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Jazz-Pianist Chick Corea gestorben

11. Februar 2021

Er schrieb Musikgeschichte als einer der wichtigsten Vertreter des sogenannten Rock-Jazz und erhielt unzählige Auszeichnungen für seine Musik. Chick Corea war ein Phänomen.

 Chick Corea sitzt am Piano
Chick Corea hinterlässt eine große Lücke in der Jazzwelt Bild: Oscar Gonzalez/Nurphoto/picture alliance

Die Jazzwelt trauert um einen ihrer ganz Großen: Armando Anthony Corea, genannt "Chick", ist im Alter von 79 Jahren gestorben, wie auf der offiziellen Facebook-Seite des Musikers bekanntgegeben wurde.

Der Musiker und Komponist starb demnach bereits am Dienstag an einer seltenen Krebsart, die erst vor Kurzem diagnostiziert worden sei.

Chick Corea erhielt so viele Grammy Awards wie kein anderer Jazz-Musiker - hier zwei weitere im Jahr 2015Bild: Paul Buck/dpa/picture alliance

Grammy-Rekordhalter

Der 1941 in Chelsea im US-Bundesstaat Massachusetts als Armando Anthony Corea geborene Musiker galt als einer der bedeutendsten Vertreter des Rockjazz und nahm dutzende Alben auf. In seiner langen Karriere gewann der Pianist und Keyboard-Spieler 23 Grammys und wurde insgesamt 65 Mal nominiert. Er gewann mehr Jazz-Grammys als jeder andere Musiker. Sein Album "Now He Sings, Now He Sobs" wurde 1999 in die Grammy Hall of Fame aufgenommen.

Chick Corea bei einem Auftritt 1999 in LondonBild: Images of Jazz/Heritage Images/picture alliance

Corea spielte unter anderem mit dem Trompeter Miles Davis und gründete 1971 die Formation "Return To Forever". Als Komponist schrieb Corea unter anderem den Latin-Jazz-Klassiker "Spain", seinen vermutlich berühmtesten Hit. Andere bekannte Stücke, die als Jazz-Standards gelten, sind "500 Miles High" und "La Fiesta".

Klavier von Kindesbeinen an

Bei seinem Vater - einem Bandleader - lernte Corea schon als Vierjähriger das Klavierspiel vor allem klassischer Komponisten wie Bach und Beethoven. Und bereits in jungen Jahren spielte er mit Saxofon-Legende Stan Getz und Trompeter Dizzy Gillespie zusammen. Herbie Hancock und Thelonius Monk beeinflussten den jungen Musiker, bis schließlich Star-Trompeter Miles Davis das Talent Coreas erkannte und ihn 1968 - anstelle von Hancock - mit auf Tournee nahm. Da hatte Chick Corea bereits seine zweite Platte aufgenommen: "Now He Sings, Now He Snobs" ("Jetzt singt er, jetzt schluchzt er"). Das Album machte Corea in der Jazz-Welt bekannt und ist heute ein Klassiker.

Anfang der 1970-er Jahre gründete Corea mit anderen Musikern die Jazzformation "Return to Forever". Mehrere wichtige Alben folgten, darunter "Light as a Feather" ("Leicht wie eine Feder"), das auch eine der berühmtesten Kompositionen von Chic Corea enthielt - "Spain". Seinen Hang zum spanisch beeinflussten Latin-Jazz drückte Chick Corea schließlich in den Solo-Alben jener Jahre aus, darunter "My Spanisch Heart" ("Mein spanisches Herz"), das mit fulminanten Klavierpassagen und Flamenco-Klängen begeisterte.

Ausflüge in viele Musikgenres

Immer wieder in seiner langen Karriere unternahm Corea Ausflüge in die verschiedenen Musik-Genres - und immer wieder an der Seite wichtiger Musikerkollegen. Der klassischen Musik frönte er etwa Anfang der 1980-er Jahre, als er auf einer Tour mit Herbie Hancock Duette am Flügel spielte. Elektro-Jazz kultivierte Corea in den 1990-ern mit seinen Fusion-Formationen der "Elektric Band". Zurück zum Jazz-Rock fand Chick Corea dann etwa ab 2008. Mit "Return to Forever" ging er auf Welttournee. Anschließend gründete er mit John McLaughlin die "Five Peace Band". Ihr Live-Album "Five Peace Band Live" bescherte Corea den 16. Grammy.

Den gern beschworenen Gegensatz von Jazz und klassischer Musik löste Chick Corea mit spielerischer Leichtigkeit auf. Und überzeugte die Musikfans vom Gegenteil - etwa mit dem Album "The Mozart Sessions", das er mit Bobby McFerrin und dem Saint Paul Chamber Orchestra aus Minnesota aufnahm. Unvergessen auch sein Auftritt mit dem Bayerischen Kammerorchester im Wiener Mozartjahr 2006, als er Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 interpretierte.

Bekennendes Scientology-Mitglied

So staunenswert genial Chick Coreas Musik klang, so umstritten war sein Engagement für die "Scientology Church", der er viele Jahre angehörte. Scientology-Gründer L. Ron Hubbard verehrte er als "großartigen Menschen" und arbeitete auch künstlerisch mit ihm zusammen. In Stuttgart wurde Corea 1993 auf Druck der dortigen Landesregierung deswegen von einem Konzert ausgeschlossen.

Mit Chick Corea verliert die Jazz-Welt einen ihrer kreativsten Köpfe. War ein Konzert gelungen, so spielte er manchmal noch stundenlang versonnen vor sich hin, während das Publikum in Andacht erstarrte. In dem Statement zu seinem Tod kann man auf seiner Facebook-Seite Chick Coreas letzte Worte finden: "Meine Mission", heißt es da, "war es immer, die Freude am Gestalten zu bringen, wo immer ich konnte, und dies mit Künstlern zu tun, die ich so sehr bewundere." Die Botschaft endet: "Das war der Reichtum meines Lebens."

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