenniveau teilweise unter 40 Prozent. Mehr als doppelt so hoch ist es mit über 90 Prozent in den Niederlanden, Portugal und der Türkei. 

Rente mit 67 ist in den USA und Japan schon Realität

Eine wichtige Rolle bei der Rentenfinanzierung spielt nach Einschätzung der OECD, in welchem Alter die Menschen tatsächlich ihr Arbeitsleben beenden. In Deutschland gehen sie zurzeit im Schnitt mit etwas über 64 Jahren in Rente und damit knapp drei Jahre früher als für alle Geburtenjahrgänge ab 1964 gesetzlich vorgesehen. Wer früher geht, erhält in der Regel auch weniger Rente.      

In einigen Ländern muss schon heute bis 67 gearbeitet werden. Darunter sind mit den USA und Japan die Nummer eins und vier der weltweit größten Volkswirtschaften. Aus Sicht der OECD ist es grundsätzlich sinnvoll, den Rentenbeginn mit der steigenden Lebenserwartung zu verknüpfen und damit in vielen Ländern nach hinten zu verschieben.

Höhere Rentenbeiträge in Frankreich und Italien

Die Höhe der Beiträge zur gesetzlichen Rente variiert international stark. In Frankreich sind es nach OECD-Angaben rund 30, in Italien sogar 33 Prozent des Einkommens. Deutschland liegt mit 18,6 Prozent deutlich darunter. Gezahlt wird er je zur Hälfte vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber.  

Wie sicher ist unsere Rente?

01:59

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Ein Aspekt, der zunehmend in den Fokus rückt, ist die Altersarmut. In Deutschland ist das Risiko vor allem für jene groß, die als Berufstätige wenig verdient haben und kaum Geld für private Vorsorge beiseitelegen konnten. In Dänemark versucht die Politik, mit einer steuerfinanzierten Grundrente gegenzusteuern. 

Ostdeutsche sind stärker von Altersarmut betroffen

Ein deutscher Sonderfall sind die Unterschiede zwischen Ost und West. Menschen, die zu Zeiten der staatlichen Teilung bis 1990 in der kommunistischen DDR lebten und arbeiteten, haben gemessen an den Arbeitsjahren lange deutlich weniger Rente erhalten. Die schrittweise Angleichung an das Niveau im Westen war erst 2025 abgeschlossen – 35 Jahre nach der Wiedervereinigung.

Altersarmut trifft Ostdeutsche deshalb potenziell häufiger. Ein weiterer Grund: Wegen der staatlichen Planwirtschaft in der DDR hatten sie keine Möglichkeit, beispielsweise in Rentenfonds zu investieren. Im Kommunismus gab es anders als im Kapitalismus schließlich keine Aktienmärkte.

Marcel Fürstenau Autor und Reporter für Politik & Zeitgeschichte - Schwerpunkt: Deutschland
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