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Jim Morrison glückt erste Skiabfahrt durch Everest-Nordwand

Stefan Nestler
16. Oktober 2025

Der US-Amerikaner Jim Morrison ist mit Skiern durch die extrem steile und gefährliche Nordwand des Mount Everest gefahren. Er widmet den Erfolg seiner tödlich verunglückten Lebensgefährtin.

Mount Everest
Nordwand des Mount Everest - das Supercouloir verläuft rechts durch die Wand fast gerade nach unten Bild: picture alliance/dpa/XinHua

Am höchsten Punkt der Erde, dem Gipfel des Mount Everest auf 8849 Metern, verstreute US-Skibergsteiger Jim Morrison die Asche seiner vor drei Jahren tödlich verunglückten Lebensgefährtin Hilaree Nelson. Sie war im Herbst 2022 beim gemeinsamen Versuch einer Skiabfahrt vom Achttausender Manaslu in Nepal im Gipfelbereich von einer kleiner Lawine erfasst worden und in den Tod gestürzt.

Nach dem emotionalen Moment am Gipfel des Everest schnallte Morrison die Ski an und begann seine Abfahrt durch das sogenannte "Supercouloir" in der Nordwand, eine Kombination zweier rund 50 Grad steiler Felsrinnen, mit Schnee und Eis gefüllt.

Vier Stunden und fünf Minuten später erreichte Morrison den Wandfuß auf rund 6000 Metern am Zentralen Rongbuk-Gletscher. Noch niemals zuvor war eine Skiabfahrt durch die steile und extrem anspruchsvolle Nordwand auf der tibetischen Seite des Mount Everest geglückt. Es gab nur wenige Versuche.

Hommage an verstorbene Lebensgefährtin

"Als ich endlich den Bergschrund [Spalte zwischen Wandfuß und Gletscher - Anm. d. Red.] überquert hatte, weinte ich. Ich hatte so viel riskiert, aber ich war am Leben", sagte Morrison einem Reporter seines Sponsors National Geographic. "Es fühlte sich wie eine Hommage an Hilaree an - etwas, worauf sie stolz gewesen wäre. Ich spürte wirklich, dass sie bei mir war und mich anfeuerte."

Elf weitere Bergsteiger waren - mutmaßlich mit Flaschensauerstoff, andernfalls wäre es wohl vermeldet worden - gemeinsam mit Morrison durch das Supercouloir bis zum Gipfel aufgestiegen. Es handelte sich um Bergführer des kommerziellen Expeditionsveranstalters Alpenglow Expeditions aus den USA, erfahrene Sherpas aus Nepal, die die Aufstiegsroute mit Seilen sicherten, und ein Kamerateam um den Oscar-gekrönten Dokumentarfilmer und Bergsteiger Jimmy Chin.

Extrem schwierig und gefährlich

Zuvor hatte nur etwa eine Handvoll Bergsteiger die 1980 von Japanern eröffnete Route gemeistert, zuletzt vor mehr als 30 Jahren. Sie ist klettertechnisch sehr anspruchsvoll und häufig extrem lawinengefährdet. 2002 war der Franzose Marco Siffredi bei dem Versuch, mit dem Snowboard dort abzufahren, ums Leben gekommen. Seine Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

"Es war eine Mischung aus Überlebensskifahren und echtem Schreddern", sagte Morrison nach seiner geglückten Abfahrt. Im sogenannten Hornbein-Couloir - benannt nach dem Erstbegeher Tom Hornbein 1963 - im oberen Bereich der Wand musste der 50-Jährige einmal die Skier abschnallen und sich 200 Meter weit über blanken Fels abseilen.

"Einige Abschnitte waren glatt genug für echte Schwünge", so Morrison. "Andere waren zerfurcht und wiesen Höhenunterschiede von bis zu einem Meter auf, wie gefrorene Wellen."

Erfolg im dritten Anlauf

Es war Morrisons dritter Versuch einer Skiabfahrt durch die fast 3000 Meter hohe Nordwand des Everest. 2023 hatten die chinesisch-tibetischen Behörden erst so spät im Herbst eine Besteigungsgenehmigung erteilt, dass dem Team die Zeit davongelaufen war.

2024 endete die Expedition vorzeitig, nachdem ein nepalesischer Bergsteiger auf knapp 8000 Metern von einer kleinen Lawine getroffen worden war und sich bei dem Sturz ins Seil den Oberschenkel gebrochen hatte. Er hatte gerettet werden können und gehörte jetzt zu den Bergsteigern, die mit Morrison den Gipfel erreichten.

Bei der Expedition 2024 wurde ein Schuh des seit über 100 Jahren vermissten britischen Bergsteigers Andrew Irvine gefundenBild: Erich Roepke/National Geographic/PA/dpa/picture alliance

Bei der Expedition vor einem Jahr hatte das Team am Fuß der Everest-Nordwand menschliche Überreste des seit 1924 vermissten britischen Bergsteigers Andrew Irvine gefunden: einen Fuß in einem Schuh, auf dem Strumpf ein Namensetikett. Irvine und sein Gefährte George Mallory waren vor 101 Jahren bei dem Versuch, erstmals den Everest zu besteigen, ums Leben gekommen. Mallorys Leiche war 1999 gefunden worden.

Pionier Hans Kammerlander

Die erste Skiabfahrt auf der tibetischen Nordseite des Bergs gelang 1996 dem Südtiroler Hans Kammerlander. Er war - ohne Sherpa-Unterstützung und ohne Flaschensauerstoff - über die Normalroute über den Nordostgrat aufgestiegen und auf selbem Wege mit Skiern abgefahren. Wegen Schneemangels hatte Kammerlander jedoch in mehreren Passagen die Ski abschnallen müssen.

Auf der nepalesischen Südseite des Everest glückte im Jahr 2000 dem Slowenen Davo Karnicar - nach einem Aufstieg mit Atemmaske - über die dortige Normalroute die erste komplette Skiabfahrt bis ins Basislager.

Vor drei Wochen schaffte der polnische Skibergsteiger Andrzej Bargiel auf der nepalesischen Seite des Bergs dieses Kunststück erstmals ohne Flaschensauerstoff. Er wurde beim Aufstieg jedoch von mehreren nepalesischen Bergsteigern unterstützt, die Atemmasken trugen. 

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