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Konjunkturwarnung

4. September 2011

IWF-Chefin Christine Lagarde und Weltbank-Präsident Robert Zoellick haben gemeinsame Sorgen: Schon im Herbst könnte die Weltwirtschaft in eine Abwärtsspirale geraten.

Symbolbild DAX außer Kontrolle (Grafik: DW)
Bild: James Thew - Fotolia/DW
Fürchtet den Herbst: Robert ZoellickBild: picture alliance/dpa

Weltbank-Präsident Robert Zoellick hat für die kommenden Monate schwierige Zeiten in der internationalen Finanz- und Wirtschaftspolitik vorausgesagt. Es werde "diesen Herbst eine neue gefährliche Phase" geben, sagte Zoellick am Samstag (03.09.2011) in Peking zur Eröffnung einer Konferenz zur Zukunft Chinas. Die Finanzkrise in Europa sei "eine Krise der nationalstaatlichen Schulden geworden, mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Währungsunion, die Banken und die Wettbewerbsfähigkeit bestimmter Länder". Die USA wiederum seien "konfrontiert mit der Schuldenfrage und der Aufgabe, das Wachstum der Privatwirtschaft zu unterstützen", sagte der Weltbank-Chef. Alle diese Probleme seien in einem "internationalen Kontext eines verlangsamten Wachstums und eines geschwächten Vertrauens" zu bewältigen.

Auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, befürchtet eine deutliche Abkühlung der weltweiten Konjunktur und warnt vor einem Rückfall in die Rezession. Über den Sommer habe der IWF eine neue Vertrauenskrise festgestellt, die die wirtschaftliche Lage weltweit belaste, sagte Lagarde dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die neue Chefin des IWF rät Deutschland im Fall eines erneuten Wirtschaftsabschwungs zu einem Konjunkturprogramm. "Wenn der Export, auf dem das deutsche Wirtschaftsmodell beruht, einbricht, dann könnte die Bundesregierung gegensteuern", sagte die Französin. Wenn Deutschland seine Binnennachfrage belebe, sei das gut für die deutsche Wirtschaft und für die der Nachbarländer. Im zweiten Quartal hatte der erste Rückgang der Konsumausgaben seit dem Krisenjahr 2009 den deutschen Aufschwung überraschend gestoppt. Die Wirtschaft wuchs nur noch um 0,1 Prozent.

Abwärtsspirale abwenden

Warnt vor Abwärtsspirale: Christine LagardeBild: dapd

Spielraum für eine Belebung der Konjunktur sieht Lagarde durchaus. Kürzlich hätten IWF-Experten Deutschland routinemäßig besucht und festgestellt, "dass die Gesundung der deutschen Staatsfinanzen unter den gegenwärtigen Umständen bestens läuft". Zugleich warnte Lagarde vor den Folgen, die eine sich neu entwickelnde Vertrauenskrise habe. Sie verschlechtere weltweit die wirtschaftliche Lage. Die IWF-Chefin forderte Maßnahmen, "um eine drohende Abwärtsspirale abzuwenden". Dafür müssten die Länder Europas ihre Sparkurse an die veränderte Lage anpassen und wachstumsfördernde Maßnahmen ins Auge fassen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht unterdessen Fortschritte bei den Anstrengungen um einen stabilen Euro. "Ich bin sicher, dass wir mit unserem Bemühen, unsere gemeinsame Währung zu stabilisieren, auf dem richtigen Weg sind", sagte Schäuble der "Leipziger Volkszeitung". Er sei "überzeugt, dass die Stabilisierung des Euro im Interesse der Bürger auch weiterhin alle Mühe wert" sei. Die Gemeinschaftswährung sichere "Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland". Der Euro bleibe der Motor der europäischen Integration, sagte Schäuble. "Und ohne das Zukunftsprojekt Europa hätte in unserer sich immer weiter globalisierenden Welt kein einzelner Staat eine gute Chance auf Entwicklung - auch Deutschland nicht."

Autor: Rolf Wenkel (afpd, rtr, dapd, dpa)
Redaktion: Ursula Kissel