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Politik

Italiens Botschafter im Kongo getötet

22. Februar 2021

Im Osten des zentralafrikanischen Landes, wo Rebellen kostbare Bodenschätze an sich reißen, gerät ein Konvoi unter Beschuss. Mindestens drei Menschen sterben.

Italienischen Botschafters im Kongo, Luca Attanasio
Mit Krisen und Risiken Afrikas vertraut: Luca Attanasio leitete seit 2017 die italienische Botschaft in KinshasaBild: AFP/Italy's Foreign Ministry

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo haben bewaffnete Angreifer einen Konvoi des Welternährungsprogramms (WFP) überfallen und dabei den italienischen Botschafter Luca Attanasio getötet. Der 43-Jährige erlag kurz nach dem Überfall seinen schweren Verletzungen, wie der zuständige Gouverneur der Region Nord-Kivu, Carly Nzanzu Kasivita, mitteilte.

Nach dessen Aussage schlugen Ranger, die sich zufällig in der Nähe aufhielten, den Angriff zurück. Die örtlichen Behörden gaben an, auch ein Fahrer und ein Leibwächter Attanasios seien in dem Hinterhalt getötet worden. Laut WFP wurden mehrere Menschen bei dem Beschuss verletzt.

In diesem Krankenhaus in Goma erlag Attanasio seinen SchussverletzungenBild: Djaffar Al-Katany /REUTERS

Demnach wurde die Fahrzeugkolonne auf dem Weg von Goma zu einem Schulspeisungsprojekt in der Rutshuru-Region von der Attacke überrascht. "Sie ereignete sich auf einer Straße, die zuvor für Reisen ohne Sicherheitseskorten freigegeben worden war", gab die UN-Organisation bekannt. Die örtliche Polizei dagegen zeigte sich überrascht von der Präsenz des Botschafters in der Region und der Tatsache, dass er ohne behördlichen Begleitschutz fuhr.

Der Gouverneur der Provinz Nord-Kivu, Carly Nzanzu, schreibt den Angriff den exil-ruandischen Miliz FDLR zu. "Unseren Informationen zufolge sprachen die sechs Angreifer Kinyarwanda. Und die bewaffneten Gruppen in der Region, wo der Überfall stattfand, gehören meist zur FDLR. Wir sind davon überzeugt, dass es FDLR-Kämpfer waren", sagte Nzanzu der Deutschen Welle. Möglicherweise hätten die Angreifer die Delegation des Botschafters entführen und Lösegeld fordern wollen. Die Ermittlungen liefen derzeit auf Hochtouren.

Außenminister reist vorzeitig in Brüssel ab

Italiens Präsident Sergio Mattarella verurteilte die Attacke scharf. Er erklärte, das Land trauere um seine Staatsbediensteten, die in Ausübung ihres Amtes ihr Leben verloren. Außenminister Luigi Di Maio verließ vorzeitig ein Treffen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel und reiste nach Rom zurück.

Der italienische Außenminister Luigi Di Maio (links) brach Gespräche in Brüssel kurzfristig abBild: Yves Herman/AFP/Getty Images

Das Gebiet, in dem sich der Überfall ereignete, liegt im Süden des Virunga-Nationalparks an der Grenze zu Uganda und Ruanda. Das UNESCO-Weltkulturerbe ist berühmt für die stark gefährdeten Berggorillas, die in den drei Ländern leben. Die Ranger sind durch Milizen und Wilderer bedroht, die immer wieder auch Gorillas schießen. Erst im Januar wurden sechs Wildhüter getötet und ein weiterer schwer verletzt. Damals wurden Rebellen für den Angriff verantwortlich gemacht.

Im Ostkongo sind mehrere Milizen aktiv, denen es vor allem um die Kontrolle der wertvollen Bodenschätze geht. In der Nähe des Virunga-Parks wurden Menschenrechtlern zufolge innerhalb von drei Jahren mindestens 170 Menschen entführt. Die Opfer - viele davon Frauen - seien geschlagen, gefoltert, vergewaltigt und zu Geldzahlungen genötigt worden, berichtete Human Rights Watch 2020.

jj/ml/rb (dpa, afp, epd)