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KriminalitätItalien

Erntehelfer verblutet: 16 Jahre Haft für Landwirt in Italien

9. Juli 2026

Der Tod des indischen Erntehelfers Satnam Singh erschütterte Italien: Nach einem schweren Arbeitsunfall ließ ihn sein Arbeitgeber schwer verletzt zurück. Nun wurde der Landwirt zu 16 Jahren Haft verurteilt.

Italien Latina 2024 | Indische Landarbeiter demonstrieren gegen Ausbeutung nach Tod von Satnam Singh (25.06.2024)
Bei einer Demonstration im Juni 2024 zeigt ein Landarbeiter das Bild des gestorbenen Satnam SinghBild: Roberto Monaldo/LaPresse/ZUMA/picture alliance

Ein italienischer Landwirt ist wegen des Todes eines indischen Erntehelfers zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Latina, südlich von Rom, sprach den 39-Jährigen der vorsätzlichen Tötung schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte eine noch höhere Strafe von 22 Jahren Gefängnis gefordert. Gegen das Urteil sind noch Rechtsmittel möglich.

Arbeitsunfall löste landesweite Debatte aus

Der Fall hatte im Sommer 2024 in Italien und darüber hinaus Entsetzen ausgelöst. Er machte auf die prekären und teils menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen aufmerksam, unter denen viele ausländische Saisonarbeiter in der italienischen Landwirtschaft arbeiten. Die Verkündung des Urteils wurde in Italien live im Fernsehen übertragen.

Satnam Singh, ein 31 Jahre alter Arbeiter aus Indien, war im Juni 2024 bei der Arbeit auf einem Feld schwer verunglückt. Singh geriet in eine Maschine, mit der Felder großflächig mit Plastik überzogen werden. Dabei wurde ihm der rechte Arm abgetrennt, seine Beine wurden zerquetscht.

Der Unfall ereignete sich nahe Borgo Santa Maria, rund 60 Kilometer entfernt von Rom. In der Gegend werden unter anderem Melonen und Zucchini angebaut.

Statt den schwer verletzten Mann sofort in ein Krankenhaus zu bringen, fuhr ihn sein Arbeitgeber mit einem Lieferwagen zu seiner Behausung beziehungsweise setzte ihn nach Darstellung von Gewerkschaften gemeinsam mit seiner Frau am Straßenrand ab. Der abgetrennte Arm wurde in einer Obstkiste daneben entdeckt.

Erst Nachbarn alarmierten den Notruf. Singh wurde schließlich mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus nach Rom gebracht, starb dort jedoch später an seinen Verletzungen.

Staatsanwaltschaft: Schnelle Hilfe hätte Singh wohl retten können

Die Ehefrau des Opfers schilderte die Situation nach dem Unfall mit eindringlichen Worten: "Ich habe den Besitzer angefleht, uns zu helfen, ich habe ihn auf Knien angefleht. Aber er hat uns vor dem Haus abgesetzt und ist weggelaufen." Der Arbeitgeber erklärte sein Verhalten später damit, dass er in Panik geraten sei.

Unter Berufung auf ein rechtsmedizinisches Gutachten hieß es, Singh sei an schweren Blutungen gestorben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hätte Singh "sehr wahrscheinlich" überleben können, wenn ihm schneller geholfen worden wäre.

Ausländische Landarbeiter demonstrierten im Juni 2024 in der Nähe von Rom gegen schlechte ArbeitsbedingungenBild: IPA/ZUMA/picture alliance

Singh war 2021 zusammen mit seiner Frau nach Italien gekommen und arbeitete ohne regulären Aufenthaltsstatus. Sein Tod löste in der Region Latina Proteste aus. Tausende indische Landarbeiter demonstrierten dort für Gerechtigkeit und forderten ein Ende der Zustände, die sie selbst als "Sklaverei" bezeichneten.

Systematische Missstände in Italiens Landwirtschaft

Der Fall gilt inzwischen als Symbol für die Ausbeutung von Migranten in der italienischen Landwirtschaft. Nach Schätzungen sind dort etwa 230.000 Menschen illegal beschäftigt, viele von ihnen aus Ländern wie Indien oder Pakistan.

Sie arbeiten häufig für Stundenlöhne von drei oder vier Euro oder sogar noch weniger. Gewerkschaften sprechen von systematischer Ausbeutung.

Häufig läuft die Beschäftigung über ein System illegaler Vermittler. Diese sogenannten Mittelsmänner rekrutieren Saisonarbeiter, vermitteln sie an landwirtschaftliche Betriebe und behalten dabei oft einen erheblichen Teil der ohnehin niedrigen Löhne ein.

Kontrollen sind nach Einschätzung von Beobachtern weiterhin zu selten. Das Placido-Rizzotto-Observatorium, das Missstände in der Agrarindustrie untersucht, geht in seinem jüngsten Bericht davon aus, dass in der italienischen Landwirtschaft rund 240.000 Arbeitskräfte betroffen sind - etwa ein Viertel der Saisonbeschäftigten.

pgr/AR (dpa, afp)

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