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Neue Risiken

13. April 2011

Die Welt ist noch lange nicht wieder in Ordnung, sagt der Internationale Währungsfonds in seinem jüngsten Report zur Finanzmarktstabilität. Den Industrieländern droht Überschuldung, den Schwellenländern Überhitzung.

Ein Passant geht am Logo des Frühjahrstreffens von IWF und Weltbank 2011 vorbei (Foto: DW)
Bild: DW/R.Wenkel

Die große Wirtschaftskrise ist überstanden, die Banken zahlen wieder üppige Boni und die Weltwirtschaft ist wieder auf dem Wachstumspfad. Also alles wieder im Lot? Oder lauern nicht doch noch Gefahren auf den globalen Finanzmärkten, weil die Reformen nach der Krise nicht wirklich etwas verändert haben? Wie es um die Stabilität des Weltfinanzsystems bestellt ist, darüber gibt ein aktueller Bericht des Internationalen Währungsfonds Auskunft. Er wurde am Mittwoch (13.04.2011) in Washington vorgestellt.

IWF-Experte Viñals: "Der Boom von heute ist die Krise von morgen"Bild: picture-alliance/ dpa

José Viñals, Direktor der Kapitalmarktabteilung, begann mit der guten Nachricht: Die Risiken für die Stabilität des globalen Finanzsystems seien geringer geworden. Das habe einmal mit der weltweiten Erholung zu tun, aber auch mit der Tatsache, dass die Politik das Bankensystem weiterhin mit ausreichender Liquidität versorge. "Die nicht so gute Nachricht ist, dass diese unterstützende Wirtschaftspolitik, so notwendig sie in der Krise war, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, nun dazu beiträgt, Systemrisiken zu verschleiern, gegen die man schleunigst etwas tun sollte."

Glaubhafte Stresstests

So habe etwa der zurückliegende Stresstest für die europäischen Banken gezeigt, dass rund 30 Prozent der Institute mit ihrem Kernkapital unter der Marke von acht Prozent lagen. Der nun in Europa anstehende zweite Stresstest sei deshalb eine gute Gelegenheit, die Gesundheit des Bankensystems in der Europäischen Union auf Herz und Nieren zu überprüfen. Aber der Test müsse glaubhaft, nachvollziehbar und Teil einer größeren Strategie des Krisenmanagements sein - und Sicherheitsvorkehrungen für den Fall einschließen, dass sich notleidende Banken kein Geld mehr am Kapitalmarkt besorgen können.

In den USA sind viele private Haushalte überschuldetBild: AP

Einen zweiten Gefahrenherd für die weltweite Finanzstabilität sieht José Viñals in der enormen öffentlichen Verschuldung vieler Industriestaaten. Und damit meint er nicht etwa nur die Peripherieländer der Europäischen Währungsunion, sondern ausdrücklich auch Japan und die USA. In den Vereinigten Staaten komme erschwerend hinzu, dass viele private Haushalte überschuldet seien. Das könne negative Effekte auf die Bankbilanzen haben und schlimmstenfalls sogar die weltwirtschaftliche Erholung gefährden.

Schwellenländer überhitzen

Doch damit nicht genug: Mit Sorgen registriert der IWF zudem, dass in manchen Schwellenländern eine konjunkturelle Überhitzung droht. Das sei nicht nur an den hohen Wachstumsraten abzulesen, sondern auch an den hohen und schwankenden Kapitalzuflüssen und -abflüssen. "Zudem registrieren wir in manchen Ländern ein außerordentlich starkes Kreditwachstum", sagt Viñals. "Das ist besonders bedenklich, weil die Erfahrung wiederholt gezeigt hat, dass es einen engen Zusammenhang gibt zwischen dem Kreditwachstum heute und den geplatzten Krediten von morgen."

Tatsächlich erleben Länder wie China, Indien, Argentinien, Brasilien und Indonesien teilweise einen Investitionsboom, der sich bald als Blase herausstellen könnte. Helfen höhere Zinsen nicht, die Wirtschaft abzukühlen, sollten die Schwellenländer ruhig zu Kapitalverkehrskontrollen greifen - ein Rat, der schon eine kleine Sensation ist. Denn damit vollzieht der IWF eine Kehrtwende und verlässt die einst so heftig propagierte reine Lehre des freien Marktes.

Autor: Rolf Wenkel, Washington
Redaktion: Thomas Grimmer

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