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IWF: In die Weltwirtschaft kommt Bewegung

Rolf Wenkel mit Agenturen
16. Januar 2017

Die globalen Wachstumsaussichten haben sich laut Internationalem Währungsfonds in den vergangenen Monaten verbessert - allerdings herrscht noch große Unsicherheit über den Wirtschaftskurs der künftigen US-Regierung.

IWF Wachstumsprognose Maurice Obstfeld
Bild: Getty Images/AFP/M. Riley

Der Internationale Währungsfonds beurteilt die Aussichten für die Weltwirtschaft wieder etwas optimistischer als in vorangegangenen Prognosen. "Einige Entwicklungen seit dem vergangenen Sommer deuten an, dass sich die Wachstumskräfte in einigen wichtigen Industrieländern wieder stärker entfalten könnten", sagte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld bei der Vorstellung des neuesten Berichtes über die Aussichten der Weltwirtschaft (World Economic Outlook) in Washington.

Das globale Wirtschaftswachstum schätzt der IWF auf 3,4 Prozent in diesem und 3,6 Prozent im nächsten Jahr, nachdem die Weltwirtschaft im abgelaufenen Jahr nur mit verhaltenen 3,1 Prozent gewachsen ist. Trotz dieser verbesserten Wachstumsaussichten für 2017 und 2018 warnt Obstfeld zur Vorsicht: "Gleichzeitig sehen wir ein größeres Risikospektrum in kurzfristigen Vorhersage-Zeiträumen. Mit anderen Worten: Die Unsicherheit hat zugenommen."

Ein großer Teil der verbesserten Wachstumsaussichten liegt aus der Sicht des IWF in der zunehmenden Erholung von größeren Schwellen- und Entwicklungsländern, die 2016 unter Wirtschaftskrisen gelitten haben. Allerdings sind aus Sicht des IWF auch die Wachstumsaussichten In den USA, China, Europa und Japan gestiegen.

Prognose für USA angehoben

Ein höheres Wachstumstempo ist aus Sicht des IWF auch für dieses Jahr dringend nötig. Denn das globale Wachstum war im vergangenen Jahr das schwächste seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008/2009. Seit Mitte vergangenen Jahre mehren sich jedenfalls die Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung in vielen Ländern, erkennbar an einer expandierenden Produktion, nachlassenden Inflationsraten und stabilen Rohstoff- und Energiepreisen.

Auch für die USA hat der Weltwährungsfonds seine Prognosen leicht angehoben. Die Tatsache, dass erstmals seit sechs Jahren das Weiße Haus und der Kongress von einer Partei dominiert werden, lasse die Märkte auf ein höheres Tempo bei der Zinsschritten der Fed hoffen sowie auf höhere Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung, heißt es im neuen Economic Outlook.

In diesem frühen Stadium der neuen Legislaturperiode in den USA seien Einzelheiten zu Finanz- und Steuerpolitik jedoch völlig unklar, sodass man auch keine qualifizierten Aussagen zur Haushaltspolitik, der privaten Konsumnachfrage, der öffentlichen Verschuldung und zur Stärke oder Schwäche des Dollars machen könne.

Trump-Politik könnte Entwicklungsländer treffen

Allerdings hat der IWF die Aussichten für Indien, Mexiko und Brasilien nach unten korrigiert. Die US-Politik stärke den ohnehin starken Dollar, dies sei schlecht für schuldengeplagte Entwicklungsländer mit ihren schwachen Währungen, heißt es im neuen Economic Outlook. Mit genaueren Vorhersagen sei erst im April zu rechnen, wenn die Politik der Trump-Administration klarer formuliert sei. 

Unter den großen Schwellenländern räumt der IWF der Volksrepublik China wieder größere Wachstumschancen ein. Er warnt aber gleichzeitig vor neuen Risiken in der zweitgrößten Volkswirtschaft. Für 2017 rechnet der IWF nun mit einem Wirtschaftswachstum von 6,5 Prozent in China. Die Prognose fällt damit 0,3 Prozentpunkte höher als im Oktober aus, weil sich die Wirtschaft in den vergangenen Monaten stabilisiert habe. 

Allerdings warnte der IWF, dass ein von steigenden Staatsausgaben und mehr Krediten getragenes Wachstum nicht nachhaltig sei. China mache bei der Bekämpfung von hohen Unternehmensschulden nur langsam Fortschritte.  Chinas Premierminister Li Keqiang hatte am Freitag in einer Rede gewarnt, dass Chinas Wirtschaft wegen der veränderten Situation in der globalen Politik unter Druck geraten könnte. Strafzölle, die von Donald Trump in Erwägung gezogen werden, könnten sich laut eines Sprechers der Pekinger Zollverwaltung negativ auf Exporte und Wachstum auswirken.

Nachdem Chinas Wirtschaft Jahrzehnte in einem halsbrecherischen Tempo wuchs, fiel das Wachstum in den ersten neun Monaten 2016 so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr aus. Die endgültigen Wachstumszahlen für das abgelaufene Jahr werden am Freitag erwartet.

 

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