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Politik

Jemen: Nach drei Jahren Krieg droht Hungersnot

25. März 2018

Angesichts der verheerenden Zustände im Jemen warnen UN und Hilfsorganisationen vor der Rückkehr der Cholera und einer Hungersnot. Seit drei Jahren mischen internationale Akteure in Jemens Bürgerkrieg mit.

Ein schiitischer Rebell, bekannt als Houthi, hält ein Metallfragment neben den Trümmern von Häusern, die von einem saudisch geführten Luftangriff in Sanaa im Jemen zerstört wurden
Bild: picture-alliance/H.Mohammed

Drei Jahre nach der Eskalation des Bürgerkrieges im Jemen zeichnen die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen ein düsteres Bild von der Zukunft des Landes. So warnten die UN, die Cholera werde den Jemen vermutlich erneut heimsuchen. Die Krankheit, an der sich im vergangenen Jahr den Angaben zufolge mehr als eine Million Menschen ansteckten, galt zwischenzeitlich als eingedämmt.

"Die Regensaison wird in ein paar Wochen beginnen und ohne große Investitionen wird die Cholera die Menschen und Kinder im Jemen erneut treffen", sagte Geert Cappelaere, Regionaldirektor des UN-Kinderhilfswerks UNICEF, in Amman. Cappelaere zufolge hat sich die Zahl der mangelernährten Kinder seit 2015 auf rund 400.000 verdoppelt. Eine halbe Million Mädchen und Jungen gingen nicht mehr zur Schule.

Konflikt mit internationalen Akteuren

Auch die Hilfsorganisation Oxfam kritisiert die humanitäre Situation im Jemen. "Drei Jahre Krieg haben den Jemen an den Rand einer Hungersnot gebracht", erklärte die stellvertretende Direktorin für humanitäre Hilfe der Organisation, Colette Fearon, in Berlin. Die Bevölkerung könne sich kaum noch die notwendigsten Güter wie Nahrung und Wasser leisten.

Bewaffnete Huthi-Rebellen in Jemens ursprünglicher Hauptstadt Sanaa - längst nicht alle scheinen volljährigBild: Getty Images/AFP/M. Huwais

Im Jemen hat sich ein Bürgerkrieg zu einem Konflikt mit internationalen Akteuren ausgewachsen. Die Huthi-Rebellen kämpfen dort gegen die international anerkannte Regierung des Landes und kontrollieren weite Teile vor allem im Norden sowie die Hauptstadt Sanaa. Vor drei Jahren, am 26. März 2015, begann eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition Luftangriffe auf die Huthis, bei denen auch viele Zivilisten getötet wurden.

Lebensmittel um bis zu 130 Prozent verteuert

Bereits vor dem Eingreifen der Saudis kämpften eine Handvoll bewaffneter Gruppen um Macht und Einfluss in dem Land, darunter die aus dem Norden stammenden Huthi-Rebellen. Die Saudis werfen dem Iran vor, die Huthis zu unterstützen. Der Krieg im Jemen gilt als ein Stellvertreterkrieg der beiden konkurrierenden Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien.

Zerstörung nach einem saudi-arabischen Luftschlag auf SanaaBild: Reuters/K. Abdullah

Seit der Militärintervention sind laut Oxfam die Preise für Reis um 131 Prozent gestiegen, die für Bohnen um 92 Prozent, Pflanzenöl um 86 Prozent und Mehl um 54 Prozent. Im gleichen Zeitraum habe die Zahl hungernder Menschen um 68 Prozent zugenommen und liege nun bei fast 18 Millionen. In dem Krieg seien bisher 5.500 Zivilisten getötet worden, weitere 2.000 seien an der Cholera gestorben.

Neuer UN-Sonderbeauftragten für den Jemen

Die Vereinten Nationen sprechen mit Blick auf die gemarterte Zivilbevölkerung von der größten humanitären Krise der Welt; mehr als 22 Millionen Menschen brauchen demnach dringend Hilfe. Neben der Cholera breitete sich auch die Diphtherie aus.

Nach Angaben des internationalen Netzwerks Crisis Action sind die Krankheiten auch deswegen auf dem Vormarsch, weil etwa ein Drittel der bislang erfassten rund 16.500 Luftangriffe der Saudis auch nicht-militärische Zielen wie Krankenhäuser, Lebensmittellager oder Marktplätze trafen. Verschärft wird die Lage durch die Blockade des wichtigen Hafens Al-Hudaida am Roten Meer.

Auch deutsche Technik im Jemen-Krieg?

Andere Staaten scheuten sich bisher, als Vermittler in den Konflikt einzugreifen. Ein wenig Hoffnung liegt nun auf dem neuen UN-Sonderbeauftragten für den Jemen Martin Griffiths. Der Brite gilt als erfahrener und ehrgeiziger Vermittler und folgte zu Monatsbeginn auf den Mauretanier Ismail Ould Sheik Ahmed, der nach fast drei Jahren entnervt das Handtuch warf.

Die Lieferung neuer Küstenschutzboote an Saudi-Arabien aus Deutschland wird aller Voraussicht nach eine friedliche Lösung des Jemen-Konflikts nicht beschleunigen. Eigentlich wollte die große Koalition "ab sofort" keine Rüstungsexporte an Länder genehmigen, "solange diese unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt sind". Am vergangenen Freitag jedoch hatte der Bundessicherheitsrat die Lieferung nach Saudi-Arabien durchgewunken. Das Gremium tat dies offenbar mit der Begründung, dass dafür bereits eine Vorgenehmigung an Saudi-Arabien erteilt worden sei.

Die Kleinen leider am meisten unter dem Krieg: unterernährtes Kind im JemenBild: picture-alliance/AP Photo

cw/kle (dpa, kna)

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