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PanoramaChina

Willkommen im chinesischen Jahr des Pferdes

Brenda Haas
16. Februar 2026

Das Pferd galoppiert 2026 auf die Pole Position der chinesischen Tierkreiszeichen. Es steht für Schnelligkeit, Mut und Freiheitsliebe. Berühmte Pferde sind unter anderem Nelson Mandela und Jackie Chan.

Malaysia Kuala Lumpur 2026 | Dekorationen zum Jahr des Pferdes in Einkaufszentrum
Bild: Chong Voon Chung/Xinhua/picture alliance

Der erste Tag des chinesischen Neujahrs fällt in diesem Jahr auf den 17. Februar. Das Fest markiert den Beginn des Frühlings und wird in China und weiteren ostasiatischen Ländern groß gefeiert.

Traditionell kommen Familien in dieser Zeit zusammen, um gemeinsam opulente Mahlzeiten zu genießen. Kinder erhalten häufig Geldgeschenke in roten Umschlägen, den sogenannten "Hong Bao".

Mit dem Beginn des Frühlingsfests oder auch Mondneujahrs wechselt das chinesische Tierkreiszeichen, das einem Zyklus von zwölf Jahren folgt. Jedes Jahr ist dabei einem Tier zugeordnet.

Es gibt mehrere Geschichten über den Ursprung dieses Tierkreises. Einer Legende zufolge lud der Jade-Kaiser - eine wichtige Gottheit der chinesischen Mythologie - alle Tiere zu einem "großen Rennen" ein. Die ersten zwölf Tiere sollten seine Gunst gewinnen.

In der Reihenfolge ihres Eintreffens waren dies: Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund und Schwein.

Eine Lichtinstallation im südwestchinesisichen Zigong zeigt die legendäre chinesische Kriegerin Mulan mit ihrem BegleiterBild: Maxim Shemetov/REUTERS

Berühmte Persönlichkeiten im Jahr des Pferdes

Ein Pferd ist, wer in den Jahren 1918, 1930, 1942, 1954, 1966, 1978, 1990, 2002, 2014 oder 2026 geboren wurde. Jedes Tierjahr ist zusätzlich einem der fünf Elemente zugeordnet: Holz, Feuer, Erde, Metall oder Wasser. 2026 ist das Jahr des Feuer-Pferdes.

In der traditionellen chinesischen Kultur steht das Pferd für Stärke, Schnelligkeit, Loyalität, Freiheit und Talent. Menschen, die in diesem Zeichen geboren sind, gelten als mutig, verlässlich, aufrichtig, treu und unabhängig.

Zu den bekannten "Pferden" zählen Südafrikas erster schwarzer Präsident Nelson Mandela, der Astronaut Neil Armstrong, der chinesische Kung-Fu-Filmstar Jackie Chan, die Regisseure Ang Lee und Martin Scorsese, die Schauspielerin Zoë Saldaña, der ehemalige Beatle Paul McCartney sowie der britische Starkoch Gordon Ramsay.

 

Mehr als 3300 Jahre alt ist diese Darstellung eines Pferdegespanns aus dem Grab des ägyptischen Pharao TutanchamunBild: Robert Harding Productions/robertharding/picture alliance

Menschen und Pferde: eine jahrtausendealte Verbindung

Pferde begleiten Menschen schon seit Jahrtausenden. Sie zogen Streitwagen im alten Ägypten und rasten bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. im antiken Rom durch den Circus Maximus.  Eine berühmte Gestalt aus der griechischen Mythologie ist Pegasus, das geflügelte Pferd.

Auch im alten China waren Pferde hochgeschätzt. Im Mausoleum des ersten Kaisers Qin Shi Huang gehören hunderte lebensgroße Terrakotta-Pferde zu seiner "Armee für das Jenseits", aufgestellt neben Streitwagen und Kavallerie.

Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Menschen vor rund 6000 Jahren begannen, Pferde zu domestizieren - in der westlichen eurasischen Steppe, einem Gebiet, das sich von der  heutigen Ukraine über Südwestrussland bis nach Nordkasachstan erstreckt. Mit der Ausbreitung domestizierter Herden wurden auch immer wieder wilde Stuten eingefangen und eingekreuzt. So entstand die große genetische Vielfalt, die Pferde heute auszeichnet.

Napoleon überquert die Alpen hoch zu Ross, auf einem Ölgemälde von Jacques-Louis David aus dem Jahr 1801Bild: Granger Historical Picture Archive/IMAGO

Wertvolles Transportmittel

Noch heute spielen Pferde für kasachische und mongolische Reiter eine zentrale Rolle - als Transportmittel, Lebensgrundlage und Symbol ihrer nomadischen Kultur. Diese Bedeutung reicht zurück bis in die Zeit, als die Reiterheere Dschingis Khans auf Pferden ganze Kontinente durchquerten.

Auf der Arabischen Halbinsel bewahrten die Beduinen die Angaben über die wertvollsten Zuchtlinien ihrer Pferde nicht in schriftlichen Aufzeichnungen auf, sondern gaben sie mündliche weiter. Abstammungen wurden über Generationen hinweg im Gedächtnis behalten. Als im 18. und 19. Jahrhundert europäische Züchter begannen, arabische Pferde zu importieren, stellten sie fest, dass viele der mündlich überlieferten Stammbäume erstaunlich zuverlässig waren. Nicht umsonst gelten Araber als sehr edle Pferderassen.

Über Jahrtausende hinweg waren Pferde das schnellste und zuverlässigste Transportmittel der Menschheit. Sie trugen Armeen über Kontinente, zogen Pflüge, Wagen und Postkutschen, verbanden entlegene Handelsrouten und ermöglichten den Aufstieg von Weltreichen - lange bevor Dampf- oder Benzinmotoren die Mobilität veränderten.

In vielerlei Hinsicht waren Pferde die ersten Fortbewegungsmittel der Welt. Bis heute wird im Automobilbau die Leistung von Motoren in "Pferdestärken" (PS) gemessen.

Der Inbegriff von Freiheit: eine Herde Mustangs in UtahBild: J & C Sohns/imageBROKER/picture alliance

Von Freiheit und Geschwindigkeit

Fast jede Pferderasse hat ihre eigene Geschichte - auch der Mustang: In Nordamerika waren Pferde seit dem Ende der letzten Eiszeit ausgestorben. Als spanische Expeditionen sie Anfang des 16. Jahrhunderts mit in die Neue Welt brachten, entkamen einige Tiere oder wurden freigelassen. Diese Pferde sind Vorfahren der heutigen Mustangs.

Der Name "Mustang" stammt vom spanischen Wort "mesteño"  - gemeint ist ein herrenloses oder umherstreifendes Tier.

In den Graslandschaften Nordamerikas bildeten die Tiere bald freilebende Herden. Indigene Völker fingen sie ein, züchteten sie und handelten mit ihnen - und veränderten damit grundlegend Mobilität, Jagd, Handel und Kriegsführung.

Die Schnelligkeit und Freiheit des Pferdes inspirierten später auch den Namen des Ford Mustang, eines der ikonischsten Autos des 20. Jahrhunderts.

Evolutionsrekord: das Jakutenpferd

Die Fettreserven den Jakutenpferde dienen quasi als "Frostschutzmittel"Bild: Semen Sivtsev/AA/picture alliance

Im Norden Sibiriens haben sich Jakutenpferde an die extreme Kälte angepasst. Ihr dichtes Fell und ihr kräftiger Körperbau helfen ihnen, Temperaturen von unter minus 60 Grad Celsius zu überstehen. Besonders bemerkenswert ist ihre Fähigkeit, den Stoffwechsel und die Körpertemperatur zu senken - sie fallen in eine Art "stehenden Winterschlaf". So sparen sie Energie, bleiben aber wach und aktiv. Anders als echte Winterschläfer ziehen sie sich nicht zurück, sondern fressen und bewegen sich auch im arktischen Winter.

Wissenschaftler sprechen von einer der schnellsten evolutionären Anpassungen innerhalb der Art - es hat nur etwa acht Jahrhunderte gedauert, bis die ursprünglich aus der wärmeren Mongolei stammenden Pferde ihre Kälteresistenz entwickelt haben.

Pferde als Therapeuten und Coaches

Coaching mit Pferden - eine Verbindung voller VertrauenBild: Daniel Requena Lambert/Visually/picture alliance

In den vergangenen Jahrzehnten haben Pferde neue Rollen übernommen. Die pferdegestützte Therapie etwa wird heute bei Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), Autismus, Angststörungen und körperlichen Einschränkungen eingesetzt. Dabei nutzt man die besondere Sensibilität von Pferden für Körpersprache und Emotionen.

Diese Sensibilität macht Pferde auch zu wertvollen Partnern im Führungskräftetraining. Sie reagieren auf kleinste Signale: auf Anspannung, zu starken Druck oder widersprüchliche Körpersprache. Ob ein Pferd folgt oder sich zurückzieht, gibt den Teilnehmenden Hinweise darauf, wie sie führen, zuhören und Grenzen setzen.

Von Transport und Kriegsführung über Therapie bis hin zu Coaching: Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd hat sich stetig weiterentwickelt - geprägt von der Geschichte, Kultur und den neuen Aufgaben, die Pferde heute in unserem Leben übernehmen.

Adaption aus dem Englischen: Silke Wünsch

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