1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Jeder fünfte Moskauer lebt unter dem Existenzminimum

16. Oktober 2003

– Einkommen aus Schwarzarbeit nicht berücksichtigt

Moskau, 13.10.2003, NOWYJE ISWESTIJA, russ., Tatjana Aljoschkina

Vor einem Jahr, im September 2002, haben die Moskauer Machtorgane untersucht, wie viele Arme es in der Stadt gibt. Es stellte sich damals heraus, dass unter dem Existenzminimum ein Viertel der Bevölkerung der Stadt – 23,9 Prozent – lebt. Das Existenzminimum lag im letzten Jahr bei 2664 Rubel. In der seitdem vergangenen Zeit ist es um 500 Rubel gestiegen. Die Zahl der Armen ist in der Zeit, schenkt man den Moskauer Machtorganen Glauben, lediglich um 2 Prozent auf 21,7 Prozent gesunken. Und das unter dem Umstand, dass das Komitee für Statistik und die Beamten im Laufe des Jahres stets behaupteten, dass das Lebensniveau der Bevölkerung gestiegen ist und die Regierung die Minimalgehälter seit dem 1. Oktober von 450 auf 600 Rubel erhöht hat.

Die Moskauer werden die Erhöhung der Minimalgehälter jedoch kaum merken. Es ist nämlich so, dass die Inflation "nicht schläft". In den ersten 9 Monaten dieses Jahres hat sie bereits 7 Prozent erreicht. Moskau hat, wie gewöhnlich, die meisten Städte Russlands dabei überholt. Hier sind die Preise von Januar bis September um 8,5 Prozent gestiegen. Dabei sind die Lebensmittel um 6,3 Prozent teurer geworden, der Rest um 8 bis 12 Prozent. Das größte Loch haben jedoch in den kargen Haushalt der armen Moskauer die Tarife für die Dienstleistungen gerissen. Diese sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 17,7 Prozent gestiegen und werden bestimmt weiter zunehmen. Und das heißt, dass die Zahl der Moskauer, die unter dem Existenzminimum leben, in der nächsten Zukunft nicht sinken, sondern weiter steigen wird. Was nicht mit den Jubel-Berichten der föderalen und der Stadtregierung übereinstimmt, in denen es heißt, dass der Wohlstand der Bevölkerung stets zunimmt.

Aber der offiziellen Statistik darf man auch keinen besonders großen Glauben schenken. Kann man doch kaum die Leute als reich oder wohlhabend bezeichnen, deren Einnahmen das Existenzminimum um 100 oder 200 Rubel übersteigt, das heißt nicht 3209 Rubel, sondern 3400 oder 3500 Rubel beträgt. Offiziell werden Leute mit solch einem Einkommen nicht als arm betrachtet, sie gehören der sogenannten "Mittelklasse" an, da deren Gehalt 100 Dollar im Monat übersteigt. Man muss hervorheben, dass Russland, was diese Kennziffer betrifft, deutlich hinter den Ländern mit entwickelter Wirtschaft liegt. (...)

Wenn etwas dieses traurige Gesamtbild ein wenig beschönigen kann, so ist das die Tatsache, dass die Zahl der "Armen" aller Wahrscheinlichkeit nach niedriger ist. Wie Experten zugeben, ist es so, dass sich die Regierung Moskaus bei der Untersuchung der Zahl der Leute, die unter dem Existenzminimum leben, auf Bescheinigungen über die Gehälter der Moskauer stützte. Jedoch durch die Tatsache, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung Moskaus das Gehalt in einem "Umschlag" bekommt, sind sehr viele "Arme" recht wohlhabende Bürger. Die einfachste Methode, die beängstigende Zahl von 22 Prozent rapide zu senken, ist, die Unternehmen zu zwingen, die Gehälter offen zu legen. Der Regierung gelingt es jedoch vorläufig nicht, das zu erreichen. (lr)

Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen